Flexi-Rente: So planen Sie Ihren Ruhestand richtig
Es ist die aktuellste Studie zur Lebenssituation älterer Menschen in Deutschland und sie macht Mut - zunächst: Für den Versicherungskonzern Generali hat das Institut für Demoskopie Allensbach mehr als 4100 Bürger im Alter zwischen 65 und 85 Jahren befragt. Ein zentrales Ergebnis: Die finanzielle Situation dieser Generation hat sich gegenüber der vorangegangenen Studie aus dem Jahr 2013 nochmals verbessert.
Zehn Prozent bezeichnen sie als sehr gut, 52 Prozent als gut. 31 Prozent halten ihre Einkommenssituation für durchschnittlich, nur sechs Prozent schätzen ihre wirtschaftliche Lage als eher schlecht oder schlecht ein. Unter dem Strich fühlen sich als knapp zwei Drittel mit ihrem Auskommen gut versorgt.
Dennoch ist laut Studie die Zufriedenheit insgesamt – also unter Berücksichtigung weiterer Aspekte wie Gesundheit, Teilhabe, Mitverantwortung und Aktivität leicht rückläufig. Geld allein ist eben doch nicht alles.
Auch wenn die Versorgungslage heutiger Ruheständler mehrheitlich gut ist, ergeben sich für die Rentner der Zukunft und die öffentliche Hand große Herausforderungen. Fakt ist: Es wird mehr Rentner im Verhältnis zu Erwerbstätigen geben. Damit lässt sich auf Dauer – allen Wahlkampfversprechen von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz zum Trotz – das Rentenniveau von heute nicht endlos fortschreiben, ohne die Erwerbstätigen stärker zu belasten. Die finanzielle Situation der Rentner und die Belastung des Staatshaushalts werden sich in den kommenden Jahrzehnten verschärfen.
Rentner von morgen: schlechter versorgt und unzufriedener
Andreas Kruse, Direktor am Institut für Gereontologie der Universität Heidelberg und Vorsitzender der Altersberichtskommission der Bundesregierung, sieht in der Generali Altersstudie einen Beleg dafür, dass Menschen im Rentenalter diese Lebensphase mit Möglichkeiten und Grenzen verbinden. "Es darf nicht mehr nur darum gehen, alte Menschen zu versorgen", sagt Kruse. "Vielmehr brauchen wir Strukturen, in denen Menschen zugleich Sorge empfangen und Sorge tragen können – und war unabhängig von ihrem Alter und körperlichen oder kognitiven Einbußen."
Große Unterschiede
Rente ist nicht gleich Rente. Je nach Preisgefüge einer bestimmten Region sind 1000 Euro Rente in Deutschland unterschiedlich viel wert. Um bis zu 50 Prozent variiert die Kaufkraft der Ruheständler, das ergab eine Studie des Forschungsunternehmens Prognos im Auftrag der Initiative „7 Jahre länger“. Für die Analyse wurden die Lebenshaltungskosten in insgesamt 402 Landkreisen verglichen. Im Bundesdurchschnitt liegen diese bei 1000 Euro. Der statistische Warenkorb für Lebenshaltungskosten wurde dafür an die Bedürfnisse von Rentnern angepasst. Unter anderem wurden Ausgaben für Ärzte und Medikamente stärker gewichtet.
Sachsen-Anhalt
Am günstigsten leben Rentner in Sachsen-Anhalt. Selbst in der Landeshauptstadt Magdeburg (im Bild), die traditionell etwas teurer ist als Gemeinden auf dem Land, bedeuten 1000 Euro Rente 1067 Euro Kaufkraft. In elf von insgesamt 14 Landkreisen liegen die Kosten für Lebensmittel, Miete und andere notwendige Dinge um mehr als zehn Prozent unter dem Bundesdurchschnitt.
Saarland
In Saarbrücken werden aus 1000 Euro Rente immerhin 1040 Euro. Damit ist das Saarland die günstigste westdeutsche Region. Außerhalb der Landeshauptstadt wird es noch günstiger.
Mecklenburg-Vorpommern
Generell ist der Osten für Rentner ein günstiges Pflaster. In Schwerin (im Bild) werden aus 1000 Euro Rente 1023 Euro Kaufkraft. Außerhalb der größeren Städte wird das Leben noch günstiger, im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte sind 1000 Euro sogar knapp 1084 Euro wert. Das Leben dort ist damit über 7,5 Prozent günstiger als im Bundesdurchschnitt.
Niedersachsen
Neben dem Osten ist auch der Norden ein guter Wohnort für Rentner. In Hannover (im Bild) reicht es immerhin für 1022 Euro Kaufkraft. In vielen strukturschwachen Regionen werden aus 1000 Euro sogar über 1100 Euro. In Niedersachsen liegt auch der bundesweit günstigste Ruhesitz für Rentner. Im Landkreis Holzminden liegen die Lebenshaltungskosten nur bei 860 Euro. Teurer ist es dagegen in den an Hamburg grenzenden Landkreisen und auf den ostfriesischen Inseln.
Thüringen
In Erfurt (im Bild) sind 1000 Euro gemessen in Kaufkraft 1014 Euro wert, das ostdeutsche Bundesland gehört damit immer noch zu den günstigeren. Damit ist die Landeshauptstadt aber deutlich teurer als das Umland, in vielen Landkreisen liegt die Kaufkraft sogar über 1100 Euro.
Bremen
Der günstigste Stadtstaat ist Bremen (im Bild). In der Hansestadt sind 1000 Euro für Rentner immerhin noch rund 1008 Euro wert, das Leben dort ist also um 0,8 Prozent günstiger als im Bundesdurchschnitt.
Sachsen
Die Landeshauptstadt des Freistaats (im Bild) ist die teuerste unter den günstigen Städten. Aus 1000 Euro werden hier immerhin noch 1003 Euro. Die meisten Landkreise sind allerdings deutlich günstiger, so liegen die Kosten für Rentner im Vogtlandkreis um fast 13 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt.
Schleswig-Holstein
In der Landeshauptstadt Kiel sind 1000 Euro Rente in Kaufkraft gemessen am Ende 987 Euro wert. Grundsätzlich gilt der Norden als erschwingliches Pflaster, einige Kreise wie beispielsweise der Landkreis Schleswig-Flensburg im Norden sind günstiger. Teurer wird es dagegen in den Ferienregionen an Nord- und Ostsee. Der Landkreis Nordfriesland ist knapp 16 Prozent teurer als der Bundesdurchschnitt und damit einer der teuersten der Republik. Prognos erklärt das mit dem „Sylt-Effekt“, die Nordseeinsel treibt die Preise.
Berlin
Auch die Hauptstadt ist für Rentner nicht unbedingt günstig. 943 Euro sind ihre 1000 Euro monatliche Rente hier wert.
Brandenburg
Noch schlechter sieht es in Brandenburgs Landeshauptstadt Potsdam (im Bild) aus, die Nähe zu Berlin sorgt hier dafür, dass aus 1000 Euro am Ende 939 Euro Kaufkraft werden. Grundsätzlich ist Brandenburg allerdings ein günstiges Gebiet für Rentner, fast alle der 14 Landkreise kommen auf eine Kaufkraft von über 1100 Euro.
Rheinland-Pfalz
Deutschlands südliche Regionen sind für Rentner teuer. In Mainz (im Bild) sind 1000 Euro nur 916 Euro wert. Etwas günstiger sind die meisten Landkreise.
Hessen
Die benachbarte Landeshauptstadt Wiesbaden ist mit 915 Euro Kaufkraft nur ungleich teurer. Während der hessische Norden teilweise sehr günstig ist, wird es in den Städten richtig teurer. Insbesondere in der Bankenmetropole Frankfurt (im Bild) liegen die Kosten für Rentner rund 18 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Von 1000 Euro Rente bleiben hier nur 844 Euro Kaufkraft übrig.
Nordrhein-Westfalen
Teuer ist es nicht nur am Main, sondern auch am Rhein. Die Landeshauptstadt Düsseldorf macht aus 1000 Euro Rente 912 Euro Kaufkraft für Ruheständler. Auch beim Erzrivalen Köln (im Bild) sieht es nicht besser aus, hier sind es sogar nur 908 Euro. Einige Landkreise sind dagegen deutlich günstiger.
Baden-Württemberg
Der teure Süden: insgesamt 40 der 50 teuersten deutschen Kreise verteilen sich auf Baden-Württemberg, Hessen und Bayern. In der Landeshauptstadt Stuttgart schmelzen 1000 Euro Rente auf dem Konto im Portemonnaie zu 884 Euro zusammen. Auch in Freiburg ist das Leben für Ruheständler rund 15 Prozent teurer als im Bundesdurchschnitt.
Hamburg
Die Hansestadt ist ein gefragter Wohnort, vor allem die Immobilienpreise sind hoch. Das belastet auch das Ruhestands-Budget, von 1000 Euro bleiben hier am Ende 874 Euro Kaufkraft übrig.
Bayern
Wen wundert’s, die bayerische Hauptstadt ist für Rentner ein teurer Spaß. 1000 Euro Rente sind in München gerade mal 767 Euro Kaufkraft wert. Insgesamt sieben der zehn teuersten Alterswohnorte liegen im Freistaat. Günstig ist es in dünner besiedelten Regionen wie dem Bayerischen Wald. Die Kreise rund um München sind dagegen nur wenig günstiger als die Landeshauptstadt selbst.
Angesichts der besseren Gesundheit älterer Menschen und der steigenden Lebenserwartung wird es also darum Gehen, die Ruheständler stärker am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen. Das erreichen Ruheständler aus gehobenen sozialen Schichten heute schon überproportional häufig. Rentner mit geringerem Einkommen und niedrigerem sozialen Status sind hingegen oft gesundheitlich eingeschränkt, von modernen Techniken überfordert und insgesamt deutlich unzufriedener. Angesichts der demografischen Entwicklung ist es naheliegend, dass künftige Ruheständler nochmals deutlich unzufriedener seien werden.
Doch es gibt Auswege. Und Teilzeitarbeit im Alter kann einen wesentlichen Beitrag leisten. Schließlich bedeutet sie Teilhabe am Arbeitsleben, an technischen Entwicklungen, Kontakt zur jüngeren Kollegen und vieles mehr.
Die in diesem Jahr in Kraft tretende Flexibilisierung der Übergangsphase vom Erwerbsleben in die Rente bietet Möglichkeiten, dem Ruhestand mit massiv eingeschränkter Finanzkraft und zunehmender Tristesse etwas entgegenzusetzen. Die im Volksmund als Flexi-Rente bezeichnete Gesetzesänderung erleichtert sowohl den vorzeitigen Bezug einer Teilrente bei gleichzeitiger Teilzeitarbeit, als auch das Teilzeitarbeiten über die Regelaltersgrenze für Neurentner hinaus. Der Bezug der vollen Rente bei fortgesetzter Einzahlung in die Rentenkasse sind dabei weiter möglich.
Flexibel in Rente, flexibel weiterarbeiten
Derzeit sind reguläre Neurentner im Jahr 1952 geboren. Im Jahr 2017 liegt die Regelaltersgrenze für Neurentner bei 65 Jahren und fünf Monaten, nach den Rentenanpassungen zum 1. Juli 2017 sind es 65 Jahre und sechs Monate. Wer vor Erreichen dieses Alters in Rente geht, muss Abzüge bei der monatlichen Rente hinnehmen, wer länger arbeitet, stockt seine Rentenansprüche weiter auf. Diese Möglichkeiten bestanden schon lange, waren aufgrund der Rentenabzüge aber denkbar unattraktiv.
Mit der Flexi-Rente haben Arbeitnehmer viel bessere Möglichkeiten, für ihr Alter zu planen – sowohl was ihr Einkommen, als auch was ihre Teilhabe an der Arbeitswelt und ihre Freizeit angeht. Interessant für die Ruhestandsplanung sind vor allem die neuen Regeln zu Hinzuverdiensten, die sowohl Teilrentner als die sogenannten Vollrentner betreffen, die trotz Bezug ihrer vollen Rente noch etwas hinzuverdienen möchten.
Durchschnittsrenten
Laut den aktuellen Zahlen der Deutschen Rentenversicherung bezogen Männer Ende 2014 eine Durchschnittsrente von 1013 Euro. Frauen müssen inklusive Hinterbliebenenrente mit durchschnittlich 762 Euro pro Monat auskommen.
Quellen: Deutsche Rentenversicherung; dbb, Stand: April 2016
Foto: dpaOst-Berlin mit den höchsten, West-Berlin mit den niedrigsten Renten
Die Höhe der Rente schwankt zwischen den Bundesländern. Männer in Ostberlin können sich mit 1147 Euro Euro über die höchste Durchschnittsrente freuen. In Westberlin liegt sie dagegen mit 980 Euro am niedrigsten.
Aktuell bekommen männliche Rentner:
in Baden-Württemberg durchschnittlich 1107 Euro pro Monat
in Bayern durchschnittlich 1031 Euro pro Monat
in Berlin (West) durchschnittlich 980 Euro pro Monat
in Berlin (Ost) durchschnittlich 1147 Euro pro Monat
in Brandenburg durchschnittlich 1078 Euro pro Monat
in Bremen durchschnittlich 1040 Euro pro Monat
in Hamburg durchschnittlich 1071 Euro pro Monat
in Hessen durchschnittlich 1084 Euro pro Monat
in Mecklenburg-Vorpommern durchschnittlich 1027 Euro pro Monat
in Niedersachsen durchschnittlich 1051 Euro pro Monat
in Nordrhein-Westfalen durchschnittlich 1127 Euro pro Monat
im Saarland durchschnittlich 1115 Euro pro Monat
in Sachsen-Anhalt durchschnittlich 1069 Euro pro Monat
in Sachsen durchschnittlich 1098 Euro pro Monat
in Schleswig-Holstein durchschnittlich 1061 Euro pro Monat
in Thüringen durchschnittlich 1064 Euro pro Monat
Foto: APFrauen mit deutlich weniger Rente
Frauen im Ruhestand bekommen gut ein Drittel weniger als Männer. Auch sie bekommen in Ostberlin mit durchschnittlich 1051 Euro die höchsten Bezüge. Am wenigsten bekommen sie mit 696 Euro in Rheinland-Pfalz.
Laut Deutscher Rentenversicherungen beziehen Frauen inklusive Hinterbliebenenrente:
in Baden-Württemberg durchschnittlich 772 Euro pro Monat
in Bayern durchschnittlich 736 Euro pro Monat
in Berlin (West) durchschnittlich 861 Euro pro Monat
in Berlin (Ost) durchschnittlich 1051 Euro pro Monat
in Brandenburg durchschnittlich 975 Euro pro Monat
in Bremen durchschnittlich 771 Euro pro Monat
in Hamburg durchschnittlich 848 Euro pro Monat
in Hessen durchschnittlich 760 Euro pro Monat
in Mecklenburg-Vorpommern durchschnittlich 950 Euro pro Monat
in Niedersachsen durchschnittlich 727 Euro pro Monat
in Nordrhein-Westfalen durchschnittlich 749 Euro pro Monat
im Saarland durchschnittlich 699 Euro pro Monat
in Sachsen-Anhalt durchschnittlich 964 Euro pro Monat
in Sachsen durchschnittlich 983 Euro pro Monat
in Schleswig-Holstein durchschnittlich 744 Euro pro Monat
in Thüringen durchschnittlich 968 Euro pro Monat
Foto: dpaBeamtenpensionen deutlich höher
Staatsdienern geht es im Alter deutlich besser. Sie erhalten in Deutschland aktuell eine Pension von durchschnittlich 2730 Euro brutto. Im Vergleich zum Jahr 2000 ist das ein Zuwachs von knapp 27 Prozent.
Zwischen den Bundesländern schwankt die Pensionshöhe allerdings. Während 2015 ein hessischer Staatsdiener im Ruhestand im Durchschnitt 3150 Euro ausgezahlt bekam, waren es in Sachsen-Anhalt lediglich 1940 Euro.
Im Vergleich zu Bundesbeamten geht es den Landesdienern dennoch gut. Im Durchschnitt kommen sie aktuell auf eine Pension von 2970 Euro. Im Bund sind es nur 2340 Euro.
Foto: dpaRentenerhöhung
Im Vergleich zu den Pensionen stiegen die normalen Renten zwischen 2000 und 2014 deutlich geringer an. Sie wuchsen lediglich um 15,3 Prozent.
Foto: dpaReserven der Rentenkasse
Dabei verfügt die deutsche Rentenversicherung über ein sattes Finanzpolster. Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung betrug die sogenannte Nachhaltigkeitsrücklage Ende 2014 genau 35 Milliarden Euro. Das sind rund drei Milliarden Euro mehr als ein Jahr zuvor. Rechnerisch reicht das Finanzpolster aus, um fast zwei Monatsausgaben zu bezahlen.
Nachfolgend ein Überblick, mit welcher Rente die Deutschen im aktuell im Durchschnitt rechnen können:
Foto: dpaAbweichungen vom Standardrentner
Wer 45 Jahre in den alten Bundesländern gearbeitet hat und dabei den Durchschnittslohn verdiente, bekommt pro Monat 1314 Euro ausgezahlt.
Bei 40 Arbeitsjahren verringert sich die monatliche Auszahlung auf 1168 Euro. Wer nur 35 Jahre im Job war, bekommt 1022 Euro.
Foto: FotoliaDurchschnittsrente Ost nach Arbeitsjahren
In den neuen Bundesländern liegt die Rente nach 45 Arbeitsjahren und durchschnittlichem Lohn bei 1217 Euro.
Für 40 Jahre in Arbeit gibt es aktuell 1082 Euro. Bei 35 Jahren sind es in den neuen Bundesländern 947 Euro.
Foto: FotoliaHalbtags arbeiten erhöht das Armutsrisiko
Je nach Verdienst, kann die Rente aber stark schwanken. Wer etwa im Berufsleben auf die Hälfte vom Durchschnittsverdienst kam, dessen Rentenansprüche halbieren sich auch. In den alten Bundesländern wären das aktuell nach 45 Berufsjahren 657 Euro. In den neuen Bundesländern bei gleicher Arbeitszeit 609 Euro.
Foto: dpaMaximale Rentenhöhe für Gutverdiener
Umgekehrt verdoppelt sich die Rente, wenn der Lohn während des Arbeitslebens über der Bemessungsgrenze lag. In den alten Bundesländern könnte ein Vielverdiener so auf 2628 Euro kommen. In den neuen Bundesländern sind theoretisch bis zu 2434 Euro drin.
Foto: dapd
Wann vorzeitige Rente plus Teilzeitarbeit lohnt
Eine Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung gibt es frühestens mit 63 Jahren. Wer noch keine 45 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt hat, bekommt für jeden Monat, den er oder sie früher in Rente geht, 0,3 Prozent von seinen Rentenansprüchen abgezogen. Wer also regulär bis zum Alter von 65 Jahren und sechs Monaten arbeiten müsste und mit 63 Jahren, also 30 Monate früher, seine volle Rente beansprucht, erhält neun Prozent weniger Rente als bei Erreichen des Regelalters.
Jetzt kommt die Flexi-Rente ins Spiel. Denn wer seine Rente schon mit 63 bezieht, aber noch ein paar Jahre Teilzeitarbeit machen kann und will, muss nun nicht mehr wie in der Vergangenheit mit massiven Rentenkürzungen rechnen.
Grundsätzlich darf er zwar wie zuvor maximal 6300 Euro im Jahr hinzuverdienen, ohne dass die Rente gekürzt wird. Aber anders als bislang jeder verdiente Euro, der über diese Grenze hinausgeht, nur zu 40 Prozent auf die Rente angerechnet. Bisher hatte ein höherer Hinzuverdienst harsche, pauschale Rentenkürzungen von einem Drittel, der Hälfte, zwei Dritteln oder gar eine Nullrente zur Folge.
Ein Rechenbeispiel: Die Rente mit 63 Jahren liegt nach Rentenabschlägen bei 1000 Euro monatlich. Eine halbe Stelle bringt zusätzliches Einkommen von 1500 Euro brutto, also 18.000 Euro im Jahr. Nach Abzug der Hinzuverdienstgrenze bleiben 11.700 Euro, die zu 40 Prozent auf die Rente angerechnet werden. Diese 4680 Euro entsprechen monatlich 390 Euro. Unter dem Strich wird die Rente also auf 610 Euro gekürzt. Mit seinem Einkommen bleiben dem arbeitenden Rentner dann 2110 Euro brutto. Hatte er als Vollzeitbeschäftigter brutto 3000 Euro im Monat, kommt er nun mit einer halben Stelle also auf 70 Prozent seines bisherigen Gehalts. Davon sind natürlich neben Steuern und Krankenversicherungsbeiträgen auch noch Rentenbeiträge zu zahlen, die aber als Zuschläge die laufende Rente wirkungsvoll erhöhen.
Einen kleinen Haken gibt es allerdings: Wer die gekürzte Rente bezieht und mit seinem Hinzuverdienst über seinem bisherigen Bruttoeinkommen liegt, profitiert nicht von der 40-Prozent-Regel. Dann wird sein Zusatzverdienst voll auf die Rente angerechnet.
Der Bundesverband der Rentenberater weist allerdings noch ein vorteilhafteres Modell hin, dass im Jahr des Renteneintritts einer Teil- oder Vollzeitarbeit noch attraktiver macht. Der Clou liegt darin, dass die Hinzuverdienstgrenze nunmehr als Jahressumme in die Rentenberechnung einfließt. Bisher galt eine monatliche Hinzuverdienstgrenze von 450 Euro, in zwei Monaten waren 900 Euro erlaubt. Ab dem 1. Juli spielt aber das monatliche Einkommen keine Rolle mehr, solange im Jahr nicht mehr als 6300 Euro verdient werden.
Wer nämlich erst in der zweiten Jahreshälfte in Rente geht, kann für den Rest des Jahres die vollen 6300 Euro hinzuverdienen, ohne dass seine Rente gekürzte wird. Geht der Frührentner also zum 1. November in Rente, arbeitet aber November und Dezember voll weiter, hat er schnell ein paar tausend Euro mehr auf dem Konto. Im Folgejahr kann er dann die Arbeitszeit so reduzieren, dass er die Hinzuverdienstgrenze für sich optimal nutzt.
Länger arbeiten zahlt sich aus
Noch besser stellen sich Arbeitnehmer, die über die Altersgrenze hinaus arbeiten, aber noch keine Rente beantragt haben. Dann erhöht die staatliche Rentenkasse für jeden Monat, den der Arbeitnehmer länger arbeitet, die monatliche Rente um 0,5 Prozent. Wer also ein Jahr länger arbeitet, hat seine Monatsrente bereits um sechs Prozent erhöht. Hinzu kommen noch die gestiegenen Rentenansprüche aus den währenddessen gezahlten Rentenbeiträgen.
Auch hier gab es eine wesentliche Verbesserung für Arbeitnehmer. Denn wer bisher länger gearbeitet hat, musste zwar keine Rentenversicherungsbeiträge zahlen, dafür aber der Arbeitgeber. Die Arbeitgeberbeiträge waren aber widersinniger Weise nicht mehr rentenwirksam. Seit Jahresbeginn zahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammen weiter 18,7 Prozent vom Bruttoeinkommen als Rentenbeitrag und dieser kommt voll den späteren Rentenansprüchen zugute.
Schon als Arbeitnehmer zusätzliche Rentenbeiträge einzahlen
Ab dem 1. Juli 2017 haben Arbeitnehmer noch früher als bisher die Chance, ihre spätere gesetzliche Rente zu erhöhen. Statt bisher erst mit 55 Jahren können nun schon Arbeitnehmer ab dem 50. Lebensjahr zusätzliche Beiträge in die Rentenkasse einzahlen, um Abzüge für den vorzeitigen Rentenbezug wieder auszugleichen. Auf Antrag gibt die Rentenversicherung Auskunft darüber, wie hoch die Ausgleichszahlungen sein müssten. Vor dem Hintergrund niedriger Zinsen für risikolose Geldanlagen ist diese Möglichkeit aktuell besonders attraktiv. Schließlich profitiert er davon, dass höhere Rentenansprüche auch in der Folge von jeder Rentenerhöhung profitieren.
Wer die Möglichkeiten nutzt, sich auf seinen (Un-)Ruhestand vorzubereiten, hat also die Chance, sich als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft zu fühlen – sowohl was seine finanzielle Situation angeht, also auch als wertvoller Arbeitnehmer, der seine Erfahrung einbringen und weitervermitteln kann.
Angesichts des chronischen Bedarfs an qualifiziertem Personal wären Arbeitgeber gut beraten, ihre Angestellten zu einer Fortbeschäftigung als Rentner zu ermuntern. Dann könnten beide Seiten zufriedener sein.