Hyon Yong Chol Verteidigungsminister Nordkoreas hingerichtet

Kim Jong Un greift erneut in seinem Führungszirkel durch. Diesmal soll es den nordkoreanischen Armeechef getroffen haben. Zum Verhängis wurden ihm offenbar Schläfrigkeit bei einer Sitzung.

Machthaber erklimmt höchsten Berg des Landes
Kim Jong Un Quelle: REUTERS
Kim Jong Un Quelle: dpa
Nordkoreas Diktator Kim Jong Un hat nach einem Medienbericht nach seinem Onkel angeblich auch dessen gesamte Familie hinrichten lassen. „Alle direkten Verwandten von Jang (Song Thaek) sind getötet worden, darunter sogar Kinder“, berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap am Sonntag unter Berufung auf mehrere Quellen. Unter den Opfern sollen angeblich die Söhne, Töchter und Enkelkinder von Jangs beiden Brüdern sein. Auch Jangs Schwester sowie deren Ehemann, der Botschafter des Landes in Kuba, und Jangs Neffe, der nordkoreanische Botschafter in Malaysia, sollen getötet worden sein. Der Onkel von Nordkoreas jungem Machthaber Kim war im vergangenen Monat unter dem Vorwurf des Hochverrats und der Planung eines Putsches hingerichtet worden. Quelle: AP
Nach der überraschenden Hinrichtung von Kims Onkel und Mentor, Jang Song Thaek, in der vergangenen Woche wurde die Zeremonie im In- und Ausland mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Auf den vom nordkoreanischen Staatsfernsehen ausgestrahlten Bildern war Kims Tante, Kim Kyong Hui, nicht zu sehen. Die Witwe von Jang hätte nach südkoreanischer Auslegung mit ihrer Anwesenheit „die Hinrichtung ihres Mannes durch ihren Neffen öffentlich anerkannt“. Jang galt lange Zeit als zweitmächtigster Mann im Land. Dem 67-Jährigen wurden auch gute Verbindungen zum Militär nachgesagt. Jang und einige Gefolgsleute wurden wegen Hochverrats hingerichtet. Dagegen war Kims Frau Ri Sol Ju erstmals seit zwei Monaten wieder in der Öffentlichkeit zu sehen. Sie ging mit ihrem Mann durch das Kumsusan-Mausoleum in der Hauptstadt Pjöngjang. Dort sind Kims Vater und Amtsvorgänger Kim Jong Il sowie Großvater und Staatsgründer Kim Il Sung aufgebahrt. Vor dem Mausoleum hatten sich mehrere Tausend Menschen versammelt. Quelle: dpa
Der entmachtete Onkel des nordkoreanischen Herrschers Kim Jong Un ist nach offiziellen Angaben wegen des Vorwurfs des Hochverrats hingerichtet worden. Ein Militärtribunal habe Jang Song Thaek am Donnerstag zum Tode verurteilt, berichteten die Staatsmedien am Freitag (13. Dezember). Der Beschuldigte habe parteifeindliche, konterrevolutionäre Handlungen mit dem Ziel ausgeführt, „die Führung unserer Partei, des Staates und des sozialistischen Systems zu stürzen“. Der 67-Jährige habe seine Taten gestanden. Das Urteil sei sofort vollstreckt worden. Jang galt lange Zeit als die graue Eminenz des Regimes. Quelle: AP
Jang wurde den offiziellen Angaben zufolge vorgeworfen, bereits seit dem Tod des früheren Machthabers und Vaters von Kim Jong Un, Kim Jong Il, im Dezember 2011 auf die Machtübernahme hingearbeitet zu haben. Jang, der bis vor kurzem noch Vizevorsitzender der mächtigen Nationalen Verteidigungskommission gewesen war und enge Kontakte zu China unterhielt, wurde in den nordkoreanischen Medien als „Verräter“ und „abscheulicher menschlicher Abschaum, der schlimmer als ein Hund war“, bezeichnet. Quelle: AP
Eine unabhängige Bestätigung der Berichte über die Hinrichtung gibt es nicht. Nach Informationen des südkoreanischen Senders Free North Korea Radio (FNK), das von nordkoreanischen Flüchtlingen betrieben wird, ließ das kommunistische Regime den 67-jährigen Jang und einige seiner Gefolgsleute bereits in der vergangenen Woche hinrichten. Bilder des Staatsfernsehens, die die Festnahme Jangs am vergangenen Sonntag bei einer Sitzung des Politbüros der herrschenden Arbeiterpartei zeigten, seien womöglich manipuliert gewesen, hatte FNK am Dienstag berichtet. Quelle: REUTERS
Nach Ansicht von Beobachtern festigte der etwa 30-jährige Kim Jong Un seine Macht durch die Absetzung Jangs. Politische Säuberungen sind in dem weithin abgeschotteten Staat nicht unüblich. Angesichts der jüngsten Vorgänge in Pjöngjang hatte Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye in dieser Woche das Regime im Nachbarland in scharfem Ton kritisiert und Kim Jong Un eine „Schreckensherrschaft“ vorgeworfen. Quelle: AP
In Pjöngjangs Straßen brach eine regelrechte Trauerhysterie aus, als Kim Jong Il am 17. Dezember 2011 starb. Der geliebte Führer hatte die Machtübernahme seines Sohnes sorgfältig vorbereitet: seit 2009 übertrug er Kim Jong Un nach und nach zentrale Posten – die Leitung des Geheimdienstes, das Oberkommando über die Armee, den Vorsitz der Partei. Der Herrscher-Spross folgte seinem Vater mit zarten 30 Jahren ins Amt. In der Öffentlichkeit war er bis dahin fast unbekannt. Quelle: KCNA
Doch diejenigen, die dachten, Kim Jong Un werde nach dem Tod seines Vaters Kim Jong Il vom Führungszirkel nicht ernstgenommen, durften sich nun selbst überzeugen, dass der Sohn genauso skrupellos ist wie es der Vater war. Der Jungdiktator macht nicht einmal vor der eigenen Familie halt. Quelle: REUTERS
Doch auch nach außen hin profilierte sich Kim Jong Un als gnadenloser Machthaber und provozierte den Westen mit Raketentests. Nordkorea behauptete im Dezember 2012, einen Wettersatelliten ins All befördert zu haben, der Westen vermutete Tests für ein Atomprogramm. Die internationale Gemeinschaft verurteilte den Raketentest, Tausende Menschen in Südkorea protestierten gegen die Provokation des Nordens, die Vereinten Nationen verhängten Sanktionen. Quelle: epa
Nordkorea und Südkorea leben seit dem Koreakrieg (1950-1953) im Kriegszustand – ein Friedensvertrag wurde nie unterzeichnet. Quelle: KCNA
Da Nordkorea auf wirtschaftliche Hilfen aus dem Süden angewiesen ist, haben nordkoreanische Machthaber Südkorea schon öfter Friedensverhandlungen angeboten – nur um die Nachbarn kurz darauf wieder als „faschistische Irre“ zu verteufeln. Quelle: KCNA
Doch Kim Jong Un hat von seinen Vorgängern gelernt, wie sich ein Diktator – allen ausländischen Widerständen zum Trotz – zumindest medienwirksam die Liebe seines Volkes sichert: durch Personenkult. Die Staatsmedien verbreiten systematisch sein Image als Militärgenie und feiern seinen unermüdlichen Einsatz für das Vaterland. (Foto: Yonhap) Quelle: Yonhap
Es gibt aber auch Unterschiede zu seinen beiden Vorgängern: Im Gegensatz zum Vater Kim Jong Il und dem gottgleich verehrten Großvater und Republikgründer Kim Il Sung gewährt der Jungdiktator Kim Jong Un als erster nordkoreanischer Machthaber sogar Einblicke in die Herrscherfamilie... Quelle: KCNA
…lange spekulierte die Welt, ob Kim Jong Un verheiratet sei. Nach monatelangem Rätselraten wurde das Gerücht offiziell bestätigt: Die geheimnisumwitterte Ri Sol Ju ist tatsächlich Kim Jong Uns Gattin. Seitdem die Diktatoren-Ehe offiziell ist, ist die frühere Schlagersängerin Ri ungewöhnlich oft an der Seite ihres Mannes aufgetreten. Quelle: KCNA

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat laut dem südkoreanischen Geheimdienst seinen Verteidigungsminister hinrichten lassen. Militärchef Hyon Yong Chol habe sterben müssen, weil er während einer Sitzung geschlafen und Kim Widerworte gegeben habe, sagte der Abgeordnete Shin Kyoung Min am Mittwoch. Dies hätten Beamte des Geheimdiensts NIS einem Parlamentskomitee hinter verschlossenen Türen mitgeteilt. Das Büro des Abgeordneten Lee Cheol Woo bestätigte die Angaben.

Die bisherigen Machthaber Nordkoreas

Laut Shin erfolgte die Exekution Hyons bereits Ende April. Demnach wurde der geschasste Verteidigungsminister vor den Augen Hunderter Zuschauer auf einem Schießstand an der Kang-Kon-Militärakademie in Pjöngjang durch Schüsse einer Flugabwehrkanone getötet. Woher der Geheimdienst NIS die Informationen hat, sagten die Beamten den Parlamentariern nicht. Die Erkenntnisse seien über mehrere Kanäle gewonnen worden und glaubwürdig, hieß es laut Shin lediglich. Erst im April hatten Geheimdienstvertreter im Parlament berichtet, dass die Führung in Pjöngjang 14 ranghohe Beamte hinrichten ließ, die Kims Autorität herausgefordert hätten.

Seit seiner Machtübernahme Ende 2011 hat Machthaber Kim eine Reihe von Mitgliedern seines Führungszirkels im Zuge einer politischen Säuberungswelle hinrichten lassen. Für Aufsehen sorgte vor allem die Exekution seines Mentors und Onkels Jang Song Thaek, der 2013 wegen mutmaßlichen Hochverrats sterben musste.

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Experten sind sich uneins, ob das blutige Durchgreifen Kims dessen uneingeschränkte Kontrolle über Nordkorea widerspiegelt oder vielmehr ein Zeichen für Schwierigkeiten bei der Machtkonsolidierung sind. Der Nordkoreaexperte Koh Yu Hawan sagte, Kim versuche offenbar mit Säuberungswellen die alte Militärgarde an die Kandare zu nehmen, weil sie die einzige ernsthafte Bedrohung für seine Herrschaft darstelle. Dass er zur Festigung seiner Macht auf ein „Regieren durch Terror“ setze, werde jedoch letztlich nur eine geringe Wirkung haben, wenn er keine Durchbrüche bei der Bewältigung der wirtschaftlichen Nöte des Landes erziele, fügte Koh hinzu.

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