Gerichtsurteil Hoeneß-Erpresser muss fast vier Jahre in Haft

Er drohte Uli Hoeneß Probleme in der Haft an - und muss nun selbst einsitzen. Der Mann, der den Ex-Präsidenten des FC Bayern erpressen wollte, muss für Jahre ins Gefängnis.

Der Erpresser von Uli Hoeneß ist zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden. Der 51-Jährige hatte zuvor gestanden, den ehemaligen Präsidenten des FC Bayern vor dessen Haftantritt mit einem Drohbrief erpresst und 215.000 Euro verlangt zu haben. Quelle: dpa

Thomas S. nimmt das Urteil weitgehend regungslos entgegen. Er kennt das schon. Als Serienstraftäter saß er immer wieder im Gefängnis - wegen Betrug oder Unterschlagung, Diebstahl, Raub oder Urkundenfälschung. Bislang fanden die Urteile gegen ihn weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, weil sich niemand für den Kleinkriminellen interessierte. Am Dienstag vor dem Landgericht München II ist das anders. Denn S. hat den vielleicht bekanntesten Ex-Fußball-Funktionär Deutschlands erpresst: niemand geringeren als Uli Hoeneß. Drei Jahre und neun Monate muss der 51-Jährige dafür ins Gefängnis - schon wieder.

S. habe Hoeneß' Hilflosigkeit ausgenutzt

„Sie sind einschlägig vorbestraft, haben daraus nichts gelernt“, sagt der Vorsitzende Richter Oliver Ottmann. „Uli Hoeneß ist bekannt wie ein bunter Hund.“ S. habe bewusst „dessen besondere Hilflosigkeit ausgenutzt“, als er Hoeneß im Mai dieses Jahres - kurz vor dessen Haftantritt wegen Steuerhinterziehung - einen Drohbrief schrieb und 215.000 Euro von ihm forderte.

Andernfalls könne sich der Ex-Präsident des FC Bayern München auf einen „unruhigen Haftverlauf“ einstellen, hieß es in dem Brief, den S. als „Mister X“ unterschrieb und der am 10. Mai bei Hoeneß zu Hause in Bad Wiessee einging. „Der mächtige Mann Hoeneß auf einmal machtlos“, fasst Richter Ottmann den Eindruck der Polizisten zusammen, die Hoeneß nach dem Eingang des Erpresserbriefs befragten. Weil er 28,5 Millionen Euro Steuern hinterzogen hat, sitzt Hoeneß seit dem 2. Juni in Landsberg am Lech im Gefängnis. Zu drei Jahren und sechs Monaten Haft war er im März verurteilt worden.

„Ich weiß, das ist doof. Aber ich zahle volle Steuern.“
„Herr Hoeneß, sind Sie ein Zocker?“, fragte das Handelsblatt 2011 im Interview. Die Antwort: „Nein, das bin ich nicht. Früher war ich zwar spekulativer unterwegs, habe etwa mit Devisen gehandelt. Ich war aber nie ein Daytrader oder so etwas. Kurz rein und schnell wieder raus – das entspricht nicht meiner Überzeugung. Ich versuche, Ideen zu entwickeln, die ich dann langfristig verfolge.“ Quelle: AP
Das Handelsblatt fragte weiter: „Beschäftigen Sie sich täglich mit der Börse?“ Hoeneß: „Nein, das kann man nicht, dafür fehlt mir auch die Zeit. Vermutlich würde ich auf Dauer sowieso verrückt werden, wenn ich jede noch so kleine Veränderung beobachten würde.“ Quelle: REUTERS
„Ich weiß, dass das doof ist. Aber ich zahle volle Steuern.“ Interview mit der Bild-Zeitung, 2005 Quelle: dpa
„Und es kann doch nicht der Sinn der Sache sein, ins Gefängnis zu wandern, nur um ein paar Mark Steuern zu sparen.“ Interview mit der Welt, 2002 Quelle: AP
„Natürlich will ich Erfolg, aber nicht um jeden Preis. Wenn es um Geld geht, muss man auch mal zufrieden sein.“ Im Interview mit Brand Eins, 2011 Quelle: dpa
„Wenn die Unternehmer alle in die Schweiz gehen, ist auch keinem geholfen. Mit einer Reichensteuer geht es dem kleinen Mann kein Stück besser.“ Bei Maybrit Illner, 2009 Quelle: REUTERS
„Keine Regierung der Welt kann mein Vermögen klein machen. Das mache ich schon selber – indem ich Fehler mache. Mir ist inzwischen egal, ob ich 20, 50 oder 100 Prozent Steuern zahle. Mir geht es um die kleinen Leute.“ Interview mit der Abendzeitung München, 2002 Quelle: dpa

„Die beiden Verfahren haben keinerlei Verbindung“, sagt Richter Ottmann zwar und betont, das sei, als wolle man Äpfel nicht mit Birnen, sondern mit Kühlschränken vergleichen. Allerdings war es wohl die Berichterstattung über den Prozess gegen Hoeneß, über das Urteil und die Vorbereitung auf den Haftantritt, die S. überhaupt erst auf die dumme Idee brachte, den gefallenen „Mr. FC Bayern“ zu erpressen.

Auf seinem Computer wurden Recherchen zu Hoeneß nachgewiesen, die Polizei fand in seiner Wohnung Zeitungen, in denen Berichte über den Ex-Präsidenten aufgeschlagen waren. Das Urteil gegen Hoeneß sei ihm im Vergleich zu einer Strafe, die er selbst einmal wegen Betruges habe absitzen müssen, „ungeheuer“ erschienen, sagt der Angeklagte vor Gericht. Er selbst habe wegen einer Summe von 220.000 D-Mark eine Haftstrafe von mehr als sechs Jahren bekommen. Hoeneß dagegen hinterzog Steuern in Millionenhöhe - und bekam in etwa die Hälfte. „Ich habe mich über das Strafmaß geärgert“, gibt S. zu.

Neid sei im Leben von Thomas S., der schon früh auf die schiefe Bahn geriet, an Diabetes leidet und mehr als 300.000 Euro Schulden hat, immer ein großes Thema gewesen, hatte ein Gutachter am Montag gesagt, der dem Angeklagten ein „parasitäres Verhalten“ bescheinigte. Er lebte zuletzt auf Kosten seiner Lebensgefährtin. Ein Lotto-Geschäft, das er auf ihren Namen eröffnete, brachte ihn nur noch tiefer in die Misere hinein - seine Freundin, die er nach ihrer Zeugenaussage vor Gericht verzweifelt und mit Tränen in den Augen umarmt, zog er mit in den finanziellen Abgrund.

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Als er den Entschluss fasste, Hoeneß den Erpresserbrief zu schreiben und ihm zu drohen, die Haft werde „kein Zuckerschlecken“, wenn er nicht zahlt, habe er keinen anderen Weg aus seiner Lage gesehen. „Zusätzlich möchte ich angeben, dass mir die Tat sehr leidtut und dass ich mein Handeln in dieser Situation, in der ich nicht mehr ein noch aus wusste, zutiefst bereue“, sagt der geständige Erpresser, der auch schon in einem Brief an die Familie Hoeneß um Verzeihung gebeten hat, kurz vor dem Urteil - und bittet um Milde. Die Erpressung sei eine „selbstzerstörende Idee“ gewesen, sagt er.

Hoeneß hat inzwischen sechs Monate seiner Strafe abgesessen, hatte schon Ausgang und kann sich an Weihnachten auf ein Fest mit seiner Familie freuen, bevor er möglicherweise schon im Januar Freigänger wird. Thomas S. dagegen feiert wohl nicht nur dieses Weihnachten hinter Gittern.

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