Klimaschutz: Proteste und Hoffnung vor der Klimakonferenz
Demonstranten fordern in Bonn die Umsetzung des Weltklimaabkommens.
Foto: dpaVor dem Start der Weltklimakonferenz am Montag in Bonn machen Klimaschützer mit großen Aktionen Druck für einen schnellen Kohleausstieg. Braunkohlegegner planen am rheinischen Tagebau Hambach am Sonntag (8.00 Uhr) zwei Demonstrationen. Das Aktionsbündnis Ende Gelände hat daneben auch Blockaden mit mehr als 1000 Aktivisten angekündigt.
Die Verstromung von Braunkohle gilt als mit Abstand klimaschädlichste Form der Stromgewinnung und als mitverantwortlich für ein mögliches Verfehlen der deutschen Klimaziele. Im Rheinischen Revier arbeiten an die 10 000 Menschen im Tagebau und in Kraftwerken. Der Betreiber RWE hat rechtsgültige Abbaugenehmigungen bis 2045.
Bereits am Samstag hatten in Bonn die ersten Demonstrationen mit rund 10 000 Klimaschützern begonnen. Die scheidende Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) sagte bei ihrer Anreise nach Bonn: „Ein Kohleausstieg muss schrittweise geschehen, muss die Menschen mitnehmen und darf keine Strukturbrüche verursachen.“ Strukturwandel müsse gestaltet werden, auch mit Bundesmitteln.
Wetter
Geht die Erwärmung der Erde ungebremst weiter, werden extreme Unwetter mit schweren Stürmen und Überschwemmungen häufiger auftreten, warnen Klimaforscher. Sogenannte Jahrhunderthochwasser gab es in Deutschland in jüngster Zeit in immer kürzeren Abständen. Zum einen werden die feuchten Regionen der Erde immer noch feuchter, zum anderen drohen den trockenen Gebieten Dürreperioden mit schweren Folgen für die Landwirtschaft vor allem in Entwicklungsländern.
Temperaturen
Auf Klimaveränderungen reagieren Tiere, Pflanzen und Menschen empfindlich. Hitzewellen beeinträchtigen Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden, besonders Kinder, Alte und Kranke müssen gesundheitliche Folgen fürchten. So erhöhen milde Winter zum Beispiel die Überlebensrate von Krankheitsüberträgern wie Mücken, Zecken oder Wanzen. Mit der Zunahme heißer Tage erhöht sich unter anderem die Konzentration von Ozon und Feinstaub in der Luft.
Foto: dpaPollen
Menschen, die ein Leben lang beschwerdefrei waren, bekommen vermehrt Allergien. Aus Sicht von Forschern der Universität Wien wachsen zum Beispiel Ambrosia-Pflanzen bei Wärme besser. Ihre Pollen lösen besonders oft Heuschnupfen aus. Zudem habe sich die Pollensaison insgesamt in Deutschland schon deutlich verlängert, sagt der Leiter des Allergie-Centrums der Berliner Charité, Torsten Zuberbier. Sie sei auch intensiver geworden.
Foto: APMeeresspiegel
Die Erderwärmung lässt Gletscher und das Eis der Pole schmelzen. Steigt der Meeresspiegel immer weiter an, sind die Inseln und Atolle der Malediven zum Beispiel nach Schätzungen in rund 100 Jahren überflutet. Als Mahnung hielt die Regierung 2009 eine Kabinettssitzung unter Wasser ab - in Taucheranzügen. Umweltschützer fürchten unter anderem aber auch für die Nordseeküste dramatische Folgen: Wattflächen, Salzwiesen und Inseln könnten dauerhaft überschwemmt werden.
Foto: dpaPol-Eis
Die Meereisdecken an den Polen waren im März so klein wie nie in einem solchen Monat seit Beginn der Messungen 1981. Das teilten die US-Weltraumbehörde Nasa und die Klimabehörde NSIDC mit. Das Arktis-Eis am Nordpol gehe seit Jahren zurück, am Südpol gebe es hingegen keinen sicheren Trend. Die US-Klimabehörde NOAA geht davon aus, dass das Antarktis-Eis weniger vom globalen als vom regionalen Klima beeinflusst wird.
Foto: dpaKorallen
Das weltgrößte Korallenriff, das Great Barrier Reef, vor Australien ist nach Expertenmeinung massiv vom Klimawandel betroffen. Forscher schreiben, große Teile der Stöcke seien bereits tot. Unter normalen Umständen leben Korallen mit Algen in einer Gemeinschaft zum gegenseitigen Nutzen. Bei erhöhten Wassertemperaturen stoßen Korallen die giftig gewordenen Algen allerdings ab.
Foto: REUTERSMeerestiere
Wegen der wärmeren Wassertemperaturen siedeln sich zum Beispiel in der Nordsee mittlerweile Sardinen, Anchovis und Pazifische Austern an. Dem kaltwasserliebenden Kabeljau wird es allerdings langsam zu warm - er zieht in nördlichere Gewässer. Die durchschnittliche Nordsee-Temperatur hatte 2016 mit 11,0 Grad den zweithöchsten Wert seit 1969. 2014 waren es 11,4 Grad.
Foto: dpa
Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) sieht dabei für Deutschland eine besondere Verantwortung. „Nur wenn wir unter Beweis stellen, dass eine anspruchsvolle Klimapolitik nicht dazu führt, dass Arbeitsplätze und industrieller Erfolg darunter leiden, werden uns andere Länder folgen“, sagte er der „Bild am Sonntag“.
Nach einer Emnid-Umfrage für die Zeitung sind 59 Prozent der Deutschen dafür, dass die nächste Bundesregierung den Kohleausstieg beschließt, und 31 Prozent dagegen. 69 Prozent der 504 Befragten wollen demnach Umwelt- und Klimaschutz im Zweifel Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen geben, 27 Prozent wollen das nicht.
Trotz des geplanten Austritts der USA aus dem Pariser Abkommen sind bisher alle anderen Teilnehmer dabeigeblieben. Auch diejenigen, „die es nicht so einfach haben“, sagte Hendricks mit Blick auf China und Indien, wo viele Menschen noch einen Stromanschluss bräuchten. Die Länder hätten ihre Energiepläne geändert. „Sie investieren auch in Kohlekraftwerke, aber viel weniger als sie eigentlich wollten.“
Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth zeigte sich sicher, dass die USA dem Klimaabkommen irgendwann wieder beitreten. „Wir werden den Satz hören: „The US is back again““, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.
Hauptaufgabe der Konferenz ist es, ein Regelwerk zur Umsetzung des Pariser Abkommens zu erstellen. „Ein Erfolg ist, wenn wir uns darauf verständigen, wie wir gegenseitig messen und gegenseitig uns nicht beschummeln“, erläuterte Hendricks. „Das Pariser Klimaschutzabkommen ist wie ein weltweites ganz neues Gesetz.“ Nun müssten die Länder Auslegnungen dafür finden, wie ihre Klimaanstrengungen vergleichbar werden. „Schummeln wäre an vielen Stellen denkbar“, erläuterte Flasbarth. Man könnte etwa die Ausgangszahlen falsch angeben oder den jährlich verminderten CO2-Ausstoß. „Das muss alles festgelegt werden, weil das ganze Abkommen auf Vertrauen aufbaut.“
Laut Umweltministerium werden etwa 25 000 Menschen aus knapp 200 Staaten an der Konferenz teilnehmen. Für ein Mitglied der Konferenzpräsidentschaft von Fidschi, Deo San, unter anderem entscheidend, das alle Länder Solidarität zeigen und ein hartes Regelwerk entsteht.
Auf Fidschi sind schon einige Menschen wegen des Meeresspiegelanstiegs von der Küste in höhere Regionen gezogen. Mehr als der Anstieg des Wassers mache dem Inselstaat aber die Zunahme der Zyklone zu schaffen: „Sie werden stärker und häufiger.“ Auch Dürren hätten zugenommen. „Die Extremwetter betreffen das ganze Land und die Nahrungssicherheit.“
Extreme Ernteschäden durch den Klimawandel sieht Peter Triloff von der Marktgemeinschaft Bodenseeobst in seiner Region. „Seit 20 Jahren kann man fast jedes Jahr schon im Februar am Bodensee sonnenbaden.“ Folglich treiben die Bäume laut Triloff früher aus und sind dann empfindlich für Spätfröste. Zudem komme der obstschädigende Hagel häufiger, großflächiger und stärker als früher.