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Afghanistan Mindestens 42 Tote bei Anschlag auf schiitische Einrichtung in Kabul

Der afghanische Präsident Ghani sieht in dem Angriff auf ein schiitisches Kulturzentrum ein „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. Ein Selbstmordattentäter soll sich heimlich in eine Veranstaltung geschlichen haben.

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Der oder die Attentäter zündeten offenbar mehrere Sprengsätze in dem schiitischen Kulturzentrum. Quelle: Reuters

Kabul Bei einem Anschlag auf ein schiitisches Kulturzentrum in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind nach Behördenangaben mindestens 42 Menschen getötet und 84 verletzt worden. Mehrere Selbstmordattentäter hätten vor dem Zentrum eine Explosion ausgelöst, sagte Innenministeriumssprecher Nadschib Danisch am Donnerstag. Anschließend hätten sie es gestürmt und im Keller des Gebäudes, wo sich Dutzende Menschen zu einer Gedenkveranstaltung versammelt hätten, Sprengsätze gezündet.

Der schiitische Anführer Abdel Hussain Ramasandada sagte, Augenzeugen hätten berichtet, dass sich mindestens ein Selbstmordattentäter in die Veranstaltung geschlichen und unter den Teilnehmern gesessen habe. Der Angreifer habe dann seinen Sprengsatz gezündet. Als Personen geflohen seien, hätten sich weitere Explosionen ereignet.

Zuvor hatten Kabuler Regierungssprecher von 34 bis 40 Toten und bis zu 38 Verletzten gesprochen. Auch der Attentäter starb. Unter den Toten seien auch zwei Kinder und vier Frauen, sagte Madschroh. Fünf der Verletzten seien in kritischer Verfassung. Die Sicherheitsvorkehrungen in dem Zentrum waren nach Angaben Ramasandadas schwach. Das Zentrum befindet sich in dem mehrheitlich schiitischen Viertel Dascht-e-Barchi im Westen der Stadt.

Wer hinter dem Anschlag steckte, war zunächst unklar. Der aus sunnitischen Extremisten bestehende Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat in Afghanistan hat mehrere Anschläge auf Schiiten verübt. In einem Telefoninterview der Nachrichtenagentur AP bestritt Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid eine Verwicklung in den Anschlag.

Der afghanische Präsident Aschraf Ghani bezeichnete den Anschlag als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. „Die Terroristen haben unsere Leute getötet. Die Terroristen haben unsere Moscheen angegriffen, unsere heiligen Orte und nun unser Kulturzentrum“, teilte Ghani in einer Stellungnahme mit. Das seien Angriffe gegen den Islam und „alle menschlichen Werte“.

Bei der Explosion einer Mine am Straßenrand wurden am Mittwoch in der nordafghanischen Provinz Balch sechs Kinder getötet. Sie seien zwischen acht und zehn Jahre alt gewesen, sagte der Bezirksgouverneur von Daulat Abad am Donnerstag. Er machte die islamistischen Taliban für den Angriff verantwortlich.

Die Extremisten hätten mit der Mine auf afghanische Sicherheitskräfte töten wollen. Zunächst reklamierte niemand die Tat für sich. Afghanistan hat die meisten Minenopfer weltweit. Schätzungen zufolge sterben 140 Menschen pro Monat an Minen oder anderen Explosionen am Straßenrand oder werden dabei verletzt.

Bei einem Taliban-Angriff auf einen Posten der Sicherheitspolizei in der Provinz Ghasni kamen am Mittwochabend drei Polizisten ums Leben. Ein Polizist sei verletzt worden, sagte der Polizeichef der Provinz, Mohammed Saman.

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