Plan für mehr Energieeffizienz Runterregeln mit Robert Habeck

Das Land brauche „eine große gemeinsame Kraftanstrengung“, glaubt Robert Habeck. Quelle: dpa

Der Wirtschaftsminister präsentiert seine Konzertierte Aktion für Energieeffizienz: Der Schulterschluss des Sparens zwischen Politik und Wirtschaft soll gleich dreifach helfen: beim Klimaschutz, gegen Russland und zur Bekämpfung der Inflation.

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Den Ton hatte Robert Habeck bereits im Interview mit der WirtschaftsWoche gesetzt: „Weniger Verbrauch ist das A und O“, sagte der Bundeswirtschaftsminister, angesprochen auf die Notwendigkeit, angesichts des Ukrainekrieges Energie zu sparen. „Mehr Effizienz ist ein wesentlicher Hebel gegen Putin.“

Das war Mitte Mai. An diesem Freitag steht Habeck, gerade erst von einer mehrtägigen Nahostreise zurückgekehrt, im Berliner E-Werk und stellt eine großangelegte Kampagne für mehr Energieeffizienz vor. Er wird flankiert von den Vertreterinnen und Vertretern großer deutscher Verbände: Handwerk, Industrie, Arbeitgeber und Gewerkschaften, alle sind sie da. Es ist quasi die Konzertierte Aktion der Energiepolitik.

Das Land brauche „eine große gemeinsame Kraftanstrengung“, sagt Habeck gleich zu Beginn. Man sei „getrieben durch eine sehr, sehr ernste Situation“. Und dann legt der Wirtschaftsminister rhetorisch noch einen drauf, spannt das ganz große Panorama. Die Aufgabe seiner politischen Generation sei die Eindämmung der Erderwärmung, da helfe jede eingesparte Kilowattstunde Energie. Doch das ist noch nicht alles: Auch bei der Loslösung von russischem Gas und Öl, dem Projekt Unabhängigkeit von Putin, und im Kampf gegen die Inflation hilft aus Sicht des Grünen die nun angestoßene Kampagne.

„Energiesparen ist ein gemeinsames, nationales Projekt, das Politik, Industrie, Mittelstand, Betriebe und Unternehmen, Handwerk, Sozialpartner, Kommunen, Umweltverbände, Verbraucherinnern und Verbraucher, kurz: uns alle braucht“, heißt in einer zum Gipfel vorbereiteten Erklärung. Es geht aber auch ganz konkret: Der Handwerkspräsident schildert beispielsweise, wie in der Friseurbranche kürzeres Haarewaschen und dünnere Handtücher schon einen spürbaren Effekt haben können. Im Ministerium selbst wurde jede Fassadenbeleuchtung gestoppt und die Kühlung der Gebäude so geändert, dass statt 22 auch 26 Grad Raumtemperatur zulässig sind.

Die Regierung will den privaten Gasverbrauch senken. Mehr Sparpotenzial aber bietet die Industrie – erste Projekte sind vielversprechend.
von Konrad Fischer, Florian Güßgen, Andreas Menn, Jürgen Salz

Die Kampagne soll nun Bürgerinnen und Bürger mit praktischen Tipps und Hilfestellungen beim Energiesparen helfen. Pünktlich zum Termin am Freitag präsentiert der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft eine dazu passende Umfrage. Sie zeigt, dass die Deutschen bereits bewusster mit Energie für die Wärmeversorgung umgehen. Mehr als drei Viertel (77 Prozent) der Befragten gaben darin an, dass sie in den vergangenen Monaten ihr Verhalten geändert und versucht haben, beim Heizen oder beim Warmwasserverbrauch Energie einzusparen. Nur jeder Fünfte gab an, sein Verhalten nicht verändert zu haben.

Der Bedarf und der Druck sind also da. Widersprüche - etwa durch den Tankrabatt, der nun nicht gerade beim Ressourcensparen hilft – will Habeck an diesem Tag gar nicht wegreden. Er gibt sie offen zu. Man wolle aber ohnehin  „nicht mit dem Zeigefinger agieren“, sagt er, eher helfen, aufklären, sensibilisieren. Und doch: Man stehe, fügt er hinzu, vor einem  sehr schwierigen Herbst und Winter.

Lesen Sie auch: Die Speicher füllen. Terminals bauen. LNG aus den USA und Katar beziehen. Schön und gut. Aber um den nächsten Winter zu überstehen, muss Deutschlands Wirtschaft Gas vor allem sparen. 

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