
Auch Orden können eines Tages schwer wie Mühlsteine an einem hängen: Rex Tillerson, derzeit noch Chef des Ölkonzerns ExxonMobil, könnte es jetzt so gehen. 2013 erhielt er den "Orden der Freundschaft" aus der Hand des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Und seitdem gilt der 64-jährige als verdächtig, Land und Präsident ungebührlich nahe zu stehen. Vor allem für einen künftigen Außenminister der Vereinigten Staaten.
"Rex Tillerson als Außenminister würde Russland einen willigen Komplizen im Kabinett des US-Präsidenten sichern", twitterte der Senator von New Jersey, Bob Menendez, schon vor einigen Tagen. Menendez ist Demokrat und nicht Republikaner wie der künftige Präsident Donald Trump. Aber die Skepsis ist auch in dessen Lager groß: "Tillerson würde die Nation für das Öl von Sachalin und seinen Kumpel Wladimir verkaufen", warnte etwa via Twitter Mark Salter, Ex-Büroleiter des republikanischen Urgesteins John McCain. McCain ist Senator von Arizona und drückt sich selbst ein wenig zurückhaltender aus: "Ich habe Bedenken. Es ist gut bekannt, dass er enge Verbindungen zu Wladimir Putin hat", sagte er Reuters.
Auf den ersten Blick passt Tillerson gut in Trumps Ministerriege. Dort sind in erster Linie Multi-Millionäre oder Milliardäre zu finden. Tillerson ist seit rund zehn Jahren Chef von Exxon. Im vergangenen Jahr verdiente er dort 27 Millionen Dollar.





Der Texaner kann allerdings auch auf beachtliche Auslandserfahrungen verweisen: 1975 stieg er bei Exxon als Ingenieur ein, arbeitete sich schnell hoch und arbeitete für verschiedene der derzeit rund 50 Ländertöchter des Konzerns. Dies brachte ihn in Länder wie den Jemen, vor allem aber eben nach Russland. Dort war er in Gemeinschaftsunternehmen mit russischen Firmen aktiv wie beispielsweise dem russischen Staatskonzern Rosneft. So sollte um die russische Halbinsel Sachalin nahe der Arktis Öl gefördert werden. Die Umsetzung scheiterte an den Russland-Sanktionen des Westen im Zuge des Ukraine-Konflikts. Nicht verwunderlich, dass Tillerson Sanktionen generell als eher schädlich und unnütz einstufte. Exxon allein würden sie rund eine Milliarde Dollar kosten, hatte er geklagt.
Tillerson gilt aber auch als Vertreter eines freien Welthandels, für den er sich in vielen Reden einsetzte. So eindeutig trifft dies auf Trump nicht zu, der Freihandelsabkommen wiederholt kritisierte und mit deren Aufkündigung drohte. Auch wer glaubt, Tillerson würde als Chef eines Ölkonzerns den Klimaschutz in erster Linie als Geschäftshindernis werten, findet dafür kaum Belege. Er akzeptiert - anders als Trump - den Klimawandel ausdrücklich als menschengemacht und wertet ihn als echte Bedrohung. Um ihn zu bekämpfen, regte er unter anderem eine Kohlenstoffsteuer an.
Auch in einem anderen Punkt bricht der Vater von vier Kindern das Klischee des republikanischen Hardliners: Er engagiert sich jahrelang bei den "Boy Scouts", den Pfadfindern, und wurde schließlich Präsident des nationalen Verbandes. Dort setzte er durch, dass schwule Jungen in der Organisation akzeptiert werden sollen. Geschadet hat ihm bei Trump offenkundig auch nicht, dass er eng mit dessen Rivalen Jeb Bush zusammenarbeitete und ihn im Rennen um die Kandidatur für das Präsidentenamt unterstützte.
Problematischer könnten jetzt aber seine engen Kontakte nach Russland werden. Trump sagt zwar, er habe Verbindungen zu Führungspersönlichkeiten in der ganzen Welt. Die in Russland stehen ihm aber wohl besonders nahe: Igor Setschin etwa. Der Chef von Rosneft, enger Vertrauter Putins, gilt als zweitmächtigster Mann Russlands. Er bezeichnete Tillerson gar als Freund, mit dem er gerne mal die Highways der Vereinigten Staaten auf dem Motorrad durchqueren wolle. Und dass nun aus dem Kreml betont wird, wie gut angesehen Tillerson bei vielen russischen Politikern ist, dürfte dem CEO bei der anstehenden Anhörung im Senat eher schaden. Dort haben die Republikaner nur eine knappe Mehrheit. Sollten mehrere Senatoren aus dem eignen Lager seine Ernennung ablehnen, müsste die Suche nach einem Chefdiplomaten weiter gehen.