Forschungsorganisation: Nach Skandalen: Neuer Fraunhofer-Präsident kündigt tiefgreifende Reformen an
Holger Hanselka, neuer Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft.
Foto: Daniel Delang für WirtschaftsWocheDer neue Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, Holger Hanselka, will die mächtigste Forschungsorganisation Europas tiefgreifend reformieren. Hanselka, der seit 100 Tagen im Amt ist, kündigte im Gespräch mit der WirtschaftsWoche an, die Satzung der Fraunhofer-Gesellschaft so zu renovieren, dass ihr Senat bessere Aufsichts- und Kontrollmöglichkeiten erhält. In der Zeit vor Hanselkas Amtsantritt war es bei Fraunhofer zu mehreren Skandalen gekommen.
„In der bestehenden Satzung ist die Kontrollfunktion, die der Senat haben sollte, nicht eindeutig hinterlegt“, sagte Hanselka der WirtschaftsWoche. Daher sei zu Recht die Frage gestellt worden, „wo denn die Kontrolle gewesen“ ist. „Meine Aufgabe ist es nun, die Satzung zu renovieren, sodass der Senat eine klare Aufsichts- und Kontrollfunktion gegenüber dem Vorstand hat. Und der Vorstand gegenüber dem Senat eine entsprechende Berichtspflicht“, so der Fraunhofer-Präsident.
Der Senat der Forschungsorganisation müsse „auch einen Nominierungsausschuss bekommen, aus dem heraus der Senat sich selbst immer wieder erneuert“, sagte Hanselka. „Insofern wird es auch hier deutliche Veränderungen geben.“ Zuletzt hatte es Kritik daran gegeben, dass der Senat mit vielen Mitgliedern besetzt war, die dem früheren Vorstand als besonders gewogen galten.
In den Prozess der Erneuerung sind neben der Senatsvorsitzenden Hildegard Müller, die zugleich Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie ist, auch andere prominente Senatsmitglieder eingebunden. „Sogar Senatsvertreter wie BMW-Chef Oliver Zipse persönlich werden sich einbringen“, sagte Hanselka im Interview. Die Fraunhofer-Führung werde „bei der nächsten Mitgliederversammlung eine Satzungsänderung vorlegen“. Das Treffen findet voraussichtlich am 13. Juni 2024 statt.
Holger Hanselka hatte das Amt des Fraunhofer-Präsidenten am 15. August von Reimund Neugebauer übernommen, der nach Kritik unter anderem vom Bundesrechnungshof vorzeitig zurückgetreten war.
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