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Unitree Robotics G1Wie China das Rennen um humanoide Roboter gewinnen will

Humanoide Roboter sollen bald zum Massenmarkt werden. Neben westlichen Unternehmen bringt sich auch China in Stellung. Besonders für Aufsehen sorgt derzeit ein schießender Robo-Hund.Jörn Petring 07.06.2024 - 08:18 Uhr

Ein Roboterhund, der mit einem Maschinengewehr ausgerüstet ist, wird während der chinesisch-kambodschanischen Militärübung Golden Dragon getestet.

Foto: Heng Sinith/AP/dpa

Chinas Militär hat ein neues Mitglied auf vier Beinen: Die sozialen Medien sind voll mit Videos von einem Roboter-Hund, der auf seinem Rücken ein Gewehr montiert hat und damit durch die Gegend schießt. Damit das alles nicht zu martialisch wirkt, wird in einigen Clips auch die verschmuste Seite des Robo-Helfers gezeigt. Er kann nicht nur töten, sondern auch Männchen machen und Pfötchen geben.

Die Volksbefreiungsarmee dürfte künftig nur einer von vielen Kunden für Roboter „Made in China“ sein. Nicht nur Robo-Hunde, sondern vor allem humanoide, also menschenähnliche Roboter, sollen zum nächsten großen Markt in China werden.

Erst Ende April wurde in Peking auf einer Veranstaltung „Tiangong“ vorgestellt. Der Roboter bewegt sich auf zwei Beinen mit sechs Kilometern pro Stunde. Mit einer Größe von 1,63 Metern und einem Gewicht von nur 43 Kilogramm hat er „ein schlankes und effizientes Design“, sagen seine Entwickler.

Der G1 des chinesischen Unternehmens Unitree Robotics.

Foto: Screenshot

Kurz darauf folgte das nächste spektakuläre Video. Das Shenzhener Unternehmen Unitree Robotics zeigte darin die Fähigkeiten seines G1. Der Roboter ist faszinierend und unheimlich zugleich. Zu sehen war, wie der G1 nach Schlägen und Stößen auf den Beinen bleibt und sich immer wieder neu ausrichtet, was ihn widerstandsfähig und robust erscheinen lässt. Schließlich faltet er seine Beine und Hände so kompakt zusammen, dass er sich einfach davontragen lässt.

Diese Präsentationen unterstreichen: Das Rennen um die Markteinführung humanoider Roboter nimmt Fahrt auf. Chinesische Unternehmen wollen eine große Rolle spielen. Doch die Konkurrenz im Westen ist beachtlich. Bereits zwei Wochen bevor die Chinesen Tiangong vorstellten, machte der US-Roboterhersteller Boston Dynamics, der mittlerweile zum japanischen Hyundai-Konzern gehört, Schlagzeilen mit der Vorstellung einer vollelektrischen Version seines berühmten Atlas-Roboters.

Für den Kampfeinsatz kann eine Waffe auf dem G1 angebracht werden.

Foto: Screenshot

Auch andere westliche Firmen haben ambitionierte Pläne. Tesla will seinen Roboter Optimus bereits Ende 2024 in den eigenen Fabriken einsetzen. Bis Ende 2025 soll er für den Verkauf an externe Kunden verfügbar sein.

Erst im vergangenen November gab Chinas Ministerium für Industrie und Informationstechnologie neue Richtlinien zur Entwicklung humanoider Roboter heraus. Die Regierung sieht in diesen Robotern die nächste große Innovation, bei der chinesische Unternehmen zu Weltmarktführern aufsteigen sollen. Bis 2027 strebt das Ministerium an, humanoide Roboter zu entwickeln, die denken, lernen und innovativ sein können. Gleichzeitig soll ein zuverlässiges industrielles Lieferkettensystem aufgebaut werden.

Zwei bis drei weltweit führender Roboter-Produzenten sollen entstehen, sowie ein Cluster kleiner und mittlerer Unternehmen für spezialisierter Roboter-Anwendungen geschaffen werden.

China geht auch bei Robotern mit knallharter Industriepolitik vor. Milliarden-Subventionen könnten also auch in diesem Bereich für neue Überkapazitäten sorgen. Durch diese Subventionen wird es chinesischen Unternehmen ermöglicht, aggressiv in Forschung und Entwicklung zu investieren und ihre Produktion auszubauen. Dies könnte langfristig dazu führen, dass chinesische Roboterhersteller eine dominierende Stellung auf dem globalen Markt einnehmen, ähnlich wie es bereits in anderen Industriezweigen der Fall ist.

Schneller schlau: Die Robotergesetze
Isaac Asimov (1920-1992), der zu den wichtigsten Science-Fiction-Schriftstellern der Literaturgeschichte gehört, hat mehrere Robotergesetze entworfen. Drei beschrieb der amerikanische Autor („Ich, der Robot“) russischer Herkunft erstmals 1942.
„Ein Roboter darf Menschen nicht verletzen oder durch Untätigkeit dulden, dass Menschen zu Schaden kommen.“
„Ein Roboter hat allen Anweisungen von Menschen zu gehorchen, außer er gerät dadurch mit dem ersten Gesetz in Konflikt.“
„Ein Roboter muss sich selbst schützen, außer er gerät dadurch mit dem ersten oder dem zweiten Gesetz in Konflikt.“
Später fügte Asimov noch das „Nullte Gesetz“ hinzu. Es lautet: „Ein Roboter darf der Menschheit keinen Schaden zufügen oder durch Untätigkeit dulden, dass die Menschheit zu Schaden kommt.“

Die Richtlinien umfassen auch mögliche Bereiche, in denen die Roboter eingesetzt werden können. Sie nennt konkret die Automobilproduktion, Gesundheitswesen, Dienstleistungen, Landwirtschaft, Logistik und speziellen Industrieumgebungen, in denen Menschen derzeit gefährliche Aufgaben in rauen Bedingungen übernehmen.

Chinesische Experten sind sich jedoch bewusst, dass eine schwere Aufgabe vor den chinesischen Unternehmen liegt. Vor allem bei Chips und Software sind noch Verbesserungen notwendig, um zu den USA aufzuholen, konstatierte kürzlich die chinesische Parteizeitung „Global Times“.

Gleichzeitig bezeichnete das Blatt humanoide Roboter als Teil der „hochwertigen Produktivkräfte“. Der von Staats- und Parteichef Xi Jinping geprägte Begriff ist in letzter Zeit zu einem geflügelten Wort geworden. Es geht darum, die wirtschaftliche Entwicklung Chinas durch technologische Innovationen voranzutreiben. Die Regierung will die industrielle Basis des Landes modernisieren. Das soll nicht nur durch die Produktion von Solarmodulen und E-Autos gelingen, sondern künftig eben auch durch humanoide Roboter.

Lesen Sie auch: Roboterhunde – der will nicht nur spielen

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