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Verkehrte (Finanz)welt

Für eine Bildungsoffensive zur Altersvorsorge

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Die private Altersvorsorge muss überholt werden

Auch in der Altersvorsorge hinkt Deutschland bei der Vermögensverteilung in Sachwerte hinterher. 2016 waren bloß 14 Prozent der Bevölkerung in Aktien und Aktienfonds investiert und der Anteil am Geldvermögen liegt sogar nur bei acht Prozent. Zusätzlich liegt der Aktienanteil bei Pensionsfonds in Deutschland mit vier Prozent weit unter dem OECD-Durchschnitt. In den USA und in Australien sind es 50 Prozent, rund 30 Prozent in den Niederlanden und in der Schweiz. Obwohl die kurzfristige Schwankungsbreite hoch sein kann, sind Sachwerte und vor allem Aktien die lukrativste Form der Anlage und essentiell, um attraktive Renditen für den langfristigen Vermögensaufbau zu erzielen. Hier muss unbedingt ein Umdenken der Anleger stattfinden!

So viel Rente bekommen Sie
DurchschnittsrentenLaut den aktuellen Zahlen der Deutschen Rentenversicherung bezogen Männer Ende 2014 eine Durchschnittsrente von 1013 Euro. Frauen müssen inklusive Hinterbliebenenrente mit durchschnittlich 762 Euro pro Monat auskommen. Quellen: Deutsche Rentenversicherung; dbb, Stand: April 2016 Quelle: dpa
Ost-Berlin mit den höchsten, West-Berlin mit den niedrigsten RentenDie Höhe der Rente schwankt zwischen den Bundesländern. Männer in Ostberlin können sich mit 1147 Euro Euro über die höchste Durchschnittsrente freuen. In Westberlin liegt sie dagegen mit 980 Euro am niedrigsten. Aktuell bekommen männliche Rentner: in Baden-Württemberg durchschnittlich 1107 Euro pro Monat in Bayern durchschnittlich 1031 Euro pro Monat in Berlin (West) durchschnittlich 980 Euro pro Monat in Berlin (Ost) durchschnittlich 1147 Euro pro Monat in Brandenburg durchschnittlich 1078 Euro pro Monat in Bremen durchschnittlich 1040 Euro pro Monat in Hamburg durchschnittlich 1071 Euro pro Monat in Hessen durchschnittlich 1084 Euro pro Monat in Mecklenburg-Vorpommern durchschnittlich 1027 Euro pro Monat in Niedersachsen durchschnittlich 1051 Euro pro Monat in Nordrhein-Westfalen durchschnittlich 1127 Euro pro Monat im Saarland durchschnittlich 1115 Euro pro Monat in Sachsen-Anhalt durchschnittlich 1069 Euro pro Monat in Sachsen durchschnittlich 1098 Euro pro Monat in Schleswig-Holstein durchschnittlich 1061 Euro pro Monat in Thüringen durchschnittlich 1064 Euro pro Monat Quelle: AP
Frauen mit deutlich weniger RenteFrauen im Ruhestand bekommen gut ein Drittel weniger als Männer. Auch sie bekommen in Ostberlin mit durchschnittlich 1051 Euro die höchsten Bezüge. Am wenigsten bekommen sie mit 696 Euro in Rheinland-Pfalz. Laut Deutscher Rentenversicherungen beziehen Frauen inklusive Hinterbliebenenrente: in Baden-Württemberg durchschnittlich 772 Euro pro Monat in Bayern durchschnittlich 736 Euro pro Monat in Berlin (West) durchschnittlich 861 Euro pro Monat in Berlin (Ost) durchschnittlich 1051 Euro pro Monat in Brandenburg durchschnittlich 975 Euro pro Monat in Bremen durchschnittlich 771 Euro pro Monat in Hamburg durchschnittlich 848 Euro pro Monat in Hessen durchschnittlich 760 Euro pro Monat in Mecklenburg-Vorpommern durchschnittlich 950 Euro pro Monat in Niedersachsen durchschnittlich 727 Euro pro Monat in Nordrhein-Westfalen durchschnittlich 749 Euro pro Monat im Saarland durchschnittlich 699 Euro pro Monat in Sachsen-Anhalt durchschnittlich 964 Euro pro Monat in Sachsen durchschnittlich 983 Euro pro Monat in Schleswig-Holstein durchschnittlich 744 Euro pro Monat in Thüringen durchschnittlich 968 Euro pro Monat Quelle: dpa
Beamtenpensionen deutlich höherStaatsdienern geht es im Alter deutlich besser. Sie erhalten in Deutschland aktuell eine Pension von durchschnittlich 2730 Euro brutto. Im Vergleich zum Jahr 2000 ist das ein Zuwachs von knapp 27 Prozent. Zwischen den Bundesländern schwankt die Pensionshöhe allerdings. Während 2015 ein hessischer Staatsdiener im Ruhestand im Durchschnitt 3150 Euro ausgezahlt bekam, waren es in Sachsen-Anhalt lediglich 1940 Euro. Im Vergleich zu Bundesbeamten geht es den Landesdienern dennoch gut. Im Durchschnitt kommen sie aktuell auf eine Pension von 2970 Euro. Im Bund sind es nur 2340 Euro. Quelle: dpa
RentenerhöhungIm Vergleich zu den Pensionen stiegen die normalen Renten zwischen 2000 und 2014 deutlich geringer an. Sie wuchsen lediglich um 15,3 Prozent. Quelle: dpa
Reserven der RentenkasseDabei verfügt die deutsche Rentenversicherung über ein sattes Finanzpolster. Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung betrug die sogenannte Nachhaltigkeitsrücklage Ende 2014 genau 35 Milliarden Euro. Das sind rund drei Milliarden Euro mehr als ein Jahr zuvor. Rechnerisch reicht das Finanzpolster aus, um fast zwei Monatsausgaben zu bezahlen. Nachfolgend ein Überblick, mit welcher Rente die Deutschen im aktuell im Durchschnitt rechnen können: Quelle: dpa
Abweichungen vom StandardrentnerWer 45 Jahre in den alten Bundesländern gearbeitet hat und dabei den Durchschnittslohn verdiente, bekommt pro Monat 1314 Euro ausgezahlt. Bei 40 Arbeitsjahren verringert sich die monatliche Auszahlung auf 1168 Euro. Wer nur 35 Jahre im Job war, bekommt 1022 Euro. Quelle: Fotolia

Weiterentwicklung und Finanzbildung zwingend notwendig

Die gesetzliche Rentenversicherung ist ein wichtiger Baustein in der Altersvorsorge, wird aber aufgrund heutiger Prognosen zu Beschäftigungs- und Produktivitätszuwachs nicht ausreichen, um den Lebensstandard und die soziale Stabilität zu sichern. Die Umstellung auf das Umlageverfahren durch Adenauer war ein mutiger und sozial notwendiger Schritt. Die demografischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich aber in den letzten 60 Jahren drastisch geändert und verlangen nun eine Anpassung des Modells.

Dies bedingt eine Stärkung der privaten Altersvorsorge und vor allem ein einfaches und transparentes privates Altersvorsorgemodell. Statt der komplexen Modelle von Riester- und Rürup-Rente wäre es vorteilhaft, allen Erwerbstätigen Zugang zu einer einheitlichen, privaten, kapitalgedeckten Rentenversicherung zu ermöglichen. Anstelle von Förderungen und staatlichen Zulagen könnten direkte, steuerfreie Pauschalbeträge auf das Bruttogehalt angesetzt werden, um den Verwaltungsaufwand gering zu halten. Analog zum US 401(k)-Vorsorgeplan wäre eine Kombination von betrieblicher und privater Altersvorsorge zu begrüßen. Dies hätte den Vorteil, dass anders als bei der betrieblichen Altersvorsorge, der Sparplan bei Arbeitgeberwechsel unberührt bliebe und eine breite Produktwahl, unabhängig vom Versorgungsträgers des Arbeitgebers, bestünde.  

Aufgrund der zuvor beschrieben hohen Kosten durch die gesetzlich vorgeschriebenen Garantien von Riester-Rente und betrieblichen Altersvorsorge sowie in Anbetracht der langen Zeiträume, sollte auf ein Versicherungsmodell verzichtet werden. Zusätzlich muss die Produktauswahl für eine Vielzahl an Anlageformen und Anlageklassen wie ETF’s, Alternative Investments und Einzelaktien geöffnet werden. Durch den erhöhten Wettbewerb würden die so oft kritisierten hohen Gebühren unter Druck kommen und der Anleger bekäme eine breite Auswahl an Anlageprodukten für seine individuellen Bedürfnisse nach Risiko und Ertrag.

Der Staat ist in Anbetracht der verstärkten Verlagerung auf die private Vorsorge gefordert, ein stärkeres Bewusstsein für die finanzielle Bildung zu schaffen und am besten sogar von klein auf, eine Bildungsoffensive zu starten. Egal ob umlagefinanziertes oder kapitalgedecktes Rentensystem, was in der Zukunft konsumiert werden will, muss in Zukunft verdient bzw. heute gespart werden. Die private Altersvorsorge muss überholt werden, um den Bundesbürgern die Möglichkeit zu geben, für den Lebensalltag in der Rente bestmöglich vorzusorgen.

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