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Donald Trump und Steve Bannon Wer hat im Weißen Haus die Hosen an?

Donald Trump wird belächelt, Steven Bannon gefürchtet: Als vermeintlicher Manipulator stiehlt der Chefstratege dem Präsidenten die Show. Das ärgert Trump und könnte für Bannon den Anfang vom Ende seiner Macht bedeuten.

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US-Präsident Donald Trump duldet keinen starken Mann neben sich. Quelle: AP

Für Donald Trump beginnt der Tag mit Frühstücksfernsehen. Am liebsten schaut er „Morning Joe“. Doch nicht immer gefällt ihm, was er dort zu sehen bekommt. So war es offenbar am Montag: Das Moderatorenduo fragte sich, was viele Amerikaner beschäftigt, nämlich wer im Weißen Haus eigentlich das Sagen hat – Trump oder sein Chefstratege Steve Bannon.

Keine Stunde verging, bis Trump einen neuen Tweet in die Welt setzte: „Ich entscheide, meistens auf Grundlage von Datensammlungen, und jeder weiß das.“ Alles andere seien die üblichen Lügen der Fake-News-Medien. Wörtlich schrieb Trump „I call my own shots“, damit nutzte er den gleichen Begriff wie kurz zuvor die Moderatoren.

Es ist ein klares Zeichen für Autoritätsverfall, wenn ein Chef daran erinnern muss, Chef zu sein. Erst recht nach so kurzer Zeit. Trump hat sich in den zwei ersten Wochen seiner Präsidentschaft zum Gespött gemacht. Er wird belächelt, Bannon hingegen wird gefürchtet. Als meisterhafter Manipulator schmückt Bannon das Titelbild von Time, Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman schreibt von den sinisteren Plänen der Bannon-Administration, und in der Satiresendung Saturday Night Live sitzt der Strippenzieher als Sensenmann hinter dem Schreibtisch im Oval Office, während Trump als stammelnder Volltrottel an einem Kindertischchen Platz nimmt. Das ärgert den Präsidenten, und zwar sehr.

Trumps Amerika: Die Pläne des neuen US-Präsidenten

Bannon wird sein eigener Erfolg zum Problem. Die Berichte über seine Allmacht schaden ihm. Denn sie verletzen Trump an seiner empfindlichsten Stelle, seinem Ego. Trump duldet keinen starken Mann neben sich.

Bisher lief alles nach Plan für Bannon, den früheren Investmentbanker, Filmemacher und Online-Provokateur, der seine Vorbilder wie folgt beschreibt: „Dick Cheney, Darth Vader, Satan.“ Bannon konnte nach der chaotischen Amtsübernahme das Führungsvakuum im Weißen Haus füllen, moderatere Rivalen wie Stabschef Reince Priebus und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner zur Seite drängen. Die Schock-Therapie, die die neue Regierung dem Land verordnet hat – Hau-Ruck-Deregulierung, Mauerbau, Einreisesperren – all das trägt Bannons Handschrift.

Bannon will die alte Ordnung umstoßen, oder um ihn zu zitieren: „den Staat zerstören“. Sein Handwerk als Unruhestifter hat Bannon als Chef der rechtspopulistischen Internetseite Breitbart erlernt. Unter seiner Führung wurde Breitbart zum Sammelbecken rechter bis rechtsradikaler Strömungen – und im Wahlkampf zum Megafon der Trump-Kampagne.

Das Vertrauen des Präsidenten hat sich Bannon hart erarbeitet. Im August 2016, als es so aussah, als würde Trumps Wahlkampf vollends aus der Spur geraten, übernahm Bannon das Steuer und riss es herum. Trumps Wahlerfolg ist auch sein Verdienst.

Doch der Kredit, den Bannon angesammelt hat, könnte schon bald aufgebraucht sein.

Intern, so berichtet die New York Times, sei Trump außer sich vor Wut gewesen, als er erfahren habe, dass Bannon ihm ein Dekret für eine Neuorganisation der sicherheitspolitischen Verantwortlichkeiten im Weißen Haus untergeschoben hatte. Offenbar hatte Trump den Text selbst gar nicht gelesen, erst später sei ihm bewusst geworden, was er da unterzeichnet hatte: die Beförderung Bannons in das Steuerungsgremium des Nationalen Sicherheitsrats nämlich.

Trump ist ein Narziss, sein Image bedeutet ihm alles. Das Bild des ahnungslosen Präsidenten, der sich von seinen verschlagenen Beratern ausnutzen lässt, macht ihn rasend. Darum schickte er am Montag seinen Pressesprecher vor, um die New York Times zu diffamieren und ihren Bericht zum „Gipfel der Fake News“ zu erklären.

Bannon wird der Zorn des Präsidenten nicht entgangen sein. Er wird jetzt versuchen, im Hintergrund zu bleiben, noch mehr als ohnehin schon. Er weiß, dass er gefährlich lebt: Kürzlich hat er sich mit Thomas Cromwell verglichen. Dieser war die rechte Hand des englischen Königs Heinrich VIII, ein Architekt der Reformation. Doch als Cromwell das Vertrauen des Monarchen verlor, fand seine Machtfülle ein blutiges Ende. Er wurde des Hochverrats und der Ketzerei angeklagt und zum Tode verurteilt. Am 28. Juli 1540 wurde Cromwells abgeschlagener Kopf auf einen Pfahl gespießt.

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