Bundespräsidentenwahl Entscheidung über Gauck-Nachfolge erneut verschoben

Die Union und die SPD haben sich noch nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten für die Bundespräsidentenwahl geeinigt. Das Spitzengespräch wurde nach 50 Minuten bereits beendet. Am Montag soll eine Entscheidung fallen.

SPD-Chef Sigmar Gabriel, Kanzlerin Angela Merkel und CSU-Chef Horst Seehofer haben sich noch nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten geeinigt. Quelle: dpa

Union und SPD ringen weiter um einen gemeinsamen Kandidaten für die Bundespräsidentenwahl. Die Entscheidung soll nun am Montag fallen, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur nach einem Gespräch von Kanzlerin Angela Merkel (CDU), CSU-Chef Horst Seehofer und dem SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel am Sonntag in Berlin.

Eine Einigung sei noch möglich, obwohl das Dreier-Spitzengespräch am Sonntagnachmittag im Kanzleramt nach 50 Minuten zu Ende war, hieß es. CDU und CSU würden am Montag ihre Spitzengremien telefonisch informieren.

Dabei solle erneut darüber beraten werden, ob die Union Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) als Nachfolger von Joachim Gauck mittragen würde. Gabriel habe an ihm als Kandidat für die Bundespräsidentenwahl am 12. Februar auch in dem Gespräch am Sonntag festgehalten, hieß es.

Wer zieht ins Schloss Bellevue?
Frank-Walter Steinmeier (60)Der Bundesaußenminister siegte in allen Umfragen und war der Top-Favorit für das Amt. Jetzt soll er als gemeinsamer Kandidat ins Rennen geschickt werden. Quelle: DPA
Wolfgang Huber (74)Der ehemalige Ratsvorsitzende der evangelische Kirche in Deutschland zählt schon seit einigen Jahren zum Kandidatenkreis. Damit wäre er nach dem ehemaligen DDR-Pastor Gauck der nächste evangelische Geistliche. Sein Fokus liegt auf Zusammenhalt und Versöhnung. Quelle: DPA
Volker Bouffier (64)Der hessische CDU-Regierungschef führt ohne großes Getöse die schwarz-grüne Koalition in Wiesbaden. Dementsprechend hoch ist sein Ansehen bei den Grünen. Quelle: DPA
Annegret Kramp-Karrenbauer (54)Die saarländische CDU-Ministerpräsidentin versteht sich mit den Grünen und hat ein modernes Image. Da allerdings im März 2017 in Saarland gewählt wird, könnte es sein, dass sie auf einen möglichen Einzug ins Schloss Bellevue verzichtet. Quelle: DPA
Frank-Jürgen Weise (65)Er ist Offizier und Doppelchef bei der Bundesagentur für Arbeit sowie beim Flüchtlingsbundesamt BAMF. Mit Einstellung könnte er auch bei einigen Grünen und Liberalen punkten. Quelle: DPA
Petra Roth (72)Bis 2012 war die die Christdemokratin Oberbürgermeisterin von Frankfurt. Nachdem der „Stern“ sie auf das Bundespräsidentenamt angesprochen hatte, sagte sie: „Man müsste erst mal an mich herantreten, dann gebe ich auch eine Antwort.“ Quelle: DPA
Kathrin Göring-Eckardt (50)Die Grünen-Politikerin möchte nicht ins Schloss Bellevue. Sie will sich lieber auf den Wahlkampf konzentrieren. Quelle: DPA
Winfried Kretschmann (68)Bisher hat der Grünen-Politiker noch kein konkretes Angebot von der Kanzlerin erhalten. Sein Name steht dennoch auf der informellen Kandidatenliste. Für die Union wäre er ein starkes Signal für eine schwarz-grüne Koalition. Quelle: DPA
Monika Grütters (54)Die CDU-Politikerin und Kulturstaatsministerin genießt Merkels vollstes Vertrauen. Allerdings ist ihr Bekanntheitsgrad im Vergleich zu den anderen Kandidaten eher gering. Quelle: DPA
Ursula von der Leyen (58)Die Vize-CDU-Chefin hat bereits deutlich gemacht, dass sie für die Wahl nicht zur Verfügung steht. Quelle: dpa
Wolfgang SchäubleDer Finanzminister hat nicht gerade viele Freunde bei den Grünen und der FDP. Er neigt zum Polarisieren und fühlt sich wohl in seinem derzeitigen Amt. Ob er als Nachfolger für Joachim Gauck antritt, bleibt offen. Quelle: AP
Andreas Vosskuhle (52)Der Präsident des Bundesverfassungsgerichts galt bereits 2012 als Favorit für das Amt des Bundespräsidenten. Allerdings lehnte er eine Kandidatur ab. Auch in diesem Jahr sagte er, dass er aus persönlichen Gründen nicht kandidieren will. Quelle: DPA

So gebe es weiterhin diese drei Möglichkeiten: Steinmeier wird gemeinsamer Kandidat. Oder Union und SPD stellen gemeinsam einen anderen Kandidaten auf – das gilt allerdings als unwahrscheinlich. Oder es kommt zur Kampfkandidatur zwischen Steinmeier und einem Bewerber der Union. Die CSU pochte erneut auf einen eigenen Unionskandidaten, schließt eine Unterstützung für Steinmeier aber nicht aus. Einen Grünenkandidaten will sie nicht akzeptieren.

Bei einer Kampfkandidatur fällt die Entscheidung vermutlich erst im dritten Wahlgang, wenn nur noch die einfache Mehrheit nötig ist. Hier werden dem in der Bevölkerung beliebten Steinmeier große Chancen nachgesagt, falls die Union keinen Kandidaten seines Kalibers ins Rennen schickt. Die Linke will einen eigenen Kandidaten benennen.

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