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Drogen aus Südamerika Koks für die Welt

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Riesig, chaotisch und unkontrollierbar

Die Zwei-Millionen-Einwohner-Metropole mitten im Regenwald mit dem Opernhaus der Kautschuk-Barone bietet sich dafür perfekt an: In einem Industriegebiet zwischen übrig gebliebenen Regenwaldstücken am Fluss – riesig, chaotisch und unkontrollierbar – werden dank einer großen Freihandelszone Motorräder, Autos, Waschmaschinen und Fernseher zusammengebaut. Die Teile und Bausätze kommen in Containerschiffen aus Asien und Europa. Auf dem Weg zurück bringen sie das Kokain zu den Hafenstädten im Nordosten Brasiliens oder transportieren es direkt über den Atlantik nach Norden.

Geschichte der Drogen: Raketentreibstoff und Panzerschokolade

Alleine im Februar beschlagnahmte die Polizei in Hamburg 700 Kilogramm Kokain, die größte Ladung, die dort seit 2010 ins Netz der Behörden ging. In England wurden 360 Kilogramm Kokain an die Küste geschwemmt, an Schwimmwesten gebunden. In Antwerpen beschlagnahmten die Fahnder mit 33,5 Tonnen 2015 bereits doppelt so viel Kokain wie im Jahr zuvor.

Die Alte Welt ist für die Drogenproduzenten aus Südamerika besonders attraktiv geworden. Einerseits fürchten die Produzenten, dass bald der Schmuggel in die USA erschwert werden könnte, wenn der neue US-Präsident Donald Trump die Grenze zu Mexiko tatsächlich schließen sollte. Andererseits sind die Gewinne im Kokaingeschäft mit Europa höher: Nach Angaben der US-Drogenbehörde DEA ist der Konsumentenpreis für Kokain mit umgerechnet 60.000 Dollar im Durchschnitt fast doppelt so hoch wie in den USA.

Die Drogen der Manager
Leistungspillen Quelle: dpa
BenzodiazepinePräparate wie Tavor, Valium oder Lexotanil, die zur Gruppe der Benzodiazepine gehören, sind schon lange in Managerkreisen im Einsatz. Es handelt sich um hochwirksame Beruhigungsmittel und Angstlöser. Vor allem Tavor ist in den Führungsetagen in den USA – aber zunehmend auch in Deutschland – weit verbreitet. Quelle: dpa
Ein Jugendlicher liegt 24.06.2010 in seinem Bett, auf dem Nachtisch liegen Schlaftabletten. Quelle: dpa
Ein Patient gähnt Quelle: dpa
Eine Packung des Medikaments Ritalin des Herstellers Novartis Quelle: dpa
Beschlagnahmte Mephedron-Tabletten, aus einem Amphetamin-Pulver, Quelle: dpa
Kokain Quelle: dpa

Traditionell verlaufen die Kokainschmuggelrouten aus Brasilien über den südlichen Teil Brasiliens: Das meiste Kokain wird aus Bolivien und Peru in die industrialisierten und reichen Bundesstaaten São Paulo und Rio de Janeiro geschmuggelt. Brasilien ist in wenigen Jahren selbst zum zweitgrößten Konsummarkt für Kokain und Crack weltweit geworden nach den USA. Doch die Transportrouten erweitern sich jetzt: „Am Amazonas geht es jetzt vor allem um die Kontrolle über neue Exportschmuggelrouten nach Europa“, sagt Marília Pimenta, brasilianische Sicherheitsforscherin an der Universität Syracuse. „Der interne Markt ist nicht mehr das Ziel.“

Anfang Februar trafen sich die Verteidigungsminister Brasiliens und Kolumbiens zu einem Krisengipfel in Manaus. „Wir müssen verhindern, dass die von der Farc aufgegebenen Drogenanbaugebiete nun von anderen militärischen Gruppen übernommen werden“, sagte Luis Carlos Villegas, der kolumbianische Verteidigungsminister bei dem Treffen. Doch das ist längst geschehen.

Der Frieden brachte den Konflikt

Statt weniger produziert Kolumbien heute mehr Kokain. Die Gewalt hat nicht abgenommen, sie nimmt sogar wieder zu – in Kolumbien, aber auch in Brasilien.

Der Weg der Drogen nach Europa

Zuletzt hatte die Drogenmafia 2007 so viel Coca angebaut wie derzeit. Die Anbaufläche konnte die Farc so schnell ausweiten, weil die Regierung ihnen zugesagt hatte, während der Verhandlungen keine Plantagen mehr mit Lufteinsätzen und Pflanzengiften zu zerstören. Die Farc nutzte diese Schonfrist, um die Produktion hochzufahren. Sie wollte finanzielle Reserven aufbauen, für die Zeit nach der Rückkehr in die Zivilgesellschaft, aber auch für den Fall, dass die Verhandlungen scheitern würden. Für die Rekordproduktion suchen die neuen Chefs der Coca-Plantagen und Kokainlabors nun neue Abnehmer und Märkte.

Der brasilianische Amazonas bietet sich als Korridor an: Dort leben nur 25 Millionen Menschen auf der Fläche halb Europas.

Wie schwierig dort die Kontrolle ist, das zeigt sich in Tabatinga. Auf der kolumbianischen Seite heißt sie Leticia, eine Stadt im Dreiländereck zwischen Peru, Brasilien und Kolumbien. Die brasilianische Bundespolizei hat dort 30 Offiziere stationiert. Sie sollen ein Gebiet so groß wie Frankreich sichern. Den ganz in der Nähe kasernierten Militärs geht es nicht viel besser: Es sind 70 Soldaten. Sie sollen eine Grenze überwachen, die mit 10.000 Kilometern dreimal so lang ist wie die zwischen den USA und Mexiko.

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