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Rohstoffe Arktische Jagd nach Gold und Diamanten

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Dabei ist die Ausgangslage im unwirtlichen Nordosten Kanadas deutlich schwieriger als zwischen deutschen Rübenfeldern und Doppelhaushälften. Denn vor allem die Inuit in der Region Nunavik („Land zum Leben“ in der Sprache der Einheimischen) an der Nordwestspitze Québecs haben schlechte Erfahrungen mit dem kanadischen Staat gemacht. 1953 waren einige von ihnen zwangsweise umgesiedelt worden, auf zwei bis dahin unbewohnte Inseln an der Nordwest-Passage. So wollte Kanada im Kalten Krieg seine Besitzrechte durchsetzen, die Inuit dienten dabei als Faustpfand. Erst Jahre später wurde die Rücksiedlung möglich. Auch bei etlichen Wasserkraftprojekten in der Region wurden die Ureinwohner eher abgespeist als beteiligt.

Dass Matthew Coon Come, der Vertreter des größte Indianerstammes in der Region, der Cree, sich bei der Vorstellung des Plans trotzdem strahlend an die Seite von Premier Charest gestellt hat, zeigt, dass hier etwas anders sein muss. Zum einen fließt viel Geld direkt in die Kassen der noch jungen Selbstverwaltung von Nunavik. Zudem konnte die Regierung glaubhaft versichern, dass die lokale Bevölkerung profitiert. Über die koordinierende „Société Plan Nord“ fließt zum einen ein dreistelliger Millionenbetrag in den Wohnungsbau, zum anderen entstehen Trainingszentren, in denen sich Einwohner für die Jobs in den Minen und an den Wasserkraftwerken qualifizieren können.

Hydro Québec

Auch in der Auseinandersetzung mit Umweltgruppen ist es nicht beim Zuhören geblieben. Die Landesregierung von Québec hat sich bereits verpflichtet, 15 Prozent der Planfläche nördlich des 49. Breitengrades zum absoluten Schutzgebiet zu erklären, für weitere 35 Prozent ist ein Verbot industrieller Nutzungen festgelegt, auch wenn der exakte Standort dieser Schutzflächen noch nicht festgelegt ist. Angesichts der gigantischen Größe des Erschließungsgebiets sollten diese Zusagen der Regierung nicht allzu schwergefallen sein, zudem könnte schon die Vernichtung von 50 Prozent der Waldflächen verheerende Folgen auf die Umwelt haben, speichern die borealen Nadelwälder doch einen bedeutenden Teil des welt-weiten CO2.

Dass die Umweltschützer sich dennoch schwertun, den Plan zu verdammen, liegt an den Planungen für Wasserkraftanlagen. Schon jetzt ist der staatliche Produzent Hydro Québec der größte Wasserkraftproduzent der Welt, durch neue Anlagen im borealen Forst und der sich anschließenden arktischen Tundra will er seine Kapazitäten weiter ausbauen, auch für Teile der angrenzenden USA könnte das zum einfachsten Weg zu sauberer Energie werden. Allein umgerechnet 33 Milliarden Euro der Planungssumme gehen in neue Kraftwerke, die bei 4500 Megawatt Leistung genau 0,0 Tonnen CO2 absondern werden. So klingt Klimarettung in Zahlen.

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