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Fahrrad-DiebstahlSo finden Radler die richtige Versicherung

Bei der Fahrrad-Versicherung kann das Kleingedruckte schnell den letzten Nerv rauben. Über Prozentsätze, Nachttarife, Schlösser - und warum nicht jedes E-Bike ein E-Bike ist: Alles, was Radler wissen müssen.Anke Henrich 07.03.2017 - 19:57 Uhr

Das Fahrrad ist ein beliebtes Diebesgut. Welche Versicherung Sie optimal vor dem Verlust schützt.

Foto: imago images, Collage

Diese Bande war bestens organisiert: Erst klauten sie in weit entfernten Städten hochwertige Fahrräder. Zerlegt in Einzelteile schickten sie sie dann per Bahnfracht nach Hause. Dort feilten ihre Ganoven-Kollegen sorgsam die Seriennummern aus den Rahmen und schraubten aus den Teilen verschiedener Räder ganz neue Exemplare zusammen. Lackierten sie ordentlich, verkauften sie teuer.

Geschnappt wurden sie trotzdem. Eine empfindliche Strafe drohte ihnen zudem, denn gerade erst hatten Richter einen anderen Fahrraddieb zu neun Jahren Haft verdonnert. Die Ganoven-Combo ging als „Denver-Ring“ in die Geschichte ein – in den 1890er Jahren in Amerika.

An dieser Arbeitsweise hat sich bis heute auch in Deutschland nichts geändert. Nur dass organisierte Kleinkriminelle hierzulande viel zu selten erwischt werden und ihnen keine drakonischen Strafen drohen.

Elektrisch auf drei Rädern

Mit ihren drei Rädern und der Gokart-ähnlichen Fahrdynamik haben die Fahrzeuge von HP Velotechnik schon immer eher an ein Auto als an ein Fahrrad erinnert. Vom Modelljahr 2017 an steckt in den Trikes noch mehr Auto: Als Weltneuheit präsentieren die Liegeradspezialisten „Scorpion“, eine Kombination aus Dreirad mit SHIMANO-Elektromotor und automatischer Gangschaltung. Das System erfasst unter anderem Geschwindigkeits- und Trittfrequenzdaten sowie den Druck, den der Fahrer auf das Pedal bringt – so wählt es automatisch den richtigen und effizientesten Gang. Dank einer effizienten Energienutzung (Lithium-Ionen-Akku mit 418Wh) beträgt die Reichweite bis zu 125 Kilometer. Die E-Trikes von HP Velotechnik sind ab November 2016 zu Preisen ab 4.670 Euro erhältlich.

(Foto: hpvelotechnik.com)

Foto: WirtschaftsWoche

Mehr Sicherheit …
beim E-Bike-Fahren bietet das Anti-Blockier-System von BrakeForceOne. Dank verschiedener Sensoren erkennt der ABS-Algrorithmus, ob eines der Räder zu blockieren droht. Wenn ja, trennt das System die hydraulische Verbindung zwischen Bremsgriff und Bremssattel und regelt dann selbstständig den Bremsdruck. Das ABS wird über den Akku des E-Bikes mit Strom versorgt, ist jedoch nur kompatibel mit dem H2O-Bremsensystem von Brake ForceOne. Das ABS wird in Kleinserie ab Sommer 2017 erhältlich sein, der Preis ist noch nicht bekannt.

(Foto: BrakeForceOne)

Foto: WirtschaftsWoche

Nachhaltig, sozial – und aus Bambus
Eine weitere Neuheit auf der Eurobike 2016 kommt aus Kiel: my Boo präsentiert mit „my Volta“ das erste eigene Bambus-E-Bike. Gemeinsam mit einem Partner-Unternehmen aus Ghana stellt das Start-up Fahrräder aus Bambus vor, die nachhaltig und sozial verträglich vor Ort produziert werden. Ab dem kommenden Jahr ist nun das erste Bambuspedelec erhältlich: Ausgestattet mit einem SHIMANO-Mittelmotor und einem 418Wh-Akku, hat das E-Bike eine Reichweite von bis zu 120 Kilometern. Erhältlich ist das Bambus-E-Bike zum Preis von 3.999 Euro voraussichtlich ab Frühjahr 2017.

(Foto: my Boo)

Foto: WirtschaftsWoche

Clever gesichert …
sind Räder mit der neuen „NutFix“-Technologie von Sicherheitsspezialist ABUS. An Laufrädern und Sattel werden die klassischen Muttern oder Schnellspanner einfach durch „NutFix“-Muttern ersetzt. Die Verschraubungen lassen sich mit normalen Maulschlüsseln öffnen – die Muttern werden allerdings von einer Kappe verdeckt, die nur heruntergezogen werden kann, wenn die Achse oder Schraube vertikal ausgerichtet ist, das Fahrrad also liegt. Wer sein Rad an einem festen Gegenstand wie einem Radparker anschließt, an dem es sich nicht auf die Seite legen lässt, kann die einzelnen Teile mit einfach und ohne aufwendiges Anschließen sichern. Die „NutFix“-Technologie ist ab Frühjahr 2017 ab 29,95 Euro erhältlich.

(Foto: www.pd-f.de / abus)

Foto: WirtschaftsWoche

Vom normalen Rad zum E-Rad …
in nur 30 Minuten: Der E-Bike-Motor Pendix macht schnell und unkompliziert aus jedem konventionellen Fahrrad ein E-Bike. Das System besteht aus einem Akku, einem Ladegerät und einem Antrieb. Der Antrieb lässt sich in der Mitte des Fahrrads montieren, verschieden farbige Leuchten am Akku geben dem Fahrer Auskunft über die aktuelle Kapazität. Das Pendix-System kostet 1.490 Euro und ist mit dem Start der Eurobike erhältlich.

(Foto: pendix.de)

Foto: WirtschaftsWoche

Jeder neue Fahrstil …
braucht eine neue Lösung. Deswegen stellt der Komponentenhersteller SRAM in diesem Jahr seine im Mountainbike-Segment bereits etablierten Schaltungstechnologien erstmals auch in einer speziellen E-Bike-Variante zur Verfügung: EX1 ist das weltweit erste Antriebssystem, das speziell für die Anforderungen von E-Mountainbikes entwickelt wurde. Es ermöglicht optimale Gangsprünge für gezieltere Schaltvorgänge und die beste Übersetzung für E-Mountainbikes mit Mittelmotor. Das Antriebssystem ist ab Herbst 2016 erhältlich, die einzelnen Komponenten kosten zwischen 20 Euro (SRAM X-SYNC™-Zahnkränze) und 450 Euro (E-BLOCK™-Kassette).

(Foto: www.pd-f.de / Mathias Kutt)

Foto: WirtschaftsWoche

Weniger Verschleiß
Ein neues praktisches Zubehör kommt von SCHWALBE: Der „Nobby Nic Double Defense” ist ein Allround-Reifen, der speziell für elektrisch angetriebene Mountainbikes entwickelt wurde und besonders stabil ist. Zusätzlich zum normalen Schutzgewebe ist er mit einer zweiten Gewebeschicht unter der Lauffläche ausgestattet – das soll dem Reifen eine höhere Stabilität verleihen und besser vor Pannen schützen. Der Geländereifen ist ab Ende 2016 erhältlich und kostet etwa 40 Euro.

(Foto: SCHWALBE)

Foto: WirtschaftsWoche

Innovation auf zwei Rädern
Ausgestattet mit vielen neuen Funktionen, kommt das „Sduro Allmtn 8.0“ von Haibike demnächst auf den Markt. Es gehört zu einer Serie, die der Mountainbike-Spezialist mit dem neuen PW-X-Antrieb von Yamaha ausstattet. Der Motor ist laut Hersteller leichter, kompakter, hat eine bessere Leistungsentfaltung, mehr Drehmoment und höhere Akku-Kapazität als der Vorgänger. Das E-Bike hat ein in den Vorbau integriertes Display, das eigens von Haibike entwickelt worden ist. Wie alle Modelle der „Sduro Evo“-Reihe ist es zudem mit dem „eConnect“-System ausgestattet, das Fahrdaten an eine App überträgt. So werden ein Diebstahlschutz und eine Notruffunktion im Falle eines Sturzes aktiviert. Die Sduro-Serie kommt im Frühjahr 2017 in den Handel, das Sduro Allmtn 8.0 ist für 5.499 Euro erhältlich.

(Foto: www.pd-f.de / haibike)

Foto: WirtschaftsWoche

Viel Platz für Gepäck …
bietet das E-Lastenrad „Packster“ vom Darmstädter Hersteller Riese & Müller. Das Long-John-Rad hat die Ladefläche zwischen Lenker und Vorderrad und kommt ohne Hinterradfederung aus. Die Grundfläche der für den professionellen Einsatz gedachten Langversion ist mit maximal 64,5 x 80,5 cm an den in der Industrie üblichen Behälter- und Boxenmaßen orientiert. Weil die Ladefläche des „Packsters” keine seitliche Begrenzung durch Rahmenrohre aufweist, ist hier auch Platz für zwei großzügige Kindersitzplätze nebeneinander. Das Lastenrad ist in beiden Lägen als 25- und 45-km/h-Pedelc ab Herbst 2016 ab 3.999 Euro erhältlich, die Langversion kostet jeweils 100 Euro Aufpreis.

(Foto: www.pd-f.de / Mathias Kutt)

Foto: WirtschaftsWoche

Besonders pfiffig …
ist ein E-Bike dann, wenn es sich im Alltag problemlos mit anderen Verkehrsmitteln kombinieren lässt. Das dürfte bei dem neuen Modell des Herstellers Tern besonders gut gelingen: Auf der Eurobike stellen die Taiwaner ihr erstes faltbares Elektrorad vor. Das Rad lässt sich in weniger als zehn Sekunden so klein zusammenfalten, dass man es problemlos im Bus oder in der Bahn transportieren kann. Dank des 300Wh-Akkus von Bosch erreicht das Rad eine Reichweite von bis zu 100 Kilometern. Erhältlich ist es ab Frühjahr 2017 zum Preis von 2.999 Euro.

(Foto: Tern Bicycles)

Foto: WirtschaftsWoche

Kaum gekauft und schon geklaut: Nicht nur Edelräder, teure Pedelecs und E-Bikes sind eine begehrte Beute. Rund 335.000 Diebstähle wurden 2016 bei der Polizei angezeigt. Der Verlust vieler rostiger Drahtesel dürfte aus Hoffnungslosigkeit gar nicht erst gemeldet worden sein.

Die Angst ums schöne Rad ist ein nettes Zusatzgeschäft für Versicherungen. Das deutsche Durchschnittrad kostete 2016 rund 540 Euro - das macht ihre Policen immer attraktiver. Doch das Dickicht im Kleingedruckten ist für Radler so tückisch wie überfrierende Nässe. Die Gefahr erkennt man erst, wenn es zu spät ist.

Fahrräder in der Hausratversicherung

Drahtesel gehören zum Hausrat und folglich gilt für sie wie für Laptops, Uhren oder Handys: Kommen sie wegen Sturm, Hagel oder Einbruchsdiebstahl zu Schaden, ersetzt sie die Hausratversicherung. Bianca Boss, Sprecherin der Verbraucherorganisation Bund der Versicherten, warnt aber: „Wird das Rad vorm Einkaufszentrum statt aus dem eigenen Keller geklaut, haftet die Versicherung nicht.“

Anzahl der Diebstähle 2015 leicht gesunken

Die Zahl der Fahrraddiebstähle ist im Jahr 2015 leicht gesunken: Insgesamt wurden bei den Behörden 335.174 Straftaten angezeigt – das sind etwa 4000 Fahrräder weniger als im Vorjahr. Mehr als 233.000 der gestohlenen Letzen entfallen auf die 160 größten deutschen Städte und Landkreise. Die durchschnittliche Aufklärungsquote lag gerade einmal bei 9,1 Prozent. Was am Ende bleibt, ist eine Schadensumme von über 160 Millionen Euro und viele unwiderrufliche Verluste.

Datenquelle: billiger.de

Foto: Presse

Aufklärungsquote

Ist das Rad einmal verschwunden, so bleibt es in den meisten Fällen auch dabei. Bei mehr als 90 Prozent der in Deutschland gemeldeten Diebstähle bleiben die Täter unerkannt. Im Bundesland Thüringen ist die Aufklärungsquote laut Studie besonders hoch: Bei 17,9 Prozent der Diebstähle wurde der Täter gefasst oder das Rad wiedergefunden. In den Stadtstaaten – Bremen, Hamburg und Berlin – ist die Aufklärungsquote mit etwa fünf Prozent deutlich niedriger.

Foto: dpa

Aus Angaben der zuständigen Behörden auf Landes- und Bundesebene lassen sich einige allgemeine Fakten über deutsche Fahrraddiebe skizzieren. So waren mehr als vier von zehn Diebe jünger als 21 Jahre. Und besonders auffällig: Fast jeder Fahrraddieb (92,2 Prozent) war 2015 männlich.

Foto: AP

Neben stabilen Bügel- oder Faltschlössern mit VdS-Zertifikat raten Fachmänner zu GPS-Trackern, die das Auffinden gestohlener Räder vereinfachen. Auch beim Abstellen des Drahtesels sollten einige Basics beachtet werden: es sollte an einem stabilen Gegenstand befestigt werden. Wenn möglich, ist ein abgeschlossener Keller oder Innenhof des Hauses zu bevorzugen, um die Entschädigung der Hausratversicherung zu erhalten. Außerdem sollte bereits beim Kauf des Rades sichergestellt werden, dass es sich nicht um Hehler-Ware handelt: Also immer nach einer eindeutigen Rechnung fragen. Experten empfehlen, das Rad möglichst individuell zu gestalten, sodass es schwer als Hehlerware zu verticken ist.

In diesen Städten zehn Städten sollten Sie besonders umsichtig sein:

Foto: dpa

Platz 10: Oldenburg

In der Universitätsstadt Oldenburg ist die Diebstahlquote 2015 im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen: Während die Gemeinde 2014 1209 Diebstähle pro 100.000 Einwohner verzeichnete, waren es ein Jahr später fast 60 mehr. Aufgeklärt wurden fast 11 Prozent der Straftaten.

Foto: dpa Picture-Alliance

Platz 9: Kiel

Während es Kiel im Jahr 2014 nicht unter die Top-Ten der Diebstahl-Hochburgen schaffte, landet die Landeshauptstadt von Schleswig-Holstein nun auf Rang neun. 2015 wurden 1286 Räder pro 100.000 Einwohner gestohlen. Die Aufklärungsquote lag laut Statistik mit 4,5 Prozent deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt

Foto: dpa

Platz 8: Dessau-Roßlau

Wer sich in Dessau-Roßlau gerne auf zwei Rädern fortbewegt, sollte den Einfluss von Dieben nicht unterschätzen: die Gefahr, sein Fahrrad nicht mehr wiederzusehen, ist hier relativ groß. 1294 Bikes je 100.000 Einwohner wurden 2015 gestohlen. Bei 11,7 Prozent der gemeldeten Diebstähle konnten die Täter ermittelt werden.

Foto: AP

Platz 7: Landshut

2015 wurden in Landshut laut Statistik insgesamt 883 Fahrräder gestohlen – auf 100.000 Einwohner umgerechnet waren das 1380 Bikes. Die Polizei fasste 6,3 Prozent der Täter.

Foto: dpa

Platz 6: Potsdam

Auch Potsdam zählt zu den Rad-Diebstahlhochburgen: Auf 100.000 Einwohner kamen 1341 geklaute Drahtesel im Jahr 2015. Das sind 92 mehr als noch im Vorjahr. Aufgeklärt wurden gut sieben von hundert Fällen.

Foto: dpa

Platz 5: Emden

2014 gehörte die niedersächsische Stadt noch nicht zu den Top-Ten der Gemeinden, in denen besonders viele Räder gestohlen werden. 2015 belegte Emden Rang fünf mit 1376 geklauten Bikes pro 100.000 Einwohner. Immerhin: Die Beamten stellten 22,5 Prozent der Täter.

Foto: dpa

Platz 4: Halle (Saale)

In Halle entwendeten die Täter 2015 laut Behörden insgesamt 3359 Fährräder – das sind auf 100.000 Einwohner heruntergerechnet 1445 Bikes. Lediglich 5,3 Prozent der Taten klärte die Polizei auf.

Foto: dpa

Platz 3: Cottbus

Die zweitgrößte Stadt Brandenburgs, Cottbus, landete im Straftaten-Ranking 2014 auf Platz eins. Dass es in 2015 Platz drei geworden ist, liegt am Rückgang auf 1.502 Diebstähle je 100.000 Einwohner. Im Vorjahr gab die Statistik noch 2030 geklaute Fährräder für dieselbe Zahl an Einwohnern an.

Foto: dpa

Platz 2: Magdeburg

Magdeburg, die Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt, ist bei Fahrraddieben schwer gefragt. 3.517 Diebstähle wurden hier 2015 insgesamt gemeldet, das sind 266 weniger als noch 2014. Auf 100.000 Einwohner kamen 1.514 entwendete Räder. Damit nimmt Magdeburg den gleichen Platz wie im Jahr 2014 ein.

Foto: dpa

Platz 1: Münster

1719 Räder wurden 2015 in der Studenten- und Fahrradstadt Münster je 100.000 Einwohner geklaut. Das waren im letzten Jahr nochmal 210 Räder mehr als in 2014. Auch in absoluten Zahlen gab es eine Anstieg: 5.193 Drahtesel verschwanden dort im Jahr 2015 – im Vorjahr waren es noch 4.523. Hier ist also besondere Achtsamkeit geboten.

Foto: dpa

Und das ist nur eine von vielen Ausnahmen. „Viele alte Tarife beinhalten zudem eine ärgerliche Nachtklausel.“ Dann wird ein gestohlenes Rad nur ersetzt, wenn es zwischen 22 Uhr und 6 Uhr erstens abgeschlossen und zweitens daheim stand oder in der Zeit benutzt statt vor der Kneipe abgestellt wurde. Das heißt: Wer mangels Platz oder Vermieterzustimmung sein Rad nachts draußen anschließen muss, hat schon verloren. Nächtliche Unternehmungslustige, die sich nicht an ihr Rad ketten, auch. Widerspruch ist selten sinnvoll, der Bundesgerichtshof hat die einschränkenden Klauseln für gültig erklärt. Zudem liegt die Beweislast, wann er das Rad wo wie gut gesichert abgestellt hat, beim Versicherten.

Deshalb lohnt sich erst Recht beim Neukauf der Blick in die Vertragsbedingungen der vorhandenen Hausratpolice. Hakt es dort, lässt sie sich binnen Jahresfrist kündigen. Neue Policen sind oft auch noch günstiger und enthalten meist keine Nachtklausel.

Juristisch heikel ist auch das Unterstellen in Gemeinschaftsräumen. Boss sagt: „Wird ein Rad dort geklaut, zahlt die Hausratpolice nur, wenn das Türschloss aufgebrochen wurde.“

Hat das ein Schussel unter den Nachbarn schlicht vergessen, bleiben die beklauten Radbesitzer zumindest bei ihrer Hausratversicherung auf ihrem Schaden sitzen.

Werden nur einzelne Teile des Rades geklaut, gilt: Ersetzt wird, was fest mit dem Rahmen verbunden war. Teure Satteltaschen oder transportable Lampen gehören nicht dazu.

Hausratversicherungen, die Fahrradklau absichern, setzen in der Regel einen Höchstbetrag fest, den sie ersetzen. Meist sind das ein bis zwei Prozent der Versicherungssumme. Da gilt es nachzurechnen. Bei einer Versicherungssumme von 50.000 Euro und dem Limit von einem  Prozent deckt das gerade einen Neuwert von 500 Euro – auch falls bei einem Paar oder einer Familie gleich mehrere Räder geklaut werden. Dann dürfte der Wiederbeschaffungswert in Windeseile darüber liegen.

Im Trend: Radfahren

Fahrradfahren ist im Trend. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes stehen in deutschen Haushalten rund 68 Millionen Fahrräder - und etwa 80 Prozent der Menschen in Deutschland besitzen ein Rad, wie es beim Bundesverkehrsministerium heißt. Immer mehr Menschen steigen demnach gerne in den Sattel. Hinter dem Freizeittrend steckt aber noch mehr, als man denkt.

Foto: dpa

Wie gut ist es eigentlich um die Radwege in Deutschland bestellt?

Es geht, heißt es beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). „Einige vorbildliche Fahrradstädte gibt es schon in Deutschland“, sagt die Sprecherin des Vereins, Stephanie Krone. Dazu zählten etwa Karlsruhe und Potsdam. „In diesen Städten hat man verstanden, dass Fahrradfreundlichkeit ein Standortfaktor und mit hoher Lebensqualität verbunden ist.“ Durchgängige Radwegenetze, breite und gepflegte Radspuren, sichere Abstellplätze und ein fahrradfreundliches Verkehrsklima seien in Deutschland aber bislang eher die Ausnahme. Dass an dieser Stelle noch mehr getan werden muss, hat auch das Bundesverkehrsministerium erkannt: Nach Angaben der Behörde wurden die Mittel für die Radverkehrsförderung 2016 auf mehr als 100 Millionen Euro aufgestockt. „98 Millionen Euro stehen allein für den Radwegebau und die Erhaltung an Bundesstraßen zur Verfügung“, schreibt der Parlamentarische Staatssekretär Norbert Barthle im Fahrradmonitor 2015.

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Wie sicher ist das Fahrradfahren?

Auch hier gibt es Verbesserungspotenzial: 2015 starben nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 383 Radfahrer - nach 396 im Vorjahr zwar ein leichter Rückgang. Doch im Mehrjahrestrend sinken die Zahlen nicht. Der Radfahrer-Anteil an den Verkehrstoten ist seit 1991 von 8 auf 11 Prozent gestiegen. „Die schlimmsten Ärgernisse für Radfahrer sind zugeparkte, mit Pollern, Werbetafeln oder Baustellen versperrte Radwege“, sagt Krone. „Genauso gruselig: Die täglich erlebte, lebensgefährliche Zumutung, von Autos nur mit Haaresbreite überholt und womöglich auch noch angehupt zu werden.“ Auf die Sicherheit der Radler haben sich auch einige Unternehmen spezialisiert, die ihre Neuheiten seit Mittwoch bei der Radmesse Eurobike in Friedrichshafen am Bodensee präsentieren: So hat ein Hersteller beispielsweise ein System entwickelt, dass die Breite des Fahrrads anzeigen soll. Dabei werden die Leuchten außen am Lenker montiert und projizieren entsprechende rote Linien auf den Boden. Ob solche Systeme in Deutschland überhaupt zugelassen werden, ist laut Branchenexperte Gunnar Fehlau aber unklar: „Der deutsche Gesetzgeber hat eine sehr strikte Regelung für die Beleuchtung“, sagt Fehlau. Manchmal gebe es Lösungen von Unternehmen, die sehr spannend seien, aber in Deutschland schlicht nicht erlaubt.

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Reisen mit dem Rad – ist das noch zeitgemäß?

Es sei sogar Trend, sagen Tourismusverbände. Allein Baden-Württemberg - dort wurde vor 200 Jahren der Vorläufer des Rades entwickelt - zählt jährlich 14 Millionen Tagesausflügler auf dem Rad und 3,2 Millionen Übernachtungen durch Radreisende. Das geht aus einer Radstrategie hervor, die das Stuttgarter Verkehrsministerium im Februar 2016 veröffentlicht hat. Die Radtouristen generierten demnach rund 860 Millionen Euro Nettowertschöpfung pro Jahr. Damit sichere der Radtourismus rund 25 000 Arbeitsplätze in Baden-Württemberg. Auch die Unternehmen stellten sich auf Radler ein, sagt ein Sprecher des Tourismusverbandes in Stuttgart. So gebe es etwa 731 Betriebe mit dem Siegel „Bett+Bike“, die sich auf die Bedürfnisse von Radfahrern spezialisiert hätten. Das Qualitätssiegel des ADFC garantiere unter anderem, dass das Fahrrad sicher untergestellt werden kann.

Deutschlandweit wurden 2006 laut Deutschem Tourismusverband 153 Millionen Tagesreisen mit Fahrrad gezählt - und rund 22 Millionen Übernachtungen. Neuere Daten gibt es noch nicht.

Foto: dpa

Unterstützen Radler die lokale Wirtschaft?

Ja. Vor allem den ländlichen Raum, sagt DTV-Sprecherin Iris Hegemann. Die Radfahrer bewegten sich zudem langsamer in der Region - und blieben länger dort. „Außerdem sind sie sehr ausgebefreundlich“, sagt Hegemann. Wenn es entsprechende Angebote etwa von Gasthäusern, dem örtlichen Einzelhandel oder touristischen Attraktionen vor Ort gebe, werde das gerne angenommen. „Viele Radtouristen haben auch ein höheres Einkommen - und es sind keine Sparfüchse unterwegs.“

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Diverse Assekuranzen bieten spezielle Fahrradversicherungen an, die realitätsnäher als Hausratpolicen sind. Ihre Preise orientieren sich am Wiederbeschaffungspreis des versicherten Gefährts. Genau wie bei der Autoversicherung berechnen die Assekuranzen den Beitrag unter anderem nach der Wohnlage des Neukunden. Wo mehr geklaut wird, ist die Versicherung teurer.

Achtung: Einige Versicherer fordern zusätzlich eine hohe Selbstbeteiligung, bei einer Axa-Police liegt sie beispielsweise bei 500 Euro.

In der Regel muss das Diebstahlsopfer nachweisen, dass er sein verschwundenes Rad mit einem hochwertigen Schloss gesichert hatte. Also Quittung und am besten auch ein Handyfoto davon gut verwahren.

Vor- und Nachteile einer Fahrradcodierung
Bei der Codierung oder auch Registrierung wird mit einer Graviermaschine ein spezieller Code in den Rahmen des Fahrrads eingraviert. So kann die Polizei den Eigentümer des Rads sofort ermitteln.
Der eingravierte Code besteht zunächst aus dem in der jeweiligen Region geltenden Autokennzeichen und einem zweistelligen Gemeindecode. Darauf folgt eine fünfstellige Zahl für die Straße, in der der Radbesitzer wohnt und drei Ziffern für die Hausnummer. Am Ende folgen die Initialen des Eigentümers sowie die zweistellige Jahreszahl. Hier kann jeder den für ihn gültigen Code generieren.
Entwickelt wurde die Codierung von der Polizei in Bergisch-Gladbach. Nicht nur die regionalen Polizeibehörden raten dazu, dem Fahrrad einen Code eingravieren zu lassen, sondern auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC).
Codiert werden kann entweder beim Fahrradhändler, bei der Polizei oder beim Fahrradclub. Der Preis ist unterschiedlich und liegt in der Regel zwischen null und 15 Euro. Wer Mitglied im ADFC ist, zahlt oft einen Sonderpreis.
Mit dem Code lässt sich der Eigentümer des Rades für Polizei oder Fundbüro genau ermitteln - auch ohne Datenbank. Die Befürworter des Systems verweisen darauf, dass sich geklaute Räder so besser wieder auffinden lassen. Außerdem hätte der Code einen Art "Abschreckungseffekt" auf potenzielle Diebe. Gleichzeitig lässt sich das geklaute Rad laut ADFC nicht so gut verkaufen, wenn es codiert ist.
Eine Radfahrer fürchten um den Rahmen ihres Zweirades und dessen Haltbarkeit. Zwar haben Studien ergeben, dass die Einfräsung von bis zu 0,2 Millimetern Tiefe die Stabilität des Rahmens nicht beeinträchtigt. Das gilt insbesondere für Aluminium- oder Stahlrahmen. Carbonrahmen sind allerdings schlecht geeignet, hier rät der ADFC zu einer Klebecodierung, bei der statt der Gravur ein spezieller Aufkleber mit dem Code angebracht wird. Mehraufwand entsteht auch, wenn das Fahrrad verkauft wird. Um im Fall eines Diebstahls den richtigen Eigentümer ermitteln zu können, sollte der Verkäufer auch die Codierpapiere an den Käufer übergeben. Viele wehren sich aufgrund häufiger Umzüge gegen die Codierung. Allerdings kann das Einwohnermeldeamt auch mit Hilfe der alten Adresse den neuen Wohnsitz schnell feststellen.
Gerade neue Fahrräder haben oft eine individuelle Rahmennummer. Sie wird eingestanzt und lässt sich im Kaufvertrag nachprüfen. Viele Radler gehen daher davon aus, dass diese vollkommen ausreicht, um ein gestohlenes Fahrrad identifizieren zu können. Der ADFC dagegen meint, die Rahmennummer sei gegenüber einer Codierung im Nachteil. Es gäbe Dopplungen und keine zentrale Nummernkartei.
Einige Fahrradhändler warnen explizit vor einer Codierung. Nicht nur, dass die Rahmennummer einen ähnlichen Zweck erfüllt, in Einzelfällen kann die Codierung dazu führen, dass die Garantie des Herstellers erlischt. Denn der Rahmen des Fahrrads wurde dann verändert. Auch mit einigen pingeligen Versicherungen kann das zu Ärger führen.

Aber welche Schlösser sind sicher?

Roland Huhn, Rechtsreferent beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC), rät: „Entscheidend ist viel Stahl. Wir empfehlen entweder ein festes U-förmiges Schloss oder ein Faltschloss mit starren Stäben. Bei einer sehr dicken Kette ist wichtig, dass der Stahlanteil und nicht der Plastikanteil der Ummantelung hoch ist.“

Schlösser unter 30 Euro Kaufpreis sind dem Experten suspekt, ein gutes sieht er bei 100 Euro. Die Polizei empfiehlt zehn Prozent des Kaufpreises in diesen Diebstahlsschutz zu investieren.

Hilfreich kann auch eine Codierung des Rades sein. Profi-Diebe schreckt sie leider oft nicht ab.

Elektro-Fahrräder: Was ist was?
Das Pedelec (kurz für: Pedal Electric Cycle) ist das, was umgangssprachlich in der Regel gemeint ist, wenn von einem E-Bike gesprochen wird. Dabei unterstützt ein Motor den Radfahrer. Hört dieser auf zu treten, hört auch der Motor auf. Die Trittkraftunterstützung geht bis zu einer Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometern. Möchte der Radfahrer noch schneller sein, muss er das allein mit Muskelkraft erstrampeln.
Das Wort wird inzwischen oft als Oberbegriff für alle Arten von Rädern mit Elektromotor verwendet. Ursprünglich handelt es sich im Gegensatz zum Pedelec nur um Fahrräder, die auf Knopfdruck fahren, ohne dass der Fahrer dafür treten muss. Ein Versicherungskennzeichen, eine Betriebserlaubnis und mindestens eine Mofa- Prüfbescheinigung sind notwendig. Man ist auf die eigene Leistungsfähigkeit angewiesen, wenn man schneller als 20 Stundenkilometer fahren möchte. Bis zu einer Motorleistung von 500 Watt und einer Höchstgeschwindigkeit mit Motorantrieb von 20 Stundenkilometern gelten sie als Kleinkraftrad. Eine Helmpflicht besteht bei den E-Bikes nicht.
Der ADFC definiert schnelle Pedelecs auch als "Schweizer Klasse oder S-Klasse". Sie gehören nicht mehr zu den Fahrrädern, sondern zu den Kleinkrafträdern. Hier wird die Motorunterstützung erst ab 45 Stundenkilometer abgestellt. Für diese Räder ist eine Betriebserlaubnis oder eine Einzelzulassung nötig. Das Rad braucht ein Versicherungskennzeichen. Der Fahrer muss mindestens 16 Jahre alt sein und im Besitz einer Fahrerlaubnis der Klasse AM sein. Sie dürfen nicht auf Radwegen benutzt werden. Pflicht ist ein geeigneter Helm. Was aber als "geeignet" gilt, ist nicht eindeutig geregelt.
Für Pedelecs gelten die gleichen Gesetze wie für Fahrradfahrer ohne Motorunterstützung. Die Radwegepflicht besteht und wird durch das blaue Schild gekennzeichnet. Ausgenommen sind reine E-Bikes, die auch fahren, ohne dass der Nutzer in die Pedale tritt und die Geschwindigkeiten bis zu 45 Stundenkilometern erreichen. Diese sind kennzeichenpflichtig und dürfen nicht auf Radwegen fahren – selbst dann nicht, wenn die Radwege für Mofas freigegeben sind.
Nein. Es besteht in Deutschland für E-Bike-Fahrer keine Helmpflicht. Obwohl damit die gleichen oder gar höhere Geschwindigkeiten erreicht werden können als mit einem Mofa.

 

Was gilt für Räder mit Motorkraft?

Im Sprachgebrauch geraten Pedelecs und E-Bikes häufig durcheinander. Versicherungen unterscheiden klar und fordern entsprechend unterschiedlich hohe Beiträge.

Günstiger ist das Pedelec. Das gilt in der Straßenverkehrsordnung immer noch als Fahrrad, wenn auch mit Elektromotor. Vorausgesetzt, die freundliche Tritthilfe schafft nicht mehr als 25 PS, schaltet sich ab, wenn der Fahrer nicht mehr strampelt und leistet Anschubhilfe nur bis sechs Stundenkilometer.

Deshalb ersetzt die Hausratversicherung Pedelecs - aber auch sie, wie schon beschrieben, in engen Grenzen. Einige Assekuranzen bieten gegen Aufschlag Zusatzleistungen wie Reparatur- oder Rückholservice an. Das ist oft nur wenig teurer.

So genannte E-Bikes, S-Pedelecs oder Speed-Pedelecs sind dagegen ähnlich wie Mofas klassische Kleinkrafträder mit Helm- und Versicherungspflicht.

Wie können sich Amateur-Rennradfahrer versichern?

Das Diebstahlrisiko bei Rennradtouren ist geringer als bei jeder Einkaufstour zum Wochenmarkt. Radverrückte lassen ihre tausende Euro teuren Schätzchen in der Regel nicht aus den Augen.

Für Sportler ist eine andere Gefahr relevant, nämlich mit hohem Tempo in durchaus ruppigem Umfeld Dritte über den Haufen zu fahren. Das ist dann ein Fall für die Haftpflichtversicherung, weil wegen ihnen jemand zu Schaden kam.

ADFC-Experte Huhn rät deshalb: „Radsportler sollten alte Policen checken, denn manche schließen Unfälle aus, sobald der Radler nicht hobbymäßig sondern auf hohem sportlichen Niveau unterwegs ist.“ 

Neue Verträge sind kulanter, ohne automatisch teurer zu sein. Für besonders ehrgeizige Radfahrer, die an Rennen teilnehmen, kann sich eine Vertragserweiterung lohnen.

Immer aber gilt: Nur wenn der Versicherte Schuld trägt, trifft der Schadensfall ein. Unfälle bei zügigen, aber üblichen Trainingsfahrten gelten noch nicht als extra zu versicherndes Risiko, sie deckt die normale Haftpflicht ab.

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