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Donald Trump: Punktsieg für den US-Präsidenten Quelle: REUTERS

Punktsieg für Trump

Hauke Reimer
Hauke Reimer Stellvertretender Chefredakteur WirtschaftsWoche

Der US-Präsident macht es Kritikern leicht, Trump-Bashing ist eine simple Übung. Zu einem objektiven Bild gehört aber auch ein Blick auf seine Erfolge.

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Es scheint paradox. Ausgerechnet der Mann, der mit seinem „America first“ die globalen Handelsbeziehungen demontiert, macht in der Außenpolitik Punkte. Israels Friedensverträge mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain und jetzt auch die Annäherung des Sudan an Israel sind Verdienste der Trump-Administration. Der Friedensprozess hat enorme ökonomische Konsequenzen. Israel gewinnt neue Exportmärkte. Arabisches Öl könnte künftig über den Landweg bis ans Mittelmeer und dann nach Europa fließen, unter Umgehung des Suezkanals. Vor allem aber kann um Tel Aviv ein neues Silicon Valley entstehen. Die Kombination aus israelischer Technologie und Ölkapital könnte enorm erfolgreich werden. Den Friedensnobelpreis wird Donald Trump wohl trotzdem nicht bekommen, obwohl er hier mehr erreicht hat als sein damit ausgezeichneter Vorgänger Barack Obama.

Trump wäre nicht er selbst, würde er seine Erfolge nicht großmäulig ausschlachten: „Denkst du, Sleepy Joe hätte diesen Deal machen können, Bibi?“, fragte Trump Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu gleich mehrfach nach seinem Herausforderer Joe Biden – am Telefon, vor laufender Kamera.

Der in der hohen Diplomatie herumtrampelnde Trump erzielt überraschende Ergebnisse, wie schon im Atomkonflikt mit Nordkoreas Diktator Kim Jong-un. Womöglich erleichtert ihm die Tatsache, dass er hier auf viele verwandte Naturen trifft, das internationale Geschäft. In die Bibis und Bolsonaros, die Kims und Putins dieser Welt kann er sich leichter hineindenken als der oberlehrerhafte deutsche Außenminister Heiko Maas (SPD), dessen Weltpolitik darin besteht, dass er Handlungen anderer wahlweise „begrüßt“ oder „kritisiert“.

Trump mag prahlen, lügen, Menschen böse verunglimpft und in der Coronaabwehr versagt haben. Doch das sollte den neutralen Blick auf Erfolge nicht verstellen. Auch gegenüber China, das ausländische Technologie stiehlt, Wettbewerber aus seinen Märkten heraushält und eigene Unternehmen ohne Ende subventioniert, hat er mit Druck Zugeständnisse erreicht. Diese Politik wird sich fortsetzen, so oder so. China wie Europa sollten sich nicht der Illusion hingeben, dass die nächste US-Regierung hier viel ändern wird. Investoren weltweit haben das erkannt – und halten sich mit Wetten auf ökonomische Folgen der US-Wahl weitgehend zurück.

Mehr zum Thema: Handelsdefizit, Verteidigungsausgaben, Nord Stream 2: Warum sich das Verhältnis der USA zu Deutschland nicht entspannen wird – egal, wer im Weißen Haus regiert.



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