Schwarzgeld Die Doppelmoral der USA

Die Vereinigten Staaten werden zunehmend zur Oase für Schwarzgeld, beklagt der aktuelle Schattenfinanzindex des Tax Justice Network. Auch Deutschland wird von der Organisation stark kritisiert.

Von vielen Ländern fordern die USA Transparenz. Doch im eigenen Land wird diese nicht umgesetzt. Quelle: dpa

Die USA werden zu einem der führenden Umschlagplätze für Schwarzgeld. Das beklagt der am Montag veröffentlichte Schattenfinanzindex 2015 der NGO Tax Justice Network. Während die Finanztransparenz der meisten Länder sich generell verbessert hätte, brandmarkt die Studie die USA als Negativausreißer. Amerika stelle laut den Autoren der Studie eine „ernsthafte Bedrohung für aufkommende Transparenzinitiativen“ dar.

Finanzmarkt-Transparenz: Diese zehn Länder schneiden am schlechtesten ab

In der jährlich erscheinenden Rangliste der Länder mit der höchsten Finanzgeheimhaltung haben sich die USA im Vergleich zum Vorjahr um drei Plätze verschlechtert. Amerika rangiert nach der Schweiz und Hong Kong auf Platz drei der weltweit intransparentesten Finanzmärkte.

USA fordern Transparenz, setzen sie selbst aber nicht durch

Grund für die Verschlechterung der USA sei deren Verweigerung zur Teilnahme an internationalen Transparenzinitiativen. Das Tax Justice Network beklagt die „Doppelmoral“ Amerikas: So haben die USA laut den Studienautoren zwar international erfolgreich Transparenz anderer Ländern eingefordert. „Aber die USA scheitern dabei, Informationen in die andere Richtung zu liefern: Sie verweigern sich der direkten Teilnahme an globalen Transparenzinitiativen wie dem multilateralen Informationsaustausch und mobilisieren in unentschuldbarer Weise gegen öffentliche länderspezifische Unternehmensberichte“, sagt John Christensen, Exekutivdirektor des Tax Justice Network.

Der Europäischen Union attestiert die Studie eine Führungsrolle im Kampf gegen Schattenfinanzplätze. So seien in den meisten Ländern der EU Maßnahmen getroffen worden, um die Finanzgeheimhaltung einzudämmen. Dass die EU von einigen multinationalen Konzernen länderspezifische Finanzdaten verlangt, hebt die Studie ebenso hervor, wie das von der OECD eingeführte System des Automatischen Informationsaustausches und die Initiativen der EU, Briefkastenfirmen aufzubrechen.

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Deutschland belegt im Ranking des Tax Justice Network den achten Platz. Die Studie kritisiert Deutschland für seinen Widerstand gegen das Transparenzstreben der EU wie etwa dem öffentlichen Zugang zu länderspezifischen Unternehmensdaten. Markus Meinzer, Projektleiter des Schattenfinanzindex, sagt: „Deutschland ist der größte Störfaktor in der EU in Bezug auf öffentliche Finanztransparenz. Während Frankreich und andere EU-Staaten auf weitere greifbare Reformen drängen, widersetzt sich Deutschland vehement diesem Druck.“ 

Scharf kritisiert wird in dem Bericht zudem die Schweiz, die das Negativ-Ranking anführt. Grund für die negative Bewertung ist vor allem das intransparente Bankgeheimnis des Alpenlandes.

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