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Digitale RentenübersichtDas neue Rentenportal ist kein großer Wurf

Nach mehreren Jahren geht ein neues staatliches Portal an den Start: Es soll gebündelt über den persönlichen Altersvorsorgestand informieren. Die Ambitionen sind groß – die Realität ist leider trist. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Niklas Hoyer 30.06.2023 - 14:16 Uhr

Künftig soll jeder die Möglichkeit haben, online einen Rentenüberblick zu bekommen.

Foto: Getty Images

Vor mehr als vier Jahren startete die Vorbereitung mit einem Forschungsprojekt im Auftrag mehrerer Bundesministerien. Es ging darum, ein übersichtliches Informationssystem zur Altersvorsorge zu entwickeln. Und heute – stellen Sie sich an dieser Stelle einen Tusch vor – ist es soweit: Die Digitale Rentenübersicht startet. Gegen 15 Uhr am Freitag soll die Registrierung möglich sein.

Viele haben tatsächlich kaum eine Vorstellung davon, wie viel Geld sie später im Alter haben werden – und noch weniger davon, ob das reicht. In der Digitalen Rentenübersicht sollen zumindest die absehbaren Ansprüche gebündelt und übersichtlich präsentiert werden, sowohl für gesetzliche als auch für betriebliche und private Altersvorsorge.

Der Ansatz ist also gut und richtig. Das Vorhaben ist zu begrüßen. Doch jetzt, Sie ahnen es schon, folgt ein fettes Aber. Denn leider wird das Portal seinen Ansprüchen bislang überhaupt nicht gerecht. Das steht schon fest, noch bevor private Nutzer es überhaupt ausprobieren konnten.

Es geht nicht darum, dass der Zugriff vielen schwerfallen dürfte (es braucht die eigene Steuer-ID und einen Personalausweis mit aktivierter Online-Ausweisfunktion). Es geht auch nicht darum, dass es bis zu fünf Tage dauern soll, bis die eigenen Ansprüche einsehbar sind. All das ist verschmerzbar.

Nur drei Anbieter machen vorerst mit

Ein echtes Problem ist hingegen, dass zum Start – wohlgemerkt nach Jahren der Vorbereitung – überhaupt nur drei (!) Anbieter mitmachen: die gesetzliche Rentenversicherung, die Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder und der private Anbieter Union Investment (der viele Riesterverträge führt). Es sollen mehr werden. „Die Lebensversicherer arbeiten mit Hochdruck an der technischen Anbindung an das Portal“, sagt Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Hochdruck? Von außen sieht das Ganze eher nach Niederdruck aus.

Zumal ohnehin – und das ist ein weiterer Kritikpunkt – nur Teile der Altersvorsorge erfasst werden. Die immer beliebteren Sparpläne für Indexfonds (ETFs) etwa spielen auf dem Portal keine Rolle. Fondssparpläne sollen nur in Ausnahmefällen, etwa bei Riesterförderung, abgebildet werden. Immobilien oder Geldguthaben können gar nicht eingebunden werden.

Der Staat vermittelt den Eindruck, dass es zur Altersvorsorge Rentenversicherungen braucht. Ein fataler Eindruck. Viele dieser Verträge sind teuer und unflexibel. Altersvorsorge ist nichts anderes als langfristiges Sparen. Und das geht oft viel besser und kostengünstiger auf eigene Faust.

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Steuern und Sozialabgaben werden ausgeblendet

Zu sehen sind im Portal auch nur die Bruttoansprüche, also vor dem Abzug von Steuern und Sozialabgaben, etwa für die Krankenversicherung. Solche Abzüge seien zu individuell, heißt es bei der Deutschen Rentenversicherung. 

Dabei besteht gerade an dieser Stelle Aufklärungsbedarf: Viele Rentner werden von der Steuer im Alter böse überrascht. Durch die Rentenerhöhung zum 1. Juli dürften erneut über 100.000 Rentnerinnen und Rentner über die Schwelle rutschen, ab der sie Steuern zahlen müssen. Im Hintergrund schwelt zudem noch ein Streit über eine verfassungswidrige Doppelbesteuerung von Renten.  

Außerdem sind die steuerlichen Unterschiede je nach Vertragsart groß: Riesterrenten unterliegen beispielsweise einer vollen nachgelagerten Besteuerung, sind also bei Auszahlung zu 100 Prozent steuerpflichtig. Auch bei gesetzlichen Krankenkassen kann es überraschend hohe Beitragspflichten im Alter geben, etwa bei betrieblicher Altersvorsorge, vor allem Direktversicherungen. 

Der erhoffte große Wurf ist bislang eine Minimallösung. Er bündelt nur die jährlichen Standmitteilungen, die auch weiterhin per Brief kommen werden. Es bleibt zu hoffen, dass das Projekt nach der Pilotphase doch noch irgendwann abhebt.

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