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Landesbanken LBBW-Eigentümer sehen Hedging-Deal mit BayernLB als Blaupause

Die Produktangebote der Landesbanken überschneiden sich häufig. Die Hedging-Vereinbarung der LBBW mit BayernLB könnte Vorbild für weitere Aufgabenteilungen sein.

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Die BayernLB gibt ihr Zins-, Währungs- und Rohstoffmanagement für Firmenkunden der Sparkassen an die LBBW ab. Quelle: dpa

Laut Peter Schneider, Präsident des Sparkassenverbands Baden-Württemberg, könnte die Übertragung einiger Hedging-Geschäfte von der BayernLB auf die LBBW zum 1. Januar könnte Vorbild für weitere Aufgabenteilungen unter den Landesbanken sein. Dem Verband gehören 41 Prozent der LBBW.

„Bei der Bündelungen von Kompetenzen ist noch längst nicht alles ausgereizt“, erklärte Schneider in einem Interview mit Bloomberg News. Ein anderes gutes Beispiel sei das Auslandsgeschäft. „Alle Landesbanken sind hier nebeneinander aktiv, aber keine verfügt über die ganz große Schlagkraft.“

In vielen Fällen überschneiden sich die Produktangebote der Landesbanken, was von Beobachtern als ineffizient kritisiert wird. Sparkassen-Präsident Helmut Schleweis wirbt deshalb seit langem für ein Zentralinstitut der Gruppe. Vor der Coronakrise hatten Helaba und DekaBank begonnen, über einen Zusammenschluss zu verhandeln.

Schneider sprach sich dafür aus, Schwerpunktbildungen wie jetzt im Hedging-Geschäft voranzutreiben, mahnte aber zur Vorsicht bei der Fusion ganzer Banken. „Der Zusammenschluss von zwei Instituten wie Deka und Helaba wäre ein riesiges Vorhaben. Hier müssen wir umsichtig herangehen“, sagte er. Sein Verband ist auch mit 16 Prozent an der Deka beteiligt.

Derzeit liegen die Gespräche von Helaba und Deka ohnehin auf Eis. Die beiden Banken sind ganz mit der Coronakrise beschäftigt. Schneider sieht keine schnelle Fortsetzung der Verhandlungen. „Aufgrund der Herausforderungen im Zusammenhang mit der Pandemie glaube ich nicht, dass die Diskussionen hierzu schon in 2021 weitergehen“, sagte er.

Die Hedging-Vereinbarung von BayernLB und LBBW sieht vor, dass die Landesbank aus München ihr Zins-, Währungs- und Rohstoffmanagement für Firmenkunden der Sparkassen an die LBBW abgibt. Angeboten werden hier Instrumente zur Absicherungen von Schwankungen an den Kapitalmärkten.

Risiko von Kreditausfällen steigt

Auch die 51 baden-württembergischen Sparkassen, die in dem Verband organisiert sind und die Schneider vertritt, haben mit der Coronakrise zu kämpfen. Ihre Risikovorsorge für Kredite beläuft sich laut Schneider im laufenden Jahr aktuell auf rund 320 Millionen Euro.

„Wenn es gut läuft, wird sich die Vorsorge in 2021 auf demselben Niveau bewegen“, sagte Schneider. „Allerdings ist das nächste Jahr mit mehr Unsicherheiten behaftet, weil Förderprogramme auslaufen und die Insolvenzantragspflicht wieder gilt. Auch dadurch steigt das Risiko von Kreditausfällen.“

Besonders bei Krediten an die Automobilwirtschaft würden die Sparkassen des Bundeslandes jetzt genau hinschauen. Das liege am Strukturwandel in der Branche, weg vom Verbrennungsmotor. In der Tendenz sinke der prozentuale Anteil am Gesamtkreditbestand.

Corona-Stresstest

Laut einer aktuellen Umfrage des ZEW Mannheim erwarten Finanzmarktexperten wegen der Coronakrise einen Anstieg der Kreditausfälle, von denen Sparkassen und Volksbanken mehr betroffen seien als Großbanken. Zu einem ähnlichen Ergebnis war im Sommer auch schon das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle gekommen. Gerade lokale Institute hätten ihr Geld an die schwer von der Pandemie getroffenen Branchen Einzelhandel und Gastgewerbe verliehen.

Zugleich zeigte aber ein spezieller Covid-Stresstest von BaFin und Bundesbank für kleinere Banken, dass diese Institute „auch bei einem schweren Einbruch des Bruttoinlandsprodukts im Durchschnitt ausreichend kapitalisiert“ seien.

Die tatsächlichen Kredit-Ausfälle der baden-württembergischen Sparkassen liegen Schneider zufolge seit Jahren auf niedrigem Niveau. „Das liegt auch daran, dass wir über ein stabiles Kreditportfolio verfügen und in der Vergangenheit nicht jedes Kreditengagement eingegangen sind, wenn die Margen mit Blick auf die Bonität gering waren oder es kaum Sicherheiten gab“, erklärte Schneider.

EZB will Sicherungssystem vereinfachen

Die Europäische Zentralbank und die BaFin wollen jedoch, dass die Sparkassen besser auf mögliche Schieflagen von Mitgliedsinstituten vorbereitet sind und ihr Sicherungssystem vereinfachen. Dabei wird unter anderem die Schaffung eines Rettungsfonds für angeschlagene Institute in Krisenzeiten angeregt.

Schneider bezeichnete die bestehende Institutssicherung als ein wichtiges Fundament der Sparkassen-Finanzgruppe. „Wir werden jetzt mit der Aufsicht an den von ihr vorgebrachten Punkten arbeiten“, versprach er. Zugleich wies er darauf hin, dass bislang jede Stützung in der Gruppe funktioniert habe, auch die der NordLB.

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