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  4. Luxusreisen nun deutlich günstiger: Expertenprognose zur Preisentwicklung

Luxusreisen„Nach August werden die Preise merklich nach unten gehen“

Anbieter von Luxusreisen haben sich zuletzt hoher Nachfrage erfreut. Das ändert sich gerade. Welche überraschende Reiseform dennoch boomt – und warum bestimmte Zugreisen jetzt Jahre im Voraus ausgebucht sind, erklärt Reiseexperte Moritz Lindner.Svenja Gelowicz 05.09.2024 - 17:02 Uhr

Hotels wie die der Kette Aman locken Wohlhabende an

Foto: imago images

WirtschaftsWoche: Das Luxussegment zeigt sich üblicherweise robust gegenüber Krisen. Bei Reisen war es zuletzt so, dass Veranstalter gar einen Boom erlebt haben. Warum?
Moritz Lindner: Diejenigen, die sich Luxusreisen leisten wollen, konnten während der Pandemie viel ansparen und haben das Geld dann in den vergangenen Jahren in teure Urlaube investiert. Dieses Phänomen kannten wir vor allem aus den USA unter dem Begriff Revenge Travel – also den Wunsch, entgangene Reisen wiedergutmachen zu wollen. Das dreht sich jetzt. Wir sehen im Luxusreisesegment rückläufige Übernachtungszahlen. Vor allem im mittleren Preissegment wollen Kunden wieder niedrigere Preise und günstigere Angebote.

Wie sehr macht sich dieser Trend in der Branche bemerkbar?
Die Nachfrage flacht auf jeden Fall ab. Der Nach-Corona-Sondereffekt ist definitiv vorbei. Mich persönlich hat es überrascht, wie stark das Jahr 2023 noch lief. Gerade in den USA war ein totales Boom-Jahr für Luxusreisen, bei europäischen Reisenden war der ganz große Hype schon wieder vorbei. Europäische Hotels merken jetzt aber deutlich die schwächere Nachfrage aus den USA. Dass die Preise weiterhin so teuer sind, liegt auch an den Sportereignissen EM und Olympia. Nach dem Hochsommer, also nach August, werden die Preise merklich nach unten gehen. Gerade Hotels im mittleren Preissegment aus Luxusperspektive, die bei Übernachtungspreisen von 200 bis 300 Euro liegen, merken, dass es schwieriger ist, Menschen zu finden, die bereit sind, dieses Geld zu bezahlen.

Wo geht das Hochpreissegment dann los?
Je nach konkretem Ort ab 500 Euro pro Nacht in Deutschland, mit Angeboten oder an bestimmten Daten aber auch darunter. In Paris beispielsweise beginnt Luxushotellerie ab 1000 Euro. Diese Hotels haben aber auch Schwierigkeiten, wenn auch nicht wegen der Nachfrage.

Zur Person
Moritz Lindner ist Gründer und Chef der Luxusreise-Plattform Reisetopia. Die Plattform gibt es seit 2016, das Start-up sitzt in Berlin.

Sondern?
Es ist auch für Luxushotels wahnsinnig schwierig, Personal zu finden, um ihre Services aufrechterhalten zu können – wie eine zweimalige Zimmerreinigung oder Frühstück à la carte. Gleichzeitig sind ihre Kosten extrem gestiegen. Dieser Effekt wird vor allem nächstes Jahr durchschlagen. Die Kostenbasis ist höher, aber die Kunden sind sensibler bei den Preisen. 2025 könnte für einige Luxusreiseanbieter sehr schwierig werden.

Abgesehen davon, dass die Gemengelage schwieriger wird: Welche Trends gibt es derzeit im Luxusreisesegment?
Das klassische Reisemuster der Wohlhabenden hat sich seit Jahren eigentlich kaum verändert. Städtereisen liegen vorne, gerade Langstreckendestinationen wie New York, Bangkok und Dubai. Was vor allem spannend ist, ist ein Effekt, der durch das Revenge Travel ausgelöst wurde: Nach der Pandemie haben sich die Konsumenten bei Reisen mehr gegönnt – und jetzt sind sie auf einem Level, von dem sie nicht mehr abkehren wollen. Und der Wunsch, sogenannte Once-in-a-lifetime-Reisen schon früh im Leben zu machen, ist groß.

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Das müssen Sie erklären.
Menschen haben Angst, dass so eine Krise wie die Pandemie wiederkommt. Oder eine Naturkatastrophe, andere Krisen, die ökonomische Situation. Und dann macht man Reisen, bei denen das Verhältnis der Ausgaben in einem aus neutraler Sicht zweifelhaften Verhältnis zu dem steht, was man bekommt. Das zeigt sich etwa bei kostspieligen Hotelbuchungen. Lieber ein Wochenende im Luxushotel verbringen als zwei Wochen Italien zum Beispiel. Viele wollen dabei auch nicht in eine spannende Destination reisen, sondern ein richtig besonderes Hotel, etwa ein One&Only- oder Aman-Hotel. Man bereist dabei nicht zwingend Destination, sondern das Hotel. Letzteres ist oft so gelegen, dass da wirklich nichts drumherum ist. Luxusreisende wollen so auch dem Overtourism und den immer gleichen Instagram-Bildern entkommen.

Geht es nicht gerade den Luxusreisenden um Selbstdarstellung?
Sie wollen vielmehr Erlebnisse, die auch in ihrer „Bubble“ der Wohlhabenden einzigartig sind. Also beispielsweise ein Hotel mit einem einzigartigen Privatstrand. Ein Stadthotel mit einer Rooftop-Bar, die nur Hotelgäste nutzen dürfen. Nur der Gast kommt folglich dahin, kann fotografieren, erlebt sie. Viele unserer Kunden sind aber tatsächlich gar nicht so auf Selbstdarstellung aus. Die meisten sind im Schnitt um die 45 Jahre alt, sehr erfolgreich im Job und wollen ein perfektes Erlebnis, ohne dass jemand etwas davon mitbekommt. Wir betreuen beispielsweise auch bekannte Fußballer, die checken dann nicht einmal unter ihrem Klarnamen ein, weil sie nicht wollen, dass irgendjemand etwas von ihrer Luxusreise mitbekommt.

Luxuszugreisen: Bestimmte Strecken sind lange vorher ausgebucht.

Foto: imago images

Reiseveranstalter berichten, dass die Nachfrage nach Luxus-Zugreisen steigt. Auch bei Ihnen?
Vor allem die Reisen des Marktführers Belmond sind sehr begehrt. Der Orient-Express ist das Nonplusultra, der fährt quer durch Europa. Aber auch der Eastern & Oriental Express, der durch Südostasien fährt, ist beliebt. Und alles rund um Machu Picchu wird stark nachgefragt. Das ist übrigens auch so eine Once-in-a-lifetime-Erfahrung: Mit einem Luxuszug durch Peru fahren und als Highlight noch Machu Picchu sehen.

Dafür langen die Veranstalter aber auch ordentlich zu.
Ja, die Preise sind der Wahnsinn. Die allergünstigsten Varianten starten in der Regel ab 1000 Euro pro Nacht pro Person. Wer mit dem Orient-Express als Einzelperson von Venedig nach Paris fährt, zahlt für seine Sechs-Quadratmeter-Kabine mit Minibad knapp 10.000 Euro pro Nacht – immerhin mit All Inclusive und Premium-Alkohol sowie Fine Dining an Bord. Dagegen sind selbst Spitzenhotels günstig. Die Zugreiseanbieter haben aber auch nicht unbedingt den deutschen Markt im Fokus. Sowas buchen eher Nordamerikaner oder Personen aus China, Singapur, Indien. Der Orient-Express ist Monate im Voraus ausgebucht. Wer die Istanbul-Paris-Strecke fahren will, muss oft Jahre zuvor anfragen. Für 2025 geht schon gar nichts mehr, auch 2026 wird es teilweise schon knapp.

Lesen Sie auch: „Wer allein in der Sixtinischen Kapelle sein möchte, muss bis zu 10.000 Euro zahlen“

Hinweis: Dieser Artikel erschien erstmals im August 2024 . Wir zeigen ihn aufgrund des hohen Leserinteresses erneut.

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