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Görlachs Gedanken
Brasiliens Regenwald brennt: Ein verkohlter Baumstumpf steht in der Nähe der Stadt Porto Velho. Quelle: dpa

Welche Lehren ziehen wir aus den Bränden im Amazonas-Gebiet?

Brasiliens Regenwald erlebt die schwersten Waldbrände seit Jahren. Es ist an der Zeit, über die Konsequenzen auf politischer Ebene zu reden.

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Der Regenwald im Amazonas-Gebiet brennt und die Welt ruft die internationale Gemeinschaft um Hilfe an. Es werden besorgt Fotos und Videos der brennenden Wälder in den sozialen Netzwerken verbreitet: Die grüne Lunge der Welt steht in Flammen.

Dieses traurige Ereignis, das auch Ergebnis der Wahl eines Extremisten ins Präsidentenamt Brasiliens ist, zeigt wieder einmal deutlich auf, dass nationale Alleingänge „make XY great again“ ins Desaster führen. Das Ökosystem der Erde macht keinen Halt an Ländergrenzen. Die Brandrodung in den Wäldern am Amazonas wird Auswirkungen haben auf die Menschen in China.

Wenn dem so ist, ist es nicht nur eine ethische Verantwortung der Brasilianer, an die Chinesen zu denken. Es muss auch eine institutionalisierte und rechtlich wirksame Methode geben, nationale Politik im Hinblick auf ihre internationalen Auswirkungen zu kalibrieren. Sie existieren schon: das internationale Recht, die multi- und internationalen Institutionen wie die Vereinten Nationen oder die Europäische Union. Überall auf der Welt, von den USA bis nach Indien, sind in den vergangenen Jahren Menschen an die politische Macht gekommen, die aber genau diese internationale Ordnung abbauen wollen. Sie wurden von den Menschen gewählt, die nunmehr unter Umständen nach eben jenen Mechanismen rufen, die das Brandschatzen des Amazonas-Regenwalds verhindern könnten.

Ökonomische Sanktionen alleine sind effektiv, reichen aber nicht aus. Es ist gut, dass Frankreich, wie andere Länder, nun erklärt, einem geplanten Handelsabkommen, in dem auch Brasilien Unterzeichner sein soll, vorerst die Zustimmung zu verweigern. Wenn die Wirtschaft ins Stocken gerät, kommen die Konsequenzen recht schnell in den jeweiligen Bevölkerungen an. Das ist besser als nichts.

Müsste es aber nicht eher Mechanismen geben, die politisches Handeln oder Nicht-Handeln, das sich gegen die Interessen von Menschen richtet, im Keim erstickt und unmöglich macht? Müsste es nicht einen Welt-Rat zu diesen wichtigen Umwelt- und Klimafragen geben? Ein Gremium, dem – mit allen checks-and-balances – rechtliche Qualität zukommt und das auch Recht sprechen kann?

Bislang sieht es ja so aus, dass der Klimawandel bei den internationalen Playern als ökonomische Chance gesehen wird: Es geht beispielsweise um Bodenschätze in Grönland oder anderenorts, wo das vormals als „ewig“ apostrophierte Eis sich zurückzieht und den Weg freigibt für Ausbeutungen aller Art.

Ist das die Antwort der Menschheit auf den Klimawandel? Als ich in der Schule war, lernten wir bereits, dass x Fußballfelder Regenwald pro Tag vernichtet werden. Dreißig Jahre später hat sich scheinbar nicht viel getan. Was sagt das über unsere Spezies? Wir laufen sehenden Auges in das, was machen Kommentatoren den „Klima-Genozid“ nennen. Die Folgen unseres rücksichtslosen Verhaltens werden Millionen Menschen in diesem Jahrhundert das Leben kosten.

Ist es da genug, die Brandschatzung der Wälder am Amazonas auf die Tagesordnung der G7 zu setzen? Sicher nicht.

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