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New Yorks Sittenkampagne fürs U-Bahn-Fahren Liebe Männer, macht euch nicht so breit!

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Die Sprüche auf den New Yorker U-Bahn-Plakaten

1. „Treten Sie beiseite und lassen andere austeigen.“ Man soll also nicht schon in den Zug drängen, wenn andere noch am Aussteigen sind. Gut, das kommt manchmal vor, ist dann aber auch kein Drama. Sowieso kein schönes Thema fürs Netz, weil nix mit Mann und Frau und so. Also schnell weiter zu 2.

2. „Behalten Sie Ihr Zeug bei sich.“ Was die MTA wohl damit meint? Die Grippe-Viren beim Nießen? Oder darf ich dem Sitznachbarn kein Hasch anbieten? Da muss sich die MTA noch erklären.

3. „Nehmen Sie den Rucksack ab.“ Ja, das ist ein Problem. Touristen hauen andere Fahrgäste mit ihren mit dicken Rucksäcken oft förmlich aus den Schuhen, wenn sie sich umdrehen – und merken es hinterher noch nicht einmal. Es gibt New Yorker Politiker, die deshalb ein Rucksackverbot fordern. Das ist natürlich nicht durchsetzbar, also sollen es jetzt Plakate richten. Ich fürchte nur, dass die, die sie lesen müssten, die Touristen nämlich, beim U-Bahn-Fahren immer nur in ihre Subway-Pläne starren.

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    Wo die ältesten Bahnen unterwegs sind
    B-Wagen am Mülheimer Hbf Quelle: Stefan Baguette Creative Commons-Lizenz
    Eine U-Bahn hält am Duisburger Hauptbahnhof Quelle: PR
    Ein Bonner Stadtbahnwagen 0372 vor der Konzernzentrale der Deutschen Telekom Quelle: Qualle Creative Commons-Lizenz
    Eine berliner U-bahn des Typus A3 Quelle: Amiden Creative Commons-Lizenz
    Eine U-Bahn der Linie U3 in Hamburg Quelle: PR
    Eine U-Bahn des MVV in München Quelle: PR
    Niederflurlinie 9 in der unterirdischen Haltestelle Bf. Deutz Quelle: Qualle Creative Commons-Lizenz

    4. „Bieten Sie Ihren Sitz Älteren, Behinderten oder Schwangeren an.“ Man kann  ja viel Schlechtes über New Yorker sagen, aber nicht, dass sie das nicht tun würden. Manchmal passiert sogar zu viel des Guten. Nie werde ich die Szene vergessen, als ein Mann einer jungen Frau mit dickem Bauch seinen Platz anbot, sie dankend ablehnte, rot wurde, schnell ausstieg und alle Umstehenden peinlich berührt erkannten, dass sie wohl gar nicht schwanger war.

    5. „Nehmen Sie Ihren Müll mit.“ Meine Güte, MTA, welchen Müll? Die Leute lassen fast nichts in der Bahn liegen. Bei sechs Millionen Fahrgästen am Tag könnten die Waggons ganz anders aussehen.

    6. „Halten Sie den Lärm in Grenzen.“ Dröhnende Kopfhörer des Nachbarn sind fester Bestandteil des U-Bahn-Alltags. Allerdings werden solche Mini-Konzerte ohnehin vom ohrenbetäubenden Quietschen, Klappern und Donnern der veralteten U-Bahn übertönt. Also liebe MTA, halten Sie den Lärm in Grenzen, indem Sie in neue Züge investieren.

    7. „Die Stangen sind für Ihre Sicherheit, nicht für ihre körperliche Ertüchtigung.“ Es gibt wirklich hin und wieder Jugendliche, die an den vertikalen Haltestangen herumturnen. Aber das kommt fast nie vor. Und wenn schon – ist doch gut, wenn sich die Stadtkinder mal ein bisschen bewegen.

    8. „Nagelschneiden? Schminken?“ Okay, einen nagelknipsenden Mann habe ich mal gesehen. Das war nicht sehr appetitlich. Aber darf sich eine Frau in der U-Bahn nicht schminken, wenn ihr danach ist?

    9. „Sei kein Stangen-Schwein.“ Die MTA meint damit: Man soll sich nicht mit dem Rücken an eine der vertikalen Haltestange lehnen – eben so, wie ein Schwein sich mit dem Rücken an einem Baumstamm kratzt. Das ist praktisch, denn man hat beide Hände frei und kann zum Beispiel eine Zeitung halten. Aber man nimmt natürlich eine ganze Stange in Beschlag, an der sich sonst mehrere Leute festhalten können.

    Ausland



    10. „Das ist eine U-Bahn, kein Speisewagen.“ New Yorker machen am liebsten alles gleichzeitig. Aber U-Bahn-Fahren und Essen, das machen erstaunlich wenige. Das Plakat kann die MTA sich sparen.

    11. „Blockieren Sie die Türen nicht.“ Mal eben die Tür aufhalten, weil noch jemand angerannt kommt – das ist nett für den einen, aber nervig für Hunderte andere. Aber auch das macht eigentlich fast niemand.

    Ich hätte einen Vorschlag für ein weiteres Plakat: „Drucken Sie keine unnützen Plakate, wenn Ihre Organisation 34 Milliarden Dollar Schulden hat.“ Anzubringen im MTA-Hauptsitz, 2 Broadway, NY 10004.

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