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Aus der weiten Welt

Mehr Mist, weniger Bric?

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Gesteckte Ziele sind schwer zu erreichen

Die Börsenstars der BRIC-Länder
PetrobrasSeit 2009 steht der brasilianische Ölkonzern Petróleo Brasileiro an der Spitze der Liste der 500 größten Konzerne Lateinamerikas (nach Umsatz). 2010 setzte das Unternehmen 138,5 Milliarden Dollar um. Entwicklung in zehn Jahren: + 394,2 ProzentDurchschnittliche Rendite pro Jahr: + 17,3 Prozent Quelle: Reuters
Vale S. A.Das brasilianische Bergbauunternehmen Vale wurde 1997 privatisiert. Seitdem können sich die Aktionäre über traumhafte Renditen freuen. Besonders in der Förderung von Eisenerz ist Vale führend. In den vergangenen Jahren ist Vale immer wieder durch Übernahmen gewachsen - unter anderem kaufte das Unternehmen 2006 den kanadischen Bergbaukonzern Inco. Entwicklung in zehn Jahren: + 1291,45 ProzentDurchschnittliche Rendite pro Jahr: + 30 Prozent Quelle: dpa
AmbevDie brasilianische "Companhia de Bebidas das Américas" ist die größte Brauerei Südamerikas und gehört zum belgisch-brasilianischen Mutterkonzern Anheuser-Busch InBev. AmBev ist 1999 aus einem Zusammenschluss zwischen Brahma und Antarctica entstanden. Entwicklung in zehn Jahren: + 894,3 ProzentDurchschnittliche Rendite pro Jahr: + 25,8 Prozent Quelle: ap
Banco do BrasilDie größte lateinamerikanische Bank existiert schon seit 1808. In jüngster Zeit hat sie ihre Investoren mit großzügigen Renditen beglückt - und das während anderswo auf der Welt Finanzwerte eingebrochen sind. Das Institut ist in staatlicher Hand. Nach einer langen Verlustgeschichte ist die Banco do Brasil allerdings in den vergangenen Jahren profitabel geworden. Entwicklung in zehn Jahren: + 936,4 ProzentDurchschnittliche Rendite pro Jahr: + 26,3 Prozent Quelle: Reuters
NovatekDer russische Öl- und Gaskonzern mit Sitz in Sibirien fördert und verkauft fossile Brennstoffe. Das Unternehmen ist nach Gazprom der zweitgrößte Erdgasproduzent Russlands, doch die Aktie des Unternehmens schlägt die von Gazprom um Längen. Entwicklung in sieben Jahren: + 1382 Prozent Quelle: Reuters
TransneftTransneft betreibt in Russland Erdöl-Pipelines und ist im russischen Leitindex RTS gelistet. Das Unternehmen verfügt über das weltgrößte Pipeline-System. Auch wenn das Unternehmen in Deutschland durch Berichte über Lieferengpässe in den Medien eher negativ bekannt ist, ist es bei Aktionären beliebt. Entwicklung in neun Jahren: + 427,7 Prozent Quelle: AP
Tata MotorsDer indische Autobauer Tata Motors baut Wagen in allen Preisklassen, von spottbillig bis sündhaft teuer. Der "Nano", hier aus Gold, Silber und Edelsteinen hergestellt, wurde ursprünglich vor zwei Jahren als billigstes Auto der Welt auf den Markt gebracht. Erschwingliche Konsumgüter herzustellen ist in Schwellenländern ein erfolgreiches Geschäftsmodell. Entwicklung in zehn Jahren: + 698 ProzentDurchschnittliche Rendite pro Jahr: + 23,1 Prozent Quelle: dapd

Dass Russland in den nächsten zehn Jahren das von Goldman Sachs unterstellte ehrgeizige Wachstumsziel von vier bis fünf Prozent erreichen wird, erscheint mir denn auch äußerst zweifelhaft. Auch Brasilien dürfte Probleme bekommen, den von O’Neill gesetzten Maßstäben eines Bric-Landes zu entsprechen. Die Geschichte ist voll von Ländern, deren Wohlstand zeitlich begrenzt war, weil ihre Wirtschaft zu stark von Rohstoffen abhängig war.

… und mangelnde Integration in die globale Wirtschaft

Die Kehrseite der hohen Rohstoffabhängigkeit der Exporte: Solange sich damit relativ leicht Devisen verdienen lassen, um die Importe zu finanzieren, vernachlässigen die Regierungen die internationale Wettbewerbsfähigkeit bei Industrie- und Fertigwaren. Mit der Folge, dass diese Länder meist nur gering in die Weltwirtschaft einbezogen sind und weniger von der internationalen Arbeitsteilung profitieren.

So ist Russland erst jetzt, mehr als zehn Jahre nach China, WTO-Mitglied geworden, seine Industrie gerät jetzt unter Wettbewerbsdruck. Auch Brasilien schützt seine Wirtschaft durch hohe Zölle. Dadurch ist sie international nicht konkurrenzfähig, die Exportquote ist mit etwa zehn Prozent nur unterdurchschnittlich entwickelt.

Mit etwa zwölf Prozent ist auch Indiens Exportquote mager – im Unterschied zum rohstofflastigen Brasilien exportiert Indien immerhin zu zwei Dritteln Industriegüter. Das ist jedoch zu wenig, was sich nicht zuletzt in einem chronischen Leistungsbilanzdefizit, dem größten der vier Bric-Länder, niederschlägt.

Mexiko ist auf dem richtigen Weg

International über eine wettbewerbsfähige Wirtschaft verfügt demgegenüber Südkorea (Exportquote 43 Prozent, davon überwiegend industrielle Produkte). Auf einem guten Weg ist – Überraschung – auch Mexiko, dessen Wahrnehmung in Deutschland, so scheint mir, durch die Horrorberichte über den Drogenkrieg verzerrt ist. Dabei hat das Land etwas vorzuweisen: Es exportiert fast ein Drittel seiner Wirtschaftsleistung, der Anteil der Industriegüter daran vervierfachte sich seit 1985 auf heute 60 Prozent. Der Anteil von Rohöl am Export ist von fast neun Zehntel auf ein Zehntel zurückgegangen.

International schlägt sich auch Exportweltmeister China sehr gut. Das kommunistische Land kommt inzwischen auf eine Exportquote von einem Viertel mit überwiegend Industriegütern. Auf den ersten Blick gilt das ebenfalls für die Türkei mit einer Exportquote von 20 Prozent und einem hohen Anteil von Industriegütern. Das wird jedoch relativiert durch das hohe Leistungsbilanzdefizit von zuletzt fast neun Prozent des BIP. Offenbar ist die Türkei noch nicht auf einem wirklich nachhaltigen Weg, sondern auf ständigen Kapitalimport angewiesen.

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