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Reaktionen auf Trumps Rede „Amerika will keinen impulsiven, lügenden Tyrannen“

Eigentlich wollte US-Präsident Donald Trump Amerika mit seiner ersten „State of the Union“-Rede einen – doch bewirkt hat er das Gegenteil. Die Reaktionen auf seine Rede sind so gespalten wie das Land selbst.

Donald Trump: So reagiert die Welt auf Rede des US-Präsidenten Quelle: Reuters

Guantanamo, Einwanderung, Steuern. Drei Themen, die Amerika spalten wie kaum etwas anderes – außer ihr Präsident, Donald Trump. In seiner ersten, mit Spannung erwarteten Rede zur Lage der Nation wollte er eigentlich versöhnlich und präsidial auftreten und sorgte stattdessen für wilde Diskussionen.

Bereits im Kongress selbst teilten sich die Anwesenden in zwei Lager. Während Paul Ryan, der Sprecher des Repräsentantenhauses, und Vizepräsident Mike Pence hinter dem Präsidenten standen und viele seiner Aussagen mit zufriedenem Lächeln oder einer gelegentlichen Geste verstärkten, boykottierten mehrere demokratische Abgeordnete die Rede und blieben ihr fern. Andere Mitglieder des „Congressional Black Caucus“, des Zusammenschlusses schwarzer Abgeordneter, trugen im Publikum afrikanische Kente-Schals, um gegen Trumps jüngste Kommentare über „Kloaken-Länder“ zu protestieren.

Die amerikanischen Medien schrieben zwar, Trump habe sich Mühe gegeben einen anderen Ton anzuschlagen. So schreibt die „New York Times“, der Präsident habe von rassistischen Äußerungen, die er in der Vergangenheit immer wieder getätigt hatte, abgesehen. Für die „Washington Post“ war es „ein großer Tag für Metaphern der Stärke, aber kein so guter für Fakten“. Trump beanspruche beispielsweise den allgemeinen Lohnanstieg für sich als Erfolg, dessen Ursachen nachweisbar aus der Obama-Präsidentschaft stammten.

Das „Wall Street Journal“ fand den Präsidenten in einer „neuen Rolle“ als Optimisten. Und Fox News proklamierte begeistert Trumps' Satz: „Amerikaner sind auch Träumer“ – eine Anspielung auf die Bezeichnung „Dreamers“ für die Kinder illegaler Immigranten. Die Tageszeitung „New York Daily News“ bezog mit dem Cover ihrer aktuellen Ausgabe klar Stellung gegen die Rede des Präsidenten und titelte: „What a load of clap“ (zu dt.: „Was für ein Haufen Geklatsche“), eine Anspielung auf die Redensart „What a load of crap“ (zu dt.: „Was für ein Haufen Scheiße“).

Von konservativer Seite gab es allerdings auch Kritik daran, dass Trump sehr emotional und lange der Opfer von Gang-Gewalt gedachte, deren Angehörige er als Gäste eingeladen hatte. Das Magazin „National Review“ kommentierte: „Dabei geht es wohl darum, der Basis etwas Fleisch hinzuwerfen, bevor er zu seinem Einwanderungsplan kommt, der ganz klar nicht auf sie zugeschnitten ist.“

Auch die amerikanische Bevölkerung reagierte geteilt auf Trumps Rede. Laut einer Erhebung des Fernsehsenders CNN, hatte fast die Hälfte der TV-Zuschauer eine „sehr positive“ Reaktion auf die Worte des Präsidenten. Verglichen mit der ersten State of the Union seines Vorgängers Barack Obama, musste Trump allerdings Verluste hinnehmen. Der konnte nämlich noch 57 Prozent und damit neun Prozent mehr Amerikaner für sich begeistern. Trumps Ergebnis ist außerdem das niedrigste seit dem Start der Erhebung vor 20 Jahren. Auch hinter seinen Plänen in Sachen Einwanderungspolitik stehen laut CNN nur die Hälfte der Zuschauer.

Über dieses Thema wurde auch im Netz heiß diskutiert. Viele Hollywood-Stars drückten ihre Wut über die Trump-Rede auf Twitter unter dem Hashtag Sotu (kurz für State of the Union) aus. Schauspieler Mark Ruffalo fand deutliche Worte: „Wir stehen zusammen mit der arbeitenden Bevölkerung, nicht der Wall Street.“

US-Senator Bernie Sanders hat seine Reaktion auf die Rede zur Lage der Nation kurzerhand via Facebook live ausgestrahlt. „Amerika will keinen impulsiven, lügenden Tyrannen als Präsidenten“, empört sich der ehemalige Präsidentschaftskandidat der Demokraten in dem Video. Außerdem vertrete Trump aktiv die Interessen der Reichen, sei gegen die Wissenschaft und teile die US-Bevölkerung nach Hautfarbe, Nationalität und Religion auf. Es sei zwar nicht was die Amerikaner wollen, aber leider die Realität, resümiert Sanders.

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