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Big FundChina pumpt noch mehr Milliarden in seine Chip-Pläne

Um seine Halbleiterindustrie vom Westen unabhängig zu machen, steckt Peking über den „Big Fund“ bereits gewaltige Summen in seine Chipunternehmen. Nun soll offenbar noch einmal nachgelegt werden.Jörn Petring 13.03.2024 - 12:14 Uhr

Ein Chipunternehmen in Guiyang, China

Foto: imago images

China treibt seine Bemühungen voran, sich in der Halbleiterindustrie vom Westen unabhängig zu machen. Pekings Mittel der Wahl ist seit Jahren der so genannte Big Fund. Offiziell heißt der Staatsfonds National Integrated Circuit Industry Investment Fund. Er wurde von der chinesischen Regierung geschaffen, um die Halbleiterindustrie in China zu unterstützen und zu fördern.

Der Fonds startete 2014, drei Jahre bevor Donald Trump ins Weiße Haus einzog und begann, China mit Sanktionen von fortschrittlichen westlichen Chips abzuschneiden. Eine Politik, die unter seinem Nachfolger Joe Biden noch verschärft wurde. Peking hat die strategische Bedeutung der Halbleiterindustrie und seine Verwundbarkeit in diesem Bereich also früh erkannt.

Nun, so berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Insider, soll der Big Fund noch einmal kräftig aufgestockt werden. Sind seit dem Start in zwei Runden insgesamt rund 340 Milliarden Yuan (rund 43 Milliarden Euro) in den Fonds geflossen, könnten nun noch einmal mehr als 200 Milliarden Yuan hinzukommen, heißt es in dem Bericht. Damit hätte Peking allein über den Staatsfonds innerhalb von zehn Jahren umgerechnet fast 70 Milliarden Euro in den Aufbau seiner Chipindustrie gepumpt.

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Der große Fonds hat massiv in den Aufbau von Produktionsstätten, in Forschung und Entwicklung sowie in die Ausbildung von Fachkräften investiert. Dies hat zu einer Steigerung der Produktionskapazitäten und zu Fortschritten in der Halbleiterfertigung geführt.

Insbesondere bei Speicherchips und in einigen Bereichen der Logikchipherstellung wurden Fortschritte erzielt. Einige chinesische Unternehmen sind in bestimmten Nischen zu wichtigen Akteuren auf dem Weltmarkt geworden. Trotz dieser Investitionen besteht jedoch nach Einschätzung von Branchenkennern nach wie vor eine technologische Kluft zwischen China und den führenden Herstellern aus den USA, Südkorea und Taiwan. Vor allem bei fortgeschrittenen Fertigungsverfahren hinkt China noch hinterher.

Der Big Fund war zudem in einen großen Korruptionsskandal verwickelt, der über Jahre hinweg zu Fehlallokationen geführt haben soll. 2020 wurden mehrere hochrangige Manager des Fonds wegen Korruptionsvorwürfen verhaftet. Mittlerweile hat die Regierung aufgeräumt.

Schneller schlau: So lernen Maschinen das Denken
Mit Kameras, Mikrofonen und Sensoren erkunden die Maschinen ihre Umwelt. Sie speichern Bilder, Töne, Sprache, Lichtverhältnisse, Wetterbedingungen, erkennen Menschen und hören Anweisungen. Alles Voraussetzungen, um etwa ein Auto autonom zu steuern.
Neuronale Netze, eine Art Nachbau des menschlichen Gehirns, analysieren und bewerten die Informationen. Sie greifen dabei auf einen internen Wissensspeicher zurück, der Milliarden Daten enthält, etwa über Personen, Orte, Produkte, und der immer weiter aufgefüllt wird. Die Software ist darauf trainiert, selbstständig Muster und Zusammenhänge bis hin zu subtilsten Merkmalen zu erkennen und so der Welt um sie herum einen Sinn zuzuordnen. Der Autopilot eines selbstfahrenden Autos würde aus dem Auftauchen lauter gelber Streifen und orangefarbener Hütchen zum Beispiel schließen, dass der Wagen sich einer Baustelle nähert.
Ist das System zu einer abschließenden Bewertung gekommen, leitet es daraus Handlungen, Entscheidungen und Empfehlungen ab – es bremst etwa das Auto ab. Beim sogenannten Deep Learning, der fortschrittlichsten Anwendung künstlicher Intelligenz, fließen die Erfahrungen aus den eigenen Reaktionen zurück ins System. Es lernt zum Beispiel, dass es zu abrupt gebremst hat und wird dies beim nächsten Mal anpassen.

Die Chipindustrie mag für Peking Priorität haben. Die Zeichen stehen aber auf Modernisierung der gesamten Wirtschaft. Das hat der gerade zu Ende gegangene Volkskongress erneut unterstrichen.

Erwartungen an ein Konjunkturprogramm oder kurzfristige Hilfen zur Überwindung der aktuellen wirtschaftlichen Schwächephase wurden dort enttäuscht. Die Führung will Kurs halten und den Strukturwandel vorantreiben. Innovation und Zukunftstechnologien stehen daher im Mittelpunkt. Diese Botschaft zog sich während des wichtigsten politischen Treffens des Jahres durch alle Auftritte von Staats- und Parteichef Xi Jinping, der letztlich den Ton angibt.

So sprach Xi bei einem Treffen mit Delegierten aus der Provinz Jiangsu ausführlich über die Förderung „neuer hochwertiger Produktivkräfte“. Mit dieser neuen Formel fasst Xi seine Ambitionen zusammen, die heimische Technologie massiv voranzutreiben.

Später nahm Xi an einem Treffen mit Vertretern aus Wissenschaft und Technologie im Rahmen der Jahrestagung der Politischen Konsultativkonferenz des Chinesischen Volkes (CPPCC) teil. Dies ist das höchste politische Beratungsgremium des Landes, das parallel zum Volkskongress tagt. Dort forderte er die Teilnehmer auf, „ihren Kampf gut zu führen“. Auch hier lautete die Botschaft: Neue Technologien haben Priorität.

Schließlich sprach Xi noch mit der NPC-Delegation der Volksbefreiungsarmee (PLA) und der Bewaffneten Volkspolizei. Dabei forderte der Präsident, der zugleich Chinas oberster militärischer Befehlshaber ist, die Vertreter auf, „High-Tech-Entwicklungen“ in die Kriegskapazitäten der PLA zu integrieren, um „die strategischen Fähigkeiten in neuen Bereichen zu erweitern“.

Drei Auftritte des Präsidenten, drei Mal stand das Thema Technologie und Erneuerung im Mittelpunkt.

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