Rente 2025: Die milliardenteure Ruhe vor dem Rentensturm

Ich habe mal in die Statistik geschaut: In den etwas mehr als 20 Jahren meines Vollzeitberufslebens steht mein Gehalt statistisch betrachtet für eine halbe Rente. Mein Arbeitgeber und ich machen das gerne – wir teilen uns ja die Kosten.
Eine erstaunliche Konstanz zeigt sich auch beim Rentenbeitrag. Der steht seit 2018 unverändert bei 18,6 Prozent. Klar zahle ich jedes Jahr absolut mehr in die Rentenversicherung, denn die Bemessungsgrenze steigt – also der Anteil des Einkommens, auf den Beiträge fällig werden.
Diese Grenze orientiert sich aber nachvollziehbar und sinnvoll an der Entwicklung der allgemeinen Bruttogehälter. Auch da gibt es also keinen Grund zu jammern.
Doch in dieser Woche hat die Regierung das Rentenpaket von Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) durchgewinkt. Und da biegen sich bei vielen Volkswirten (und mir) die Fußnägel hoch: Weitere Steuermilliarden – fünf Milliarden Euro pro Jahr – fließen bald in die „Mütterrente“. Und es wird ein gesetzlich gesichertes Mindestniveau an Rente über weitere Jahre garantiert (was 2031 satte 11 Milliarden Euro kosten wird) – auch mit der Konsequenz eines steigenden Beitragssatzes.
Der auf den Bemessungsbeitrag fällige Anteil für die Rentenversicherung wird 2027 zunächst auf 18,8 von 18,6 Prozent zulegen – in den Jahren danach steht ein Anstieg auf mehr als 20 Prozent bevor. Beschäftigte und Unternehmen müssen dann also noch mehr bezahlen. Das Geld für die Mütterrente kann nicht für andere Dinge besser und effizienter eingesetzt werden – zum Beispiel für Entlastungen für Unternehmen, um neue Stellen zu schaffen.
Denn die konstanten Zeitreihen bei Beitragssatz und Verhältnis von aktiven Arbeitnehmern zu Rentnern täuschen: Bislang überdeckte das „deutsche Jobwunder“ die demografischen Trends. Die Zahl der Beschäftigten war ein Jahrzehnt lang stark gestiegen: Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg von 27 auf fast 35 Millionen. Doch diese Dynamik lässt nach, die Zahl der Arbeitslosen steigt wieder – bald auf die symbolische Marke von drei Millionen.
Es wäre der Moment, in dem der so genannte Nachhaltigkeitsfaktor greifen könnte. Wächst die Zahl der Beschäftigten kaum, aber die Zahl der Rentner stärker, könnten die Renten weniger stark steigen als die Löhne und so die Last zwischen den Generationen verteilt werden.
Diesen Faktor gibt es eigentlich schon. Immer wieder hatte er wegen des Jobwunders sogar in die andere Richtung gewirkt. Der Nachhaltigkeitsfaktor brachte Rentnern teilweise ein deutliches „Bonusplus“, da Millionen von Menschen Jobs gefunden hatten und so höhere Renten finanzieren konnten – 2022 waren es dadurch satte 0,76 Prozentpunkte mehr Rente. 2023 drückte der Faktor dann die Renten um 0,1 Punkte.
Und jetzt? Wird der Faktor schlichtweg nicht mehr berücksichtigt. Wegen der eingeführten Mindestgrenze für die Rente in Höhe von 48 Prozent des Lohnniveaus, die die Regierung in dieser Woche bis 2031 verlängert hat. Einen der sinnvollen Stellhebel, um das Rentenproblem einer alternden Bevölkerung abzufedern, hat die Ampelkoalition abgeschafft und die neue Koalition macht damit weiter.
Der Schub der Babyboomer in die Rentenkassen steht dabei bevor. Eine Lösung für die dadurch entstehenden Belastungen für die junge Bevölkerung ist nicht in Sicht. Eine Fortentwicklung des Nachhaltigkeitsfaktors wäre eine Möglichkeit – und so ein allmähliches Absinken des Rentenniveaus. Aber Politikern sind die Rentner näher, denn die gehen unheimlich gerne wählen – und sind sehr viele.
Bundeskanzler Friedrich Merz sagt, dass es klar sei, dass eigentlich eine große Reform für die Sozialversicherungen kommen muss. Davon zu spüren ist: nichts.
Im Rentenpaket von Bärbel Bas ist ein Bericht für das Jahr 2029 (!) vorgesehen, wie „das Vertrauen der Beitragszahlenden und der Rentnerinnen und Rentner in die Stabilität und Leistungsfähigkeit der gesetzlichen Rentenversicherung nach 2031 weiter gestärkt werden kann“. Sie können auf diesen Bericht vertrauen, oder sich mit der privaten Altersvorsorge beschäftigen.
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