Ukraine-Konflikt Fast 120.000 Menschen aus der Ukraine geflohen

Allein in Polen suchen bereits mehr als 100.000 Menschen Zuflucht. Das Land hat seine Grenzen geöffnet und einen Sanitätszug entsandt, der Verletzte nach Warschau bringen soll.

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Menschen versuchen einen Bus zu besteigen, der sie aus Kiew bringen soll. Quelle: dpa

Seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine am Donnerstag sind nach UN-Angaben fast 120.000 Menschen in Nachbarländer geflohen. Eine Sprecherin des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR), Shabia Mantoo, sagte, fast 116.000 Menschen hätten inzwischen eine internationale Grenze überschritten, aber die Lage ändere sich stündlich. Nach Angaben der Regierung in Warschau vom Samstag gelangten binnen 48 Stunden mehr als 100.000 Ukrainer allein nach Polen.

Polen hat erklärt, seine Grenzen seien für flüchtende Ukrainer geöffnet, auch für solche ohne offizielle Papiere. Das Land habe einen Sanitätszug entsandt, der Kriegsverletzte aus Mostyska im Westen der Ukraine abholen und zur Behandlung nach Warschau bringen solle, erklärte ein Regierungsvertreter am Samstag. Der Zug startete in der Grenzstadt Przemysl, vier seiner Waggons enthielten humanitäre Hilfe für den ukrainischen Bezirk Lwiw.

Auf der polnischen Seite der Grenze kamen vor allem Frauen, Kinder und ältere Menschen an. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte Männern im wehrfähigen Alter am Donnerstag das Verlassen des Landes verboten. Einige Männer überquerten die Grenze aber in Richtung Ukraine, um in ihrer Heimat gegen die russischen Angreifer zu kämpfen.

Die stellvertretende UN-Hochkommissarin für Flüchtlinge, Kelly Clements, sagte am Samstag in einem Interview des US-Fernsehsenders CNN, die Flüchtenden würden von örtlichen Gemeinden und Behörden fantastisch aufgenommen.

Das UNHCR habe aber große Sorge vor dem, was noch kommen werde. Die UN-Behörde erwartet, dass bis zu vier Millionen Menschen aus der Ukraine flüchten könnten, sollte sich die Lage weiter verschlechtern.

Die meisten Flüchtlinge suchen in Polen und Moldau Zuflucht, andere reisen nach Rumänien, in die Slowakei oder nach Ungarn aus. Am polnisch-ukrainischen Grenzübergang Medyka bildete sich eine 15 Kilometer weit zurückreichende Fahrzeugschlange, wie der Sender TVN24 unter Berufung auf Augenzeugen berichtete.

Mehr dazu: Warum greift Russland die Ukraine an? Die Chronologie der Ereignisse

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