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Infrastruktur Marodes Amerika

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Neue Stromtrassen wurden nie verwirklicht

Nur die Freiheitsstatue leuchtet noch: Stromausfälle sind auch in New York längst nicht mehr ausgeschlossen. Quelle: AP

Bei Jen und John Villar brannte bislang immer das Licht. Ihr zweistöckiges Reihenhäuschen in dem hippen „Old Town“ in Alexandria, rund 30 Minuten vom Weißen Haus entfernt, liegt in einem der wenigen Straßenzüge, in denen die Stromkabel unter der Erde liegen. "Unser Eigentümer hat das Grundstück aufbuddeln lassen und die Kosten getragen, nicht die Kommune", sagt John Villar. "Wir haben bewusst nach einem Häuschen gesucht, das nicht durch Überlandleitungen versorgt wird." Das hat seinen Preis. Für die knapp 100 Quadratmeter Wohnfläche zahlt das junge Ehepaar monatlich etwa 2200 US-Dollar (rund 1700 Euro) an Miete. Wer das nicht zahlen kann oder will, muss fürchten, ab Dienstagmorgen Ortszeit im Dunkeln zu sitzen.

US-Präsident Barack Obama versucht zu beruhigen. "Meine Mitarbeiter haben mir versichert, dass alle notwendigen Vorbereitungen für den Aufschlag des Hurrikans auf die Küste getroffen seien", so Obama nach einer Unterrichtung im Unwetter-Zentrum der Behörden in Washington. Die Behörden seien gut vorbereitet, schnelle Hilfe möglich. Der Präsident macht die Hurrikan-Notfallplanung zur Chefsache, wohlwissend, dass er bei der Erneuerung der Infrastruktur, die ja helfen könnte, Katastrophen abzumildern, wenig vorzuweisen hat. Die Deiche an den Küsten gelten vielerorts als nicht für den Ernstfall gewappnet, doch passiert ist nichts. Neue Stromtrassen wurden zwar geplant, aber nie verwirklicht.

Mangelnde Infrastruktur wird zum Standortnachteil für Unternehmen

"Die Regierung hat durch das Konjunkturprogramm von 2009 an einigen Stellen etwas für die Infrastruktur getan, zum Beispiel beim Straßenbau. Aber das war verglichen mit dem Zustand von Straßen, Bahnschienen & Co. oft nur ein Tropfen auf dem heißen Stein", sagt US-Experte Thunert.

Nicht nur die Bürger leider unter der maroden Infrastruktur, auch die Unternehmen sorgen sich um  Nachteile im internationalen Vergleich. In der 2012er-Umfrage der Schweizer Wirtschaftsschule IMD („International Institute for Management Development“) zur Wettbewerbsfähigkeit der Volkswirtschaften bescheinigte nur gut jeder Dritte US-Arbeitgeber seinem Land eine „verlässliche Infrastruktur“. Insbesondere die Qualität des Schienen- und Straßennetzes, sowie die Anbindung von Gewerbegebieten an den Öffentlichen Nah- und Fernverkehr wird kritisiert.

Wie schlecht es um den Öffentlichen Personenverkehr bestellt ist, erfahren alle Besucher, die per Flugzeug nach Washington kommen, am eigenen Leib. Wer innerhalb der USA anreist, kann am "Ronald-Reagan-National-Airport" landen – einem Uralt-Bau aus den 1940er-Jahren. Ausländische Touristen oder Berufstätige fliegen den nur zehn Jahre jüngeren "Baltimore-Washington-International-Airport" an, der 65 Kilometer vom Stadtzentrum der Hauptstadt entfernt liegt oder "Dulles International". Von hier sind es nur rund 40 Kilometer bis zum Weißen Haus – doch der Flughafen ist weder ans U-Bahnnetz der Stadt angebunden, noch per Zug erreichbar. Gäste, die nicht von Freunden abgeholt werden, können für zehn Dollar alle 30 Minuten per Bus die rund 15 Minuten zur nächsten U-Bahn-Station überwinden.

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