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Trumps Pressesprecher Fünf Lügen in fünf Minuten

Fünf Mal in fünf Minuten hat Trumps Sprecher Sean Spicer nachweislich gelogen. Ist das die Kommunikationsstrategie des Weißen Hauses unter Donald Trump? Die Wahrheit könnte zum Verlierer werden.

Der Pressesprecher im Weißen Haus, Sean Spicer (l). Quelle: dpa

Donald Trumps Amtsantritt in Washington ist das, was man holprig nennen darf. In den ersten 72 Stunden im Amt hat der selbsternannte Dealmaker nicht allzu viel auf die Reihe bekommen. Dafür ging jede Menge schief. Seine künftige Bildungsministerin Betsy De Vos zum Beispiel hat in einer vierzeiligen Twitter-Notiz vier Fehler in Sachen Grammatik und Rechtschreibung gemacht. Das war vielleicht nicht so schlimm - schließlich soll ja alles erst noch besser werden. Sein Sprecher Sean Spicer hat in einer seiner ersten Pressekonferenzen in fünf Minuten fünf Mal nachweislich gelogen. Das war schlimm.

So schlimm, dass es in der ganzen Welt für Kopfschütteln sorgte. So schlimm, dass Trump seine Frontfrau Kellyanne Conway umgehend in den Ring schicken musste, um Schadensbegrenzung zu betreiben. Conway, bisher eine im Trump-Konvoi, auf die sich der Präsident verlassen konnte, benutzte dann im Interview mit dem Sender NBC ein Wort, das aufhorchen ließ: „Alternative Fakten.“ Das Weiße Haus habe Fakten, die den Fakten widersprächen. Keine geringere Stelle als das Weiße Haus hat der Diskussion um Fakenews - Falschnachrichten - neue Nahrung gegeben.

„Alternative Fakten, das ist ein anderes Wort für Lügen“, sagte dazu der Rechtsprofessor Richard Painter von der University of Minnesota. „Wir haben eine Regierung, die uns anlügt“, betont er. Tatsächlich: Spicers Vergleiche der Zahlen der Washingtoner U-Bahn nutzten unzulässig unterschiedliche Uhrzeiten. Er verglich die 11.00- Uhr-Zahlen von 2009 mit den Ganztagszahlen von 2017.

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Er behauptete zudem, es habe erstmals weiße Planen auf dem Grasboden der National Mall gegeben, was den Eindruck der Besucherzahl beeinflusst habe. Doch das stimmte so nicht: Schon 2013 bei Barack Obamas zweiter Vereidigung gab es die Planen. Ganz sicher war es nicht die größte Zuschauermenge, die in Washington jemals eine Vereidigung sah - auch nicht die zweitgrößte.

Manche sahen in den bizarren Auftritt von Spicer und Conway, die mit Lügen und Halbwahrheiten für die vergleichsweise vernachlässigbare Frage von Zuschauerzahlen in die Bütt mussten, eine persönliche Loyalitätsprüfung. Ari Fleischer deutete so etwas an, ehemaliger Sprecher von George W. Bush. Würden sie für ihren Chef lügen?

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Andere sehen darin eine viel grundsätzlichere Fragestellung. Wie verlässlich ist das Weiße Haus? Ist die Regierung des mächtigsten Landes und der größten Demokratie der Welt noch eine stabile Quelle für Nachrichten, als die sie bisher bei aller angebrachten Vorsicht allenthalben gehalten wurde? Oder steht das Weiße Haus, was die Verlässlichkeit seiner Nachrichtengebung angeht, künftig auf einer Stufe mit dem Kreml oder mit dem Ankara Recep Tayyip Erdogans?

„Wenn jetzt privilegierte Quellen, also hier der Staat in den USA, Falschmeldungen herausgibt und die dann auch noch seltsamerweise rechtfertigt, dann kann einem angst und bange werden“, sagte der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes, Frank Überall, dem SWR. „Es gibt Fakten, die man überprüfen kann, man kann sie verifizieren“, sagt der Vorsitzende der Gesellschaft für Deutsche Sprache, Peter Schlobinski. Der Begriff sei deshalb schon eigentümlich.

Der Künstler Tim O'Brien kreierte auf die Schnelle ein Cover des „Little Golden Book of Alternate Facts“, das „kleine goldene Buch der alternativen Fakten“. Auf dem Titel wird ein Vogel als Schmetterling bezeichnet, Weintrauben als Murmeln und ein Stuhl als Tisch. Auswüchse wirrer Konstrutivismus-Theoretiker? Oder die schöne neue Welt der US-Regierung unter Präsident Donald Trump?

Doch Spicer verband seine Falschmeldungen auch mit einem weiteren Generalangriff auf die traditionellen Medien. Er drohte mit Konsequenzen, sollte die angebliche Benachteiligung Trumps nicht aufhören. Das deutet darauf hin, dass die Lügenspirale ein Teil einer größer angelegten Kommunikationsstrategie Trumps sein könnte. Es geht darum, Deutungshoheit zu erlangen. Wenn dabei Fakten stören, braucht man Alternativen.

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