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Digitalisierung 16 Millionen Deutsche stehen digital im Abseits

Eine neue Studie zeigt: Ein Viertel der Deutschen nimmt nicht an der digitalen Welt teil. Fast ein Drittel fühlt sich von der Digitalisierung überfordert. Experten fordern mehr Anstrengungen, um die Menschen mitzunehmen.

Digitalisierung: 16 Millionen Deutsche stehen digital im Abseits Quelle: dpa

Berlin Viele Deutschen fühlen sich von der Digitalisierung überfordert und nehmen gar nicht erst an den neuen Entwicklungen teil. Das zeigt eine heute veröffentlichte Studie der Initiative D21, die durch das Bundeswirtschaftsministerium gefördert wurde. Zwar konnten die Deutschen beim „D21-Digitalindex“ von 51 auf 53 Punkte zulegen. Von dem Maximalwert von 100 Punkten sind sie jedoch noch weit entfernt. Der Digitalindex misst den Zugang zur Digitalisierung, also wie das Internet beruflich oder privat genutzt wird und welche Geräte zu Verfügung stehen, außerdem die Nutzungsvielfalt, also welche Anwendungen die Deutschen regelmäßig nutzen, sowie die digitale Kompetenz und ganz generell die Einstellung zum Internet.

„Wir beobachten zwar eine positive Entwicklung: Immer mehr Menschen bewegen sich souveräner, kompetenter und aufgeschlossener in der digitalen Lebenswelt“, so Hannes Schwaderer, Präsident der Initiative D21 laut Mitteilung: „Doch nach wie vor fühlen sich viele nicht für die digitale Welt gewappnet.“

32 Prozent der Befragten gaben an, dass sie die Dynamik und Komplexität der Digitalisierung überfordere. Bei den über 50-Jährigen waren es sogar 42 Prozent. Zwar zählen die Studienautoren 34 Prozent der Deutschen zu Digitalen Vorreitern und immerhin 41 Prozent zu digitalen Mithaltenden. 25 Prozent der Deutschen – also 16 Millionen Menschen – ordnen sie jedoch in die Kategorie „Digital Abseitsstehende“ ein. Diese partizipierten gar nicht oder nur in sehr geringem Umfang an der digitalen Welt, heißt es in der Studie. „Um nicht große Teile der Bevölkerung dauerhaft von der digitalen Teilhabe auszuschließen sind deutlichere Anstrengungen in allen Bereichen der Bildung notwendig, sei es in der Schule, Berufsausbildung oder auch der Erwachsenenbildung“, fordert Schwaderer.

Für die repräsentative Studie, die jährlich durchgeführt wird, wurden in 22.459 Interviews deutsche Bürger ab 14 Jahre befragt. Das Studienprojekt ist gemeinschaftlich finanziert über eine Förderung des Bundeswirtschaftsministerium und durch Sponsoring, unter anderem von dem Versicherungskonzern Allianz und der Deutschen Telekom.

Innovative und komplexe digitale Technologien erforderten zunehmend neue Fähigkeiten des Einzelnen – sei es in der Wirtschafts- und Arbeitswelt oder im Privatleben, so Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig. „Um das volle Potenzial der Digitalisierung auszuschöpfen, müssen wir daher mehr in die Vermittlung digitaler Kompetenzen investieren – das ist eine zentrale Aufgabe für Politik und Wirtschaft in den kommenden Jahren.“

Auch die Deutschen wünschen sich mehr Engagement, zum Beispiel bei der Bildung. 65 Prozent fordern, dass die Vermittlung von Programmierkenntnissen zentraler Bestandteil der Schulbildung sein muss – ein Anstieg von 20 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr. Auch bei der Weiterbildung am Arbeitsplatz gibt es erheblichen Aufholbedarf. Nur 15 Prozent der Befragten gaben an, dass sie neues Wissen im Bereich Computer, Internet, Digitale Themen über Schulungen und Weiterbildungsangebote zum Beispiel vom Arbeitgeber aneignen, bei den 30-49-Jährigen waren es immerhin 24 Prozent.

Laut der Studie sind vor allem Ältere und weniger gebildete von den Entwicklungen der Digitalisierung abgeschnitten. Die Frage, ob sie zumindest ab und zu das Internet nutzen, beantworteten 95 Prozent der Deutschen mit hoher Bildung positiv – aber nur 59 Prozent der Menschen mit niedriger Bildung.

Insgesamt nutzen 99 Prozent der 14-29-Jährigen das Internet, 85 Prozent der 50- bis 64-Jährigen, aber nur 48 Prozent der über 65-Jährigen. Hauptgrund für die Nichtnutzung sei mangelndes Interesse an dem Medium Internet an sich, schreiben die Autoren der Studie. Weitere wichtige Aspekte seien der mangelnde Nutzen, die Kompliziertheit sowie Sicherheitsbedenken.

Nur 56 Prozent der Befragten gaben an, dass sie eine Online-Banküberweisung durchführen können, immerhin ein Wachstum von sechs Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr. Gerade mal 13 Prozent gaben an, Programmierkenntnisse zu haben.

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