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EditorialHeizungsstreit: Irgendjemand schreit immer durch den Schornstein

Das Bohei um Wärmepumpen, Holzöfen und Gasheizungen zeigt einmal mehr: Wir Deutsche suchen immer im Eiltempo den großen Wurf und erreichen genau deshalb wenig.Horst von Buttlar 19.05.2023 - 13:26 Uhr
Foto: imago images

Vor einiger Zeit geriet ich bei einer Heizdebatte auf Twitter in die Filterblase der Feinstaubgegner, eine Gruppe, deren Wortführer unter anderem Jörg Kachelmann ist. Man muss sich das, um in der Heizmetapher zu bleiben, wie eine zweite Brennkammer vorstellen: Hier erregt weniger der Klimawandel die Gemüter, sondern die Luftverschmutzung – vor allem die Sorge vor Feinstaub (und Stickstoffdioxiden). Damit kein Missverständnis entsteht, auch nicht beim Wettergott a. D.: Ich will diese Gefahren nicht kleinreden. Ich bin immer nur sprachlos, wenn deutsche Ängste um Belastungen sich zu einem wahren Schadstoffwirrwarr verdichten.

So warnte diese Woche das Umweltbundesamt vor der massiven Feinstaubbelastung durch elf Millionen Kamine und Öfen. 20 Prozent des Feinstaubes stoßen sie aus, in etwa so viel wie der Straßenverkehr. Das Umweltbundesamt baut vor, nicht, dass wir nur über Öl und Gas streiten! 2025 greifen neue Grenzwerte für Holzöfen, die einige Politiker am liebsten gleich ganz verbieten wollen.

Das ist ein Symptom der deutschen Heizdebatte: Irgendjemand schreit immer von oben in den Schornstein. Um mal die spezielle deutsche „Customer Journey“ nachzuzeichnen: Bis vor Kurzem haben Deutsche sich moderne Gasthermen eingebaut, das war die Zukunft. Öl raus, Gas rein. Davor gab es auch mal einen Boom bei Pelletheizungen, die massiv gefördert wurden. Im vergangenen Winter sind viele zudem auf Kaminöfen ausgewichen, es gab einen regelrechten Run, wie beim ersten Lockdown auf Klopapier. Es war die Angst vor Gasknappheit, nicht das Wohlstandsverlangen nach wohliger Wärme.

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Die neuen Grenzwerte betreffen vor allem Öfen, die vor 2010 eingebaut wurden. Aber wer im Spätsommer mal übers Land gefahren ist, wird dort ein Geräusch vernehmen: das Kreischen von Sägen, weil die „Leute, da draußen im Lande“, die man immer „mitnehmen“ will, sich Holz für den Winter machen. Was vermutlich die gleichen Leute sind, die nicht mehr ganz durchsteigen, was in Berlin so alles geplant und verboten wird. Nur eines haben sie vernommen: alles auf Pumpe! Dass da wieder etwas vorne und hinten nicht passt, das spüren sie allerdings auch.

Bei uns trägt Klimaschutz mitunter Züge einer Massenpanik. Nun stürzen wir uns auf ein Gerät. Das ist die Lösung bis 2030! Im Prinzip ist das nicht falsch, Wärmepumpen sind in den wichtigsten Studien und Szenarien die Wärmequelle der Zukunft. In einem Großteil der Häuser wird die Nachrüstung auch technisch möglich sein. In Millionen Häusern herrscht aber derzeit vor allem Verunsicherung.

Das Problem ist die Vehemenz, die detaillierten Vorschriften, die Neigung, alles auf eine Karte zu setzen – wir Deutsche suchen immer im Eiltempo den großen Wurf und erreichen wenig. Dass die Verteilernetze für bis zu sechs Millionen Pumpen bis 2030 nicht ausreichen – nun, die Netze müssen halt ausgebaut werden! So hüpfen wir von Großbaustelle zu Großbaustelle. Wenn aber diese Umrüstung schon kaum zu schaffen ist – warum der Zusatzstress für elf Millionen Holzöfen?

Das ist die Frage, die ich gern mal auf Twitter stellen würde, nach dem Motto: Lasst uns auf ein Schadstoff-KPI konzentrieren. Und da würde ich CO2 nehmen. Doch ich lass es, das Heizthema ist zu aufgeheizt, und vermutlich ist diese Hitze in der Hitze auch ein Symptom dafür, dass wir so viel wollen und zu wenig erreichen.

Lesen Sie auch: Heizungsverbot, Dämmpflicht, Wertverlust: So behalten Hausbesitzer den Überblick – und entwerfen einen Plan für ihre Immobilie

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