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Bernd Raffelhüschen„Scholz tritt die Agenda 2010 mit Füßen“

Finanzminister Olaf Scholz will das Rentenniveau bis 2040 garantieren – und damit 15 Jahre länger als im Koalitionsvertrag vereinbart. Rentenexperte Bernd Raffelhüschen zeigt sich wenig begeistert.Marius Wolf 20.08.2018 - 15:32 Uhr

Bernd Raffelhüschen ist Wirtschaftsprofessor in Bergen und Freiburg. Der 60-Jährige ist Experte für Finanzen und Sozialpolitik und war bereits als Berater für die europäische Kommission und das Sozialministerium Baden-Württemberg tätig.

Foto: imago images

Herr Raffelhüschen, was halten Sie von dem Vorschlag der SPD?
Um es ganz deutlich zu sagen: Gar nichts. Das würde schlichtweg alles umkehren, was wir bisher in der Rentenpolitik gemacht haben. Tatsache ist ja: Wenn wir das Rentenniveau stabil halten wollen, müssen die Beiträge um 30 Prozent steigen. Wenn sie das nicht tun, steigen eben die Steuern exorbitant. Auf ein Niveau, das nicht mehr akzeptabel sein wird. Die Steuer- und Beitragszahler von morgen sind ja die jungen Menschen – und die sind so wenige, dass sich das Rentenniveau eigentlich nach unten anpassen müsste. Stattdessen sollen die jungen Leute für das zahlen, was die alten verursacht haben.

Was verbirgt sich eigentlich hinter dem Begriff „Rentenniveau“?
Meistens meinen wir das so genannte Bruttorentenniveau. Da wird die durchschnittliche Bruttorente von allen Menschen mit dem durchschnittlichen Bruttoentgelt verglichen.

Wenn es nicht gelingt, das Rentenniveau zu stabilisieren – droht dann Altersarmut?
Die so genannte „Altersarmut“ gibt es eigentlich gar nicht.

Was verbirgt sich hinter den Begriffen?
Unter Bruttoentgelt versteht man die Bezüge aller Arbeiternehmerinnen und Arbeitnehmer vor Steuern und Abgaben.
Der Begriff Bruttorente meint die Rente vor Steuern und Sozialbeiträgen.

Wie meinen Sie das?
Die Wahrscheinlichkeit, im Alter arm zu sein, liegt bei drei Prozent - bei Kindern ist sie viermal so hoch.

Was sollten junge Menschen ihrer Meinung nach tun, um den Lebensstandard im Alter sichern zu können?
Es geht nicht um die jungen Menschen. Es geht um die „Baby-Boomer“ – also diejenigen, die heute 40, 50 oder 60 sind. Die müssen sich ganz klar machen, dass sie verantwortlich dafür sind, dass es in Zukunft zu wenig Beitragszahler geben wird. Deshalb haben wir ja auch mit der Agenda 2010 von Gerhard Schröder beschlossen, dass die Beiträge konstant bleiben sollen und das Rentenniveau sich der Zahl der Beitragszahler anpassen soll. Das war der Beschluss von Schröder – Scholz macht jetzt das genaue Gegenteil: Er tritt die Agenda 2010 mit Füßen.

Stabilisierung des Rentenniveaus

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Sollten junge Menschen heute dann vermehrt privat vorsorgen?
Fakt ist: Die Rente der Zukunft ist keine Lebensstandardsicherung. Daher sollte jeder privat und betrieblich Altersvorsorge leisten. Das war aber schon immer so.
Ist die Kürzung des Rentenniveaus durch die hohe Zuwanderung und die gestiegene Geburtenrate nicht überflüssig geworden?
Überhaupt nicht. Die Zuwanderung wird wahrscheinlich eine Zuwanderung in die soziale Sicherung sein. Die Erhöhung der Geburtenrate ist eher marginal – die bedeutet im Grunde genommen nichts.

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