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Ex-Hochtief-Manager Bernd RomanskiGerhard Schröders Kumpel wird Bürgermeister

Der ehemalige Hochtief-Topmanager Bernd Romanski trat bei der NRW-Kommunalwahl am Sonntag in Hamminkeln für die SPD an - und schleift mit der Unterstützung des Altbundeskanzlers die kleine CDU-Hochburg am Niederrhein.Harald Schumacher 14.09.2015 - 14:33 Uhr

Altkanzler Gerhard Schröder mit seinem Parteifreund und Hochtief-Urgestein Bernd Romanski.

Foto: Ingo Rappers für WirtschaftsWoche

Vor wenigen Jahren noch war Bernd Romanski Chef von 15.000 Hochtief-Mitarbeitern in Europa und verantwortete vier Milliarden Euro Umsatz. Vom 21. Oktober an wird er politisches Oberhaupt der 27.000 Einwohner von Hamminkeln sein und versuchen, die maroden Finanzen des niederrheinischen Städtchens zu sanieren. Denn die Hamminkelner haben den renommierten Baumanager am Sonntag zum Bürgermeister gewählt.

Manches ist ungewöhnlich an der Personalie aus der Provinz unweit der niederländischen Grenze. Romanski ist Top-Manager und aktuell Interimsmanager beim Industriedienstleister Bilfinger – aber kein Konservativer, sondern seit 39 Jahren SPD-Mitglied und ein Kumpel von Altkanzler Gerhard Schröder.

Peer Steinbrück

Der ehemalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück arbeitet künftig für die größte deutsche Direktbank ING-Diba. "Ich werde ein Angebot annehmen, als Berater des Vorstandes" sagte Steinbrück der Wochenzeitung "Die Zeit" laut einer Vorabmeldung vom Mittwoch. Der 69-Jährige hatte vor einer Woche seinen Abschied aus dem Bundestag genommen. Steinbrück war mit den Banken mehrfach hart ins Gericht gegangen. Er stehe zu der Kritik, sagte der SPD-Politiker der Zeitung. Doch zum einen habe die heutige Tochter der niederländischen ING eine lange sozialdemokratische Tradition, zum anderen sei sie in keine "der in Rede stehenden Verfehlungen und Manipulationen verwickelt gewesen".

In Steinbrücks Zeit als Finanzminister fiel die Finanzkrise 2008, in der die Bundesregierung mehrere Banken wie die Hypo Real Estate und die Commerzbank mit Milliarden gerettet hatte. Steinbrück sagte der Zeitung, es wäre richtig gewesen, damals auch die Deutsche Bank zur Annahme von Staatsgeld zu zwingen. Die Banken und ihre Verbände hätten sich aber gegen eine Zwangskapitalisierung gewehrt.

Foto: dpa

Katherina Reiche

Die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium, Katherina Reiche (CDU), wechselt in die Wirtschaft. Sie wird als Nachfolgerin von Hans-Joachim Reck zum 1. September 2015 Hauptgeschäftsführerin des Verbands Kommunaler Unternehmen (VKU). "Es freut mich außerordentlich, dass wir nach einer bundesweiten und intensiven Suche mit Katherina Reiche eine ausgewiesene Expertin gewinnen konnten, die auf verschiedenen politischen Ebenen viel Erfahrung mitbringt", so VKU-Präsident Ivo Gönner.

Brisant: Das Bundeskabinett beschloss - wenige Stunden vor Reiches Wahl - einen Gesetzentwurf mit Sperrzeiten für ausscheidende Regierungsmitglieder. Künftig müssen Politiker vor ihrem Wechsel in die Wirtschaft eine Karenzzeit von zwölf, in Sonderfällen von 18 Monaten einhalten. Reiche betrifft das jedoch nicht mehr.

Foto: dpa

Viviane Reding

Die ehemalige EU-Justizkommissarin übernimmt einen Posten im Aufsichtsrat des Bergbaukonzerns Nyrstar. Einen Konflikt mit ihrer neuen Position als Europaabgeordnete oder mit ihrem vorigen Amt als EU-Kommissarin sieht Reding nicht. „Ich sehe überhaupt kein Problem, sonst hätte ich das nicht gemacht“, sagte sie. Die neue Aufgabe sei ebenso wie ihr Einzug in das Kuratorium der Bertelsmann-Stiftung nach dem Verhaltenskodex der EU-Kommission genehmigt worden. Ehemalige EU-Kommissare dürfen für eine Dauer von 18 Monaten nach ihrem Ausscheiden keine Lobbyarbeit etwa bei der EU-Kommission betreiben. Die konservative Luxemburgerin Reding erklärte, sie werde als Europaabgeordnete falls nötig an Debatten oder Abstimmungen mit Relevanz für die Bergbau-Branche nicht teilnehmen. „Das ist sowas von normal. Das sollte eigentlich jeder Abgeordnete so machen.“

Foto: dpa

Daniel Bahr

Ex-Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) wird vom 1. November 2015 an Generalbevollmächtigter der Allianz Private Krankenversicherung. Er übernimmt das Leistungsmanagement und die Vertriebskoordination. Nach einer Einarbeitung solle Bahr - vorbehaltlich der Zustimmung der Finanzaufsicht BaFin - in den Vorstand berufen werden. Bahr wechselt damit in die Branche, für die er als Minister zuständig war. Die Vereinigung Lobbycontrol kritisierte den Wechsel Bahrs zur Krankenversicherung und forderte die Bundesregierung auf, endlich per Gesetz Karenzzeiten für den Wechsel in die Wirtschaft einzuführen.

Foto: dapd

Ursula Heinen-Esser

Ursula Heinen-Esser war seit Oktober 2013 parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium. Seit Januar 2015 ist sie Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes Garten-, Landschafts-, Sportplatzbau (BGL).

Foto: dpa

Stéphane Beemelmans

Beemelmans verdiente sein Geld ursprünglich als Staatssekretär im Verteidigungsministerium. Seit Dezember 2014 ist der Parteilose Geschäftsführer der Lobbyagentur Eutop in Berlin.

Foto: dpa

Jan Mücke

Mücke (FDP, rechts im Bild) war ebenfalls seit Oktober 2013 Bundestagsabgeordneter und Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium. Seit Juli 2014 ist er Geschäftsführer des Deutschen Zigarettenverbandes (DZV).

Foto: dpa

Bernd Pfaffenbach

Bis zum Jahr 2011 war der parteilose Bernd Pfaffenbach (links) Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium und der persönliche Beauftragte des Bundeskanzlers zur Vorbereitung des Weltwirtschaftsgipfels. Seit 2011 arbeitet er als Senior Advisor bei der US-Bank JP Morgan Chase.

Foto: dpa/dpaweb

Michael Glos

Bis zum Jahr 2009 war Michael Glos (CDU) Bundeswirtschaftsminister. Von 2009 bis 2012 arbeitete er bei RHJ International als Berater und wechselte 2013 als Berater zum Gipshersteller Knauf.

Foto: dpa

Hildegard Müller

Hildegard Müller (CDU) war bis 2008 Staatsministerin im Bundeskanzleramt und galt als Vertraute von Parteichefin Merkel. Seit Oktober 2008 ist sie Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW).

Foto: dpa/dpaweb

Thomas Mirow

Mit gerade einmal 22 Jahren wurde Mirow 1975 Assistent des damaligen SPD-Bundesvorsitzenden Willy Brandt. Mirow wurde dessen Büroleiter und war schließlich bis zum Jahr 2007 Staatssekretär im Bundesfinanzministerium. Von Juli 2008 bis Juni 2012 hatte Thomas Mirow das Amt des Präsidenten der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) inne.

Foto: dpa

Der hat den 56-Jährigen höchstpersönlich mit einem Auftritt in Hamminkeln unterstützt und damit vielleicht die entscheidenden Stimm-Prozentpunkte erkämpft: Für Romanski stimmten 52,66 der Hamminkelner, die sich an der Wahl beteiligten. Für die Gegenkandidatin von der CDU 47,34 Prozent. Für die NRW-SPD ist das einer der wenigen Lichtblicke in einer Kommunalwahl, bei der sie Städte wie Oberhausen, Bonn und Münster an die Union abgab. Im Gegensatz zu Schröder hatte Ministerpräsidentin Hannelore Kraft im Wahlkampf nicht den Weg nach Hamminkeln gefunden.

Hohe Erwartungen an den Machtwechsel

Fünf Wochen hat Romanski nun Zeit, sich auf die Führung der Amtsgeschäfte in der rund 200-köpfigen Verwaltung vorzubereiten. Dann wird ihm der scheidende CDU-Bürgermeister Holger Schlierf die Amtsgeschäfte übergeben.

Porträt Bernd Romanski

Durch Dick und Dünn mit Hochtief

von Harald Schumacher

Hohe Erwartungen knüpfen sich an den Machtwechsel. Selbst die Unternehmer der früheren CDU-Mittelstandsvereinigung wechselten im Wahlkampf ins Romanski-Lager. Durch seinen beruflichen Hintergrund und in politischen Debatten vermittelte der hemdsärmelige Manager den Eindruck, einer wie er könne Hamminkeln besser und wirtschaftlicher führen.

Romanski will die Abwanderung der Gewerbesteuer zahlenden Betriebe stoppen, will fehlende Flüchtlingsunterkünfte schnell bauen, will große Immobilienprojekte professioneller vorantreiben, will mehr Neubaugebiete im Bebauungsplan ausweisen und will Gutverdienende nach Hamminkeln locken. Romanski: „Um handlungsfähig zu werden, müssen wir erreichen, dass Betriebe und Familien hierher ziehen.“

Aber wie handlungsfähig ist ein Macher wie Romanski in den Niederungen des kommunalpolitischen Alltags? Beim Thema Wohngebiete etwa entscheidet die Bezirksregierung mit – und die legt sich bisher quer. Die von der CDU Anfang des Jahres drastisch erhöhte Grundsteuer und die gleichzeitig angehobene Gewerbesteuer kann der Ex-Manager nicht einfach wieder senken.

Wie will der Genosse der Bosse aus der Provinz verhindern, dass seine verschuldete Stadt bald doch gemäß Haushaltssicherungsgesetz an die finanzpolitisch kurze Leine des Düsseldorfer Innenministeriums gelegt wird?

Romanski – bisher ohne kommunalpolitische Erfahrung - gibt sich am Montag nach dem Wahlsieg im Gespräch mit der WirtschaftsWoche realistisch: „Ein halbes Jahr werde ich brauchen, um Fuß zu fassen, um mir ein eigenes Bild zu machen und um meinen eigenen Kurs sichtbar zu machen.“

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