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Coronakrise Trump will für künftige Pandemien vorsorgen

Donald Trump, Präsident der USA Quelle: dpa

US-Präsident Trump denkt schon an mögliche neue Pandemien und will vorsorgen. Laut einem Immunologen läuft den USA aber schon jetzt im Vorfeld einer möglichen zweiten Coronavirus-Welle die Zeit davon.

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US-Präsident Donald Trump will sein Land für mögliche künftige Pandemien rüsten. Nationale Lagerbestände wolle er unter anderem mit Vorräten an Beatmungsgeräten und Atemschutzmasken auffüllen, die drei Monate reichten, versprach Trump am Donnerstag (Ortszeit) beim Besuch eines Betreibers von medizinischer Ausrüstung in Allentown im Staat Pennsylvania. Just am selben Tag stellte der Experte Rick Bright in einer Aussage vor einem Kongressausschuss der Regierung in Sachen Vorsorge ein schlechtes Zeugnis aus.

Die Herstellung von „wichtigen“ Produktionsgütern und Geräten wolle er nach Amerika zurückholen. Er wolle unbedingt, dass das Land auf künftige Ausbrüche vorbereitet sei, betonte Trump. Er wolle sicherstellen, dass der nächste Präsident keine leeren Lagerbestände vorfinde, ergänzte Trump, der seinem Vorgänger Barack Obama wiederholt eine mangelnde Pandemie-Vorsorge vorgeworfen hat. „Mein Ziel ist es, alles, was Amerika braucht, für uns zu produzieren und dann in die Welt zu exportieren, darunter Medizin.“

Bis dahin dürfte es ein langer Weg sein. Der Immunologe Bright kritisierte bereits, das Weiße Haus habe versagt, das Land angemessen auf die Coronakrise einzustellen. Das Zeitfenster zur Verhinderung einer möglicherweise wieder schnelleren Ausbreitung des Coronavirus schließe sich, hieß es im Manuskript der Aussage von Bright vor einem Parlamentsausschuss am Donnerstag. Es fehle ein Plan zur Produktion und fairen Verteilung eines noch zu entwickelnden Impfstoffs, sagte er.

„Ohne klare Planung und Umsetzung der Schritte, die ich und andere Experten skizziert haben, wird 2020 der dunkelste Winter in der modernen Geschichte werden“, warnte er. „Wenn wir es nicht schaffen, eine koordinierte nationale Reaktion zu entwickeln, die auf Wissenschaft beruht, fürchte ich, dass die Pandemie wesentlich schlimmer werden wird und länger andauern wird und beispiellose Krankheit und Tode verursachen wird“, schrieb Bright.

Schon vor seiner Abreise aus Washington hatte sich der Präsident in einem Fernsehinterview über Lieferketten beklagt und am Beispiel der aktuellen Lage die Wichtigkeit inländischer Produktion betont. „Diese dummen Lieferketten über die ganze Welt - wir haben eine Lieferkette, wo alles in unterschiedlichen Teilen der Welt hergestellt wird“, sagte er dem Sender Fox Business Network. „Und ein kleiner Teil der Welt läuft schlecht und das ganze Ding ist durcheinander.“ Trumps Lösung: „Wir sollten sie alle in den Vereinigten Staaten haben.“ China solle aus den Lieferketten herausgenommen werden.

Für Trump war die Visite bei der Firma Owens und Minor in Allentown der zweite Aufenthalt außerhalb Washingtons innerhalb weniger Wochen. Die Öffentlichkeit will er davon zu überzeugen, dass es nach den monatelangen Sperrmaßnahmen nun an der Zeit für Öffnungen in den US-Staaten sei, obwohl das neuartige Coronavirus weiter grassiert.

In Pennsylvania erhöhte Trump den Druck auf den demokratischen Gouverneur Tom Wolf, der bereits von Republikanern in seinem Staat zu einer Lockerung von Ausgangsbeschränkungen und Betriebsstilllegungen gedrängt wird, die zu einer frühen Eindämmung des Virus beigetragen haben. „Wir müssen euren Gouverneur dazu bewegen, die Dinge ein bisschen zu öffnen“, sagte Trump in der Lagerhalle von Owens und Minor. Schließlich seien einige Orte in Pennsylvania „kaum betroffen.“

Weder bei seiner Ankunft in Pennsylvania noch während der Tour durch die Fabrik trug Trump eine Gesichtsmaske. Schaulustige säumten teils dicht gedrängt die Route seiner Wagenkolonne, viele verzichteten auf eine Mund- und Nasenbedeckung. Die Behörde für Seuchenkontrolle und Prävention rät Amerikanern zum Tragen von Masken in der Öffentlichkeit, wenn Abstandhalten in einer bestimmten Situation schwierig ist. Laut dem Weißen Haus wird der Präsident täglich auf das neue Coronavirus getestet, die Ergebnisse sind demnach negativ.


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