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Alice Weidel Die AfD-Frontfrau mit einer Vorliebe für Döner

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Provokativer Doktorvater

Wer mehr über das neue Gesicht der AfD erfahren will, muss ins Unistädtchen Bayreuth fahren. Hier hat Weidel Volkswirtschaftslehre und Betriebswirtschaftslehre studiert. Sie ist eine von rund 150 jungen Wirtschaftswissenschaftlern, die sich 2004 mit einem Gruppenfoto auf einer teuren ganzseitigen Anzeige in der ehrwürdigen Frankfurter Allgemeinen Zeitung verewigten. Bayreuther Ökonomen hielten ihre beschauliche Uni schon immer für etwas Besonderes – und das zeigen sie gern. Der Blick auf Weidels akademischen Werdegang zeigt das Bild einer zielstrebigen jungen Frau, die wenig Scheu vor Konkurrenzkampf und sozialer Auslese erkennen lässt.

Weidels Kür zur Spitzenkandidatin der globalisierungs- und einwanderungskritischen AfD soll der Partei einen liberalen und modernen Anstrich geben. Die 38-Jährige lebt in Partnerschaft mit einer aus Sri Lanka stammenden Frau, was für Weltoffenheit und einen freien Lebensentwurf steht. Der öffentlichkeitswirksame Aufstieg an die Parteispitze hat Weidel zur aktuell prominentesten Absolventin ihres Unijahrgangs gemacht. Manche Kommilitonen von damals begrüßen das. Die Prominenz zahle ein auf die Marke Bayreuth, glauben sie. Andere fragen sich, warum Weidel nach ihrer international und marktwirtschaftlich geprägten Ausbildung nun ausgerechnet für eine nationale Partei wirbt. Wenn Weidel das wirtschaftspolitische Programm der AfD prägen will, kann das daher wohl nicht ohne Widersprüche zu ihrer akademischen Ausbildung funktionieren. Denn die Bayreuther Ökonomie ist bekannt für ihren Hang zu freien Märkten und schmäht Handelshemmnisse wie geschlossene Grenzen oder Zölle.

Eliteuni in der Pampa

„Ökonomen Bayreuther Prägung“ will die kleine Hochschule schon zu Weidels Studienzeiten schmieden. Das heißt: Elitedenken und breites Methodenwissen statt vermeintlicher Standardkompetenzen und Massenunis. Volkswirte und Diplom-Kaufleute aus Bayreuth pflegen diesen Ruf gern. Jeder verschworene Examensjahrgang tickt ähnlich wie eine überdimensionierte Schulklasse: Lernmarathon und nächtliche Eskapaden inklusive.

Weidel zählt während ihrer Studienzeit zu den Überfliegern. Ihr blendendes Aussehen und das selbstbewusste Auftreten verschaffen ihr aber auch im gesamten Jahrgang Ansehen. Die kleinstädtische Welt der Bayreuther Wirtschaftsstudenten ähnelt einer überdimensionierten Schulklasse. Nicht jeder ist mit jedem gleich eng befreundet, aber jeder trägt hier gedanklich die Steckbriefe seiner Jahrgangskollegen in der Tasche: Spezialfach, Notenspiegel, Hobbies, Partner.

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    Weidels Doktorvater, der 2015 verstorbene Gesundheitsökonom Peter Oberender, ist einer der charismatischsten unter den Bayreuther Wissenschaftlern und einer, der ganz besonders engagiert ist, wenn es darum geht, den jungen „Ökonomen Bayreuther Prägung“ ihr berüchtigtes Sendungsbewusstsein einzuimpfen. Mit seiner Forderung nach einer Liberalisierung des Organhandels sorgte er 2004 für einen bundesweiten Aufruhr.

    Was in der Öffentlichkeit damals ankommt: Arme sollen ihr knappes Budget ruhig mit dem Verkauf einer Niere aufbessern dürfen. Der Skandal ist perfekt. Handelt es sich um ein aus dem Zusammenhang gerissenes Zitat eines übereifrigen Wissenschaftlers oder um das kühle Kalkül eines geschickten Selbstvermarkters? Für einen Moment jedenfalls schaut damals das ganze Land nach Bayreuth.

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