Terror gegen Israel: Furcht, Zorn und Absturz
Fotos von alten, weißhaarigen Damen in Sommerkleidern, die von schwarz gekleideten Terroristen abgeführt werden. Das Video der jungen Frau auf dem Rücksitz eines Motorrades, die ihren Entführer verzweifelt um ihr Leben anfleht. Aufnahmen von Müttern mit kleinen Kindern, mit Babys sogar, die von Männern mit Maschinenpistole über der Schulter verschleppt werden. Es sind Bilder voller Grausamkeit, die sich tief einbrennen in die nationale Psyche Israels.
Das Land steht unter Schock. Auch drei Tage nach Beginn der massiven Angriffe der Hamas werden noch weitere Details der Attacke bekannt, tauchen neue erschreckende Fotos auf, steigen die Opferzahlen. Über 800 Menschen sollen die Terroristen seit ihrem Überfall am Samstagmorgen ermordet haben, um die Hundert Menschen entführt, so der Stand am Montagabend – doch die Zahlen haben sich in den letzten Tagen immer weiter in die Höhe geschraubt.
Und die Befürchtung besteht, dass sie es weiterhin tun werden. Erst am Montagmorgen wurde bekannt, dass Einsatzkräfte auf dem Gelände eines Festivals in der Negevwüste, das die Hamas ebenfalls überfallen hatte, über 250 Leichen gefunden haben.
Israels 11. September
Israel ist ein Land, das Kämpfe, Anschläge und Opfer auf tragische Weise gewohnt ist. Doch etwas Vergleichbares wie diese Attacke hat es hier noch nicht gegeben. Selbst am schlimmsten Tag des Jom-Kippur-Krieges starben weniger Israelis als am ersten Tag des Angriffs. Schon jetzt gilt als sicher, dass dieser 7. Oktober 2023 zu Israels 11. September werden wird, zu einem nationalen Trauma, nach dem nichts mehr so ist wie zuvor.
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat einen langen Krieg angekündigt und das Ziel ausgegeben, die militärischen Kapazitäten der Hamas „zu zerstören“. Was das genau bedeutet – „nur“ eine drastische Schwächung der Organisation oder gar ihre Entmachtung in Gaza –, ist zu diesem Zeitpunkt nicht klar, ebenso wenig das geplante Vorhaben der israelischen Armee, die IDF. Viele erwarten eine großangelegte Bodenoffensive, die sich gewiss über Wochen hinziehen würde.
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Auch die Märkte, wie könnte es anders sein angesichts der Gewalt, reagieren auf die Katastrophe. Der Kurs des israelischen Schekels ist gegenüber dem Euro und dem Dollar deutlich abgesackt. Am Montagmorgen kündigte die israelische Zentralbank den Verkauf von ausländischen Reserven in einem Umfang von 30 Milliarden US-Milliarden an, um die Währung zu stabilisieren. Die wichtigsten Aktienindizes schlossen am Sonntag, einen Tag nach Beginn der Attacke, um knapp sieben Prozent niedriger, während der Kurs der israelischen Staatsanleihen um drei Prozent sank. Es sind die ersten ökonomischen Verarbeitungsversuche einer nationalen Tragödie.
Der Krieg dürfte die israelische Wirtschaft noch lange beeinträchtigen. Zumal diese seit Anfang des Jahres ohnehin schon unter dem innenpolitischen Konflikt um die geplante Justizreform gelitten hat. Die israelische Armee hat 300.000 Reservisten eingezogen, überwiegend junge Menschen, deren Abwesenheit in Städten wie Tel Aviv bereits deutlich spürbar ist: Einige Restaurants mussten eigenen Angaben zufolge schließen, weil es ihnen plötzlich an Mitarbeitern fehlt. Andere Firmen dürften noch folgen in einem Land mit weniger als zehn Millionen Einwohnern insgesamt.
15 Sekunden bis zum Einschlag
Viele weitere Geschäfte, Fitnessstudios und andere Einrichtungen sind bereits geschlossen, auch damit Mitarbeiter und Kunden nicht mehr als nötig auf die Straße gehen müssen. Denn derzeit kann es jederzeit wieder zu Raketenalarm kommen – der den Menschen im Zentrum des Landes eine Minute Zeit lässt, um sich in Sicherheit zu bringen. In Dörfern nahe des Gazastreifens sind es gerade einmal fünfzehn Sekunden.
Doch zur Wahrheit gehört auch: Wirtschaftliche Fragen spielen in dem Land derzeit keine bestimmende Rolle – angesichts der Katastrophe, die für viele hier noch immer unfassbar ist, dürfte das noch lange so bleiben.
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