1. Startseite
  2. Politik
  3. Ausland
  4. G20-Gipfel: Einigung auf den kleinsten gemeinsamen Nenner

G20-GipfelEinigung auf den kleinsten gemeinsamen Nenner

Mehr als die Verurteilung des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine war beim G20-Gipfel nicht drin. Das ist nicht wenig – reicht aber nicht aus. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Daniel Goffart 16.11.2022 - 15:34 Uhr

Krieg und Frieden: Beim G20-Gipfel in Indonesien wurden Mangroven gepflanzt – und der russische Angriff auf die Ukraine verurteilt.

Foto: via REUTERS

Der nächtliche Raketeneinschlag auf dem Territorium des Nato-Mitglieds Polen hat nicht nur die ganze Welt, sondern auch die zeitgleich auf Bali versammelten Führer der wichtigsten Staaten aufgeschreckt. Zwar ist Russland offenbar nicht unmittelbar verantwortlich, aber der Vorfall zeigt auf bedrückende Weise, wie nah der Krieg und wie fragil der Frieden in Europa ist.

Vor diesem Hintergrund ist eine Verurteilung der russischen Aggression und damit eine internationale Isolierung des Kriegspräsidenten Wladimir Putin durch die G20 von großer Bedeutung. China und andere wichtige G20-Nationen wie Indien, die nach wie vor Handel mit Russland treiben und sich zu Beginn des Krieges in der Vollversammlung der Uno noch der Stimme enthalten haben, gehen jetzt auf spürbare Distanz.

Ohne echten Fortschritt blieben andere Themen des G20-Gipfels. Man sprach über „globale Ernährungssicherung“ und Weltgesundheit. Aber weder gab es einen Durchbruch bei der Bekämpfung des Hungers noch bei Impfung und Pandemieschutz. Auch die Signale von der parallel laufenden Weltklimakonferenz sind wenig ermutigend. Bei der Lösung der drängendsten globalen Probleme treten die Führer der mächtigsten Länder immer noch auf der Stelle.

Wissenswertes zum G20-Gipfel auf Bali
Die „Gruppe der 20“ (G20) besteht aus der Europäischen Union und den stärksten Volkswirtschaften aller Kontinente. Das sind folgende 19 Länder: Argentinien, Australien, Brasilien, China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Indonesien, Italien, Japan, Kanada, Mexiko, Russland, Saudi-Arabien, Südafrika, Südkorea, Türkei und die USA.
Die teilnehmenden Länder repräsentieren knapp zwei Drittel der Weltbevölkerung, vereinen vier Fünftel der weltweiten Wirtschaftskraft und drei Viertel des Welthandels auf sich.
Bei jedem Gipfel sind weitere internationale Organisationen wie die Weltbank und die Vereinten Nationen (UN) zu Gast. Außerdem hat der Gastgeber das Recht, weitere Staaten einzuladen. Indonesien hat sich dieses Jahr für die Niederlande und die Ukraine entschieden.
Russlands Präsident Wladimir Putin hat seine Teilnahme am diesjährigen G20-Gipfel abgesagt. Stattdessen schickt er Außenminister Sergej Lawrow als Vertretung auf Bali. Aufgrund einer Einladung des Gastgeberlandes Indonesiens wird die Ukraine am Gipfel teilnehmen – der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj soll per Video zugeschaltet werden. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine wird bei der Arbeitssitzung „Ernährungs- und Energiesicherheit“ Thema sein.
Die Gruppe der G20 trifft sich seit 2008 in der Regel einmal im Jahr auf Ebene der Staats- und Regierungschefs. Während der Finanzkrise 2009 und 2010 gab es sogar jeweils zwei Treffen. Schon seit 1999 treffen sich die Finanzminister und Notenbankchefs jährlich.
Bei ihren Gipfeltreffen einigen sich die Staats- und Regierungschefs der Länder in der Regel auf gemeinsame Erklärungen, die zwar rechtlich nicht bindend sind, politisch aber trotzdem eine starke Signalwirkung haben. Ob es in diesem Jahr eine geben wird, ist wegen der massiven Differenzen der westlichen Staaten vor allem mit Russland unklar. Möglicherweise gibt es auch nur eine Zusammenfassung der Diskussion durch die Präsidentschaft, in der dann auch die Differenzen in einzelnen Punkten festgehalten werden.
Indien wird im nächsten Jahr Gastgeber sein. Der nächste Gipfel soll im September 2023 in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi stattfinden. Während des diesjährigen Gipfels auf Bali ist eine Übergabezeremonie geplant.

Dieser Beitrag entstammt dem WiWo-Newsletter Daily Punch. Der Newsletter liefert Ihnen den täglichen Kommentar aus der WiWo-Redaktion ins Postfach. Immer auf den Punkt, immer mit Punch. Außerdem im Punch: der Überblick über die fünf wichtigsten Themen des Tages. Hier können Sie den Newsletter abonnieren.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick