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Verkauf von US-Anleihen So könnte China die USA noch bestrafen

Welche Karten kann China ausspielen? Quelle: REUTERS

Wein, Schwein, Aluminium - China droht den USA mit Zöllen auf Waren im Wert von drei Milliarden Dollar. Doch das ist nicht das einzige Mittel, mit dem China zurückschlagen könnte.

Der Handelsstreit zwischen den USA und China droht durch weitere Strafzölle der USA gegen chinesische Importe eine neue Eskalationsstufe zu erreichen. Daher stellt sich die Frage, mit welchen Mitteln die Chinesen wohl zurückschlagen. Eine Waffe neben den angekündigten eigenen Strafzöllen auf US-Waren könnten die amerikanischen Staatsanleihen sein, die sich im Besitz Chinas befinden.

In den vergangenen Jahren haben die Chinesen einen großen Teil ihrer Ersparnisse in den Kauf amerikanischer Staatsanleihen gesteckt. Ihr Bestand hat sich von rund 400 Milliarden Dollar im Jahr 2017 auf nunmehr knapp 1200 Milliarden Dollar nahezu verdreifacht. Mit dem Kapitalzufluss aus Fernost haben die Amerikaner das Defizit in ihrer Leistungsbilanz finanziert. Amerika und China befinden sich gewissermaßen in einer symbiotischen Verbindung: Die Chinesen nutzen die USA als vergleichsweise sichere Spardose, die Amerikaner wiederum finanzieren mit dem Kredit aus Fernost ihren Importhunger.

Manche Beobachter fürchten nun, die Chinesen könnten als Vergeltung für die Trump'schen Strafzölle die Kreditbeziehung zu Amerika aufkündigen und ihre US-Staatsanleihen auf den Markt werfen. Das könnte Zweifel daran nähren, ob die Trump-Administration noch in der Lage ist, ihre wachsende Neuverschuldung zu finanzieren.

Zwei Aspekte sprechen jedoch gegen eine solche Strafaktion Chinas. Erstens schösse sich Peking ins eigene Bein. Denn umfangreiche Verkäufe von US-Anleihen drückten deren Kurse stark nach unten und schmälerten so den Wert des restlichen Portfolios an US-Staatsanleihen in Händen Pekings. Zweitens ist die Bedeutung Chinas als Finanzier des amerikanischen Staatshaushalts trotz der Verdreifachung des Anleihebestands in den vergangenen Jahren gesunken. Denn andere Investoren haben ihre Bestände noch stärker ausgeweitet, allen voran die US-Notenbank Fed, die im Rahmen ihrer Krisenstrategie nach der Lehman-Pleite in großem Stil US-Staatsanleihen erworben hat.

Auch Japan hat seine Bestände an US-Staatsanleihen aufgestockt. Auf China entfielen daher Ende vergangenen Jahres nur noch 9,4 Prozent aller US-Staatsanleihen. Im Jahr 2009 hatte der Anteil Chinas noch bei 20 Prozent gelegen. Fazit: Ein Verkauf amerikanischer Staatsanleihen schadete China mehr als den USA.

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