„Degrowth“: Hört nicht auf die Wachstumsskeptiker!

Klima-Demo in Brüssel
Foto: imago imagesEines muss man den Klimaaktivisten lassen. Um ihre im Kern antikapitalistische Agenda („System Change, not Climate Change“) an den Mann beziehungsweise die Frau zu bringen, sind sie um Ideen nicht verlegen. So erlebt in diesen Tagen, in denen sich die globalen Entscheidungsträger zur Rettung des Weltklimas in Ägypten treffen, ein alter Gassenhauer von 1972 seine Wiedergeburt.
Damals sorgte der Club of Rome mit seiner Studie „Die Grenzen des Wachstums“, in denen er vor der Erschöpfung der natürlichen Ressourcen durch den ökonomischen Wachstumsdrang der Menschheit warnte, für Furore. Heute lautet der Schlachtruf der Klimaaktivisten zeitgeistig verkürzt „Degrowth“.
Die Kernbotschaft der neuen alten Heilslehre: Um das Klima zu retten, muss die Menschheit auf Wachstum und Konsum und damit die wichtigsten Triebfedern der kapitalistischen Gesellschaft verzichten.
Dabei verkennen die Apologeten der ökonomischen Genügsamkeit, dass sich gerade dank des innovationsgestützten Wachstums der vergangenen 50 Jahre die Energieeffizienz weltweit verdoppelt hat. So lässt sich der gleiche Output heute mit der Hälfte des Ölverbrauchs wie in den 1970er Jahren erzeugen.
Es war der ungebremste Wachstums- und Innovationsdrang der Menschen, der dies ermöglicht hat. Wie ein zirkuläres Pumpwerk erzeugt die „kapitalistische Maschine“ (Joseph Schumpeter) Innovationen, die die Wirtschaft wachsen und damit die finanzielle Quelle für weitere Innovationen sprudeln lassen.
Wer den Herausforderungen des Klimawandels, die sich allein schon wegen des steigenden Energiebedarfs der wachsenden Weltbevölkerung nur durch Anpassung lösen lassen, mit Wachstumsverzicht begegnen will, rettet nicht das Klima, sondern zerstört die ökonomische Basis für die Lösung aller Umweltprobleme.
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