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Betriebsärztin zu Coronavirus Was in China tätige Unternehmen jetzt tun sollten

Dr. Anette Wahl-Wachendorf ist Vizepräsidentin des Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte. Quelle: Guido Kollmeier

Deutschlands oberste Betriebsärztin Anette Wahl-Wachendorf über Geschäftsreisen und Hygienemaßnahmen international tätiger Unternehmen – und was jetzt im Fall des Coronavirus richtige Handlungsweisen sind.

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Arbeitsmedizinerin Dr. Anette Wahl-Wachendorf ist als Vizepräsidentin des Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte so etwas wie Deutschlands oberste Betriebsärztin.

WirtschaftsWoche: Frau Wahl-Wachendorf, Beschäftigte eines bayerischen Autozulieferers sind nach dem Kontakt mit einer chinesischen Kollegin am neuen Corona-Virus erkrankt. Jetzt ist der Betrieb zunächst geschlossen und mehrere Beschäftigte werden vorsorglich auf das Virus getestet. Ist das angemessen?

Anette Wahl-Wachendorf: Wenn sich Mitarbeiter einer Firma untereinander angesteckt haben, sollte diese alles tun, um zu zeigen, dass die Mitarbeiter wichtig sind. Da mag vielleicht das Eine oder Andere überreagiert sein und medizinisch nicht unbedingt notwendig. Aber in so einer Situation zählt auch, dass man menschlich und sozial angemessen reagiert. Es sollte nicht der Eindruck entstehen, dass das Unternehmen schuld ist, wenn es einem schlecht geht. Also lieber vorsichtig sein.

Welche Verhaltensregeln sollten in China tätige Unternehmen ihren Beschäftigten zurzeit mitgeben?

Unternehmen sollten erst einmal klären, ob Reisen von und nach China oder in benachbarte Länder wie Thailand zurzeit zwingend erforderlich sind. Ist das nicht der Fall, sollte man sie eher verschieben und in der Zwischenzeit auf Videokonferenzen oder Skype ausweichen.

Wenn Geschäftsreisende bereits in China sind, sollten sie dann sofort zurück?

Man muss auf keinen Fall panisch reagieren. Eine direkte Rückreise kommt aber für die in Betracht, die eben chronisch krank sind oder immungeschwächt.

Was würden Sie als Betriebsärztin Beschäftigten vor einer doch nötigen Reise raten?

Betriebsärzte klären in dem Fall vor allem ab, ob jemand chronisch krank ist oder ein geschwächtes Immunsystem hat. Diese Menschen sind besonders gefährdet. Es ist aber zu Recht im Unternehmen oft nicht bekannt, dass jemand eine solche Einschränkung hat.

Was sollten die Reisenden vor Ort beachten?

Das Wichtigste ist die Hygiene. Man sollte oft die Hände waschen und Desinfektionsmittel bei sich haben. Nach einer Berührung sollte man sich die Hände sofort desinfizieren. Große Veranstaltungen wie im Theater sollte man meiden, ebenso Menschenansammlungen. Also auch die U-Bahn oder den Bus, wo Menschen dicht beieinanderstehen. Es ist egal, ob jemand hustet oder schnupft, auch beim Ausatmen kann es zur Übertragung kommen. Geschäftspartner kann man treffen, sollte aber nicht die Hände schütteln.

Was raten Sie Unternehmen, die Beschäftigte hier und in China haben und diese sich auch an beiden Orten miteinander austauschen?

Deutsche Unternehmen mit Reisenden in China und den Nachbarländern sollten mit den Gesundheitsbehörden hier und im jeweiligen Land in Kontakt bleiben.

Ist das Vorgehen der chinesischen Gesundheitsbehörden für Sie denn transparent und nachvollziehbar?

Immerhin wurde die Gensequenz des neuen Corona-Virus bekanntgemacht. Dadurch besteht Transparenz und zumindest Stand heute lässt sich sagen, dass dieser Erreger nicht so aggressiv ist wie die Grippe. Wir sind halt etwas gebrannt von der Erfahrung vor Jahren mit dem SARS-Virus. Da wurde viel unter dem Deckel gehalten.

Bringt denn ein Mundschutz etwas, den nun viele Menschen auch in Deutschland kaufen?

Dieser Mundschutz bringt etwas, weil die Tröpfcheninfektion ja über Mund und Nase übertragen wird. Wenn der Schutz aber nicht korrekt getragen wird, können Erreger seitlich eindringen. Je nachdem, wie viel man spricht und wie feucht der Mundschutz wird, sollte man ihn mindestens zwei bis dreimal täglich wechseln.

Wie lange dauert es denn zwischen Ansteckung und Ausbruch der neuen Lungenerkrankung?

Das dauert zwei bis sechs Tage, ähnlich wie bei der Grippe.

Sie waren am Wochenende noch selbst privat in Bangkok. Wie haben Sie sich am Flughafen und im Flieger geschützt?

Etwa die Hälfte der Leute am Flughafen trug Mundschutz. Ich auch und ich habe mir gut die Hände gewaschen. Auf dem Flug habe ich ihn dann nicht mehr angehabt, obwohl ich Economy geflogen bin. Neben mir saß nur mein Mann. Er und der nächste andere Nachbar trugen den Schutz.

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