Streit in der Union Horst Seehofer muss jetzt springen

Wenn der bayrische Ministerpräsident Horst Seehofer seiner Kritik an Bundeskanzlerin Angela Merkel wieder keine Taten folgen lässt, macht er sich zu ihrem Bettvorleger.

Ministerpräsident Horst Seehofer: Deutliche Worte, keine Taten. Quelle: dpa

Die Fähigkeit der Bundeskanzlerin, die Realität zu ignorieren, ist beachtlich. Die Ergebnisse der Landtagswahlen haben gezeigt, dass das überkommene Parteiensystem zutiefst erschüttert ist. Nicht nur Horst Seehofer, sondern jeder mündige Bürger erkennt, dass sich Deutschlands politische Tektonik grundlegend verändert: Die Wahlen sind ein „politisches Erdbeben“ und die Veränderung, die sie zeigen, bedroht „die Existenz beider Unionsparteien“. Dass die SPD noch übler dasteht, sollte einer einst stolzen Partei kein Trost sein.

Reaktionen aus den Ländern
Björn Höcke, AfD Quelle: REUTERS
Der FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner: Quelle: dpa
Ralf Stegner, SPDSPD-Vize Ralf Stegner erwartet ungeachtet des schwachen Abschneidens bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt keine Diskussion über Parteichef Sigmar Gabriel. "Nein, kein Stück", sagte Stegner am Sonntag in der ARD. "Wir werden jetzt gemeinsam schauen, dass wir jetzt die nächsten Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin gut machen und im nächsten Jahr im Bund. Und der Rückenwind aus Mainz wird uns dabei helfen." In Rheinland-Pfalz sind die Sozialdemokraten stärkste Partei geworden. Zum Erfolg der rechtspopulistischen AfD sagte Stegner: "Die AfD hat mit Angstmacherei Punkte gemacht. Wir rücken nicht nach rechts." Quelle: dpa
Alexander Gauland, AfD Quelle: dpa
Sigmar Gabriel, SPD Quelle: REUTERS
Frauke Petry, AfD Quelle: AP
Katrin Budde, SPD Quelle: REUTERS
Roger Lewentz , SPD Quelle: REUTERS
Erwin Sellering, SPD Quelle: dpa
Annegret Kramp-Karrenbauer, CDU Quelle: dpa
SPD, Rheinland-Pfalz Quelle: dpa
Julia Klöckner Quelle: REUTERS
Die Grünen, Baden-Württemberg Quelle: dpa

Das einzige, was in diesen Zeiten geradezu unendlich und unerschütterlich erscheint, ist die Bereitschaft von Angela Merkels Partei, oder besser gesagt: der Berufspolitiker in ihrer Partei, ihr die Verleugnung der Realität mit der Parole „weiter so!“ durchgehen zu lassen. Und das auch angesichts der Aussicht vieler Hinterbänkler, 2017 ihr Mandat an die Schmuddelkinder von der AfD zu verlieren. Die abgewählten Parteifreunde in Mainz und Stuttgart können sicher den Berlinern berichten, wie sich das anfühlt.

Die CDU-Abgeordneten des Bundestages sind einmalig in ihrer Bräsigkeit. Schlecht koordinierte Anläufe, die Kanzlerin mit grundlegender Kritik an ihrer so genannten Flüchtlingspolitik zu konfrontieren und den riesigen Unmut an der Basis als Druckmittel einzusetzen, um sie zur Umkehr oder gleich zur Aufgabe zu zwingen, sind schon vor Monaten kläglich gescheitert.

Das sagen Unternehmer zu den Ergebnissen
Wolfgang Grupp, Eigentümer von Trigema:"Viele Leute in Baden-Württemberg haben wie ich aus reinem Protest gegen Angela Merkels Flüchtlingspolitik nicht CDU gewählt. Guido Wolf als CDU-Spitzenkandidat konnte dem Grünen-Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann nicht das Wasser reichen - übrigens eine Spätfolge der Strategie Merkels, CDU-Top-Politiker wie Baden-Württembergs Ex-Ministerpräsidenten Günther Oettinger (heute EU-Kommissar) kalt zu stellen. Jetzt kann es nur eine Koalition geben und das ist Grün-Schwarz. Das ist der Bürgerwille. Natürlich wäre auch eine Ampelkoalition aus Grün, Rot und Gelb möglich. Aber ich glaube, dass Kretschmann versuchen wird, die vom Bürger am zweithäufigsten gewählte Partei in die Regierung zu holen. Die CDU wurde zwar abgestraft, die SPD aber auch. Der Wahlausgang hat überhaupt keine negativen Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg. Kretschmann und die Grünen haben generell gute Ideen. Das haben sie in der Vergangenheit gezeigt und das wird jetzt in die Regierung einfließen. Wir aus der Wirtschaft brauchen die neuen Ideen, also das, was zukunftsorientiert ist. Im Übrigen wird Kretschmann mit seinem Wahlsieg mehr Gewicht in der Bundespartei der Grünen bekommen, und das ist gut so." Quelle: dapd
Nicola Leibinger-Kammüller Quelle: dpa
Bitkom-Präsident Thorsten Dirks: Quelle: dpa
Renate Pilz, Vorsitzende der Geschäftsführung der Firma Pilz Automation in Ostfildern, Baden-Württemberg:“Ich bin als Mensch und nicht nur als Unternehmerin persönlich erschüttert über den Erfolg der AfD und fürchte, wir müssen uns langfristig auf diese Partei im Landtag einstellen. Der große Erfolg von Herrn Kretschmann gerade auch unter älteren Wählern liegt meiner Meinung nach daran, dass  er im Wahlkampf eine klare Linie vorgegeben hat und seinen Blick über Baden Württemberg hinweg auf Europa gerichtet hat. Die europäische Einheit ist nicht nur für Unternehmer wichtig. Die Älteren haben den Krieg noch als Kinder erlebt, sie wissen wie wichtig der Frieden ist und sie fühlen sich dafür mitverantwortlich, dass so etwas in Deutschland nicht nochmal passiert. Herr Kretschmann hat aber auch aus Sicht der Unternehmer in Baden Württemberg auch als grüner Ministerpräsident gute Arbeit geleistet. Auch das wird zu seiner Wiederwahl beigetragen haben.” Quelle: dpa/dpaweb
Martin Fuchs, Geschäftsführer Enprotec GmbH in Mayen bei Koblenz, Rheinland-Pfalz"Die Landtagswahlen haben zwei Dinge deutlich gemacht. Ein großer Teil der Wähler hat kein Vertrauen mehr in die aktuellen Bundespolitiker, insbesondere die Bundeskanzlerin. Hierfür haben CDU, SPD und auch Bündnis 90/Die Grünen büßen müssen. Erfolg hatten die scheinbar authentischen Politiker Winfried Kretschmann und Malu Dreyer. Gerade bei Malu Dreyer klaffen jedoch Reputation und tatsächliche politische (Fehl-)Leistung weit auseinander. Auch in Baden-Württemberg kann ich die Schulpolitik nur mit großer Sorge betrachten. Die dortigen Prioritäten sind sowohl der Mehrheit der Gesellschaft als auch dem Wirtschaftsstandort auf Dauer abträglich. Umso mehr gilt, dass die voraussichtlichen Koalitionspartner, CDU in Ba-Wü und FDP in Rheinland-Pfalz, wesentliche Korrekturen durchsetzen. In meinem Bundesland heißt dies für die Bereiche Infrastruktur: Breitbandausbau, Straßensanierung, Bau der Mittelrheinbrücke etc.; öffentliche Sicherheit: Ausbau der Polizei auch unter dem Aspekt möglicher neuer Herausforderungen; Rechtssicherheit: Aus-, nicht Abbau der Justizverwaltung (Die Landesregierung hat in Koblenz im übertragenen Sinne bereits ,Strafvereitelung im Amt‘ begangen.); Integration: Aufbau von ernsthaften Asylanten-Integrationsstrukturen (keine Migrantenverwaltung und -Ghettoisierung wie aktuell gegeben) und konsequente Abschiebung von Wirtschaftsmigranten; Bildungspolitik: Anpassung der schon heute unzureichenden Bildungsressourcen an die neuen Herausforderungen; Energie: Beendigung der (planlosen) Verspargelung der Landschaft. Trotz vieler Frustrationen gebe ich die Hoffnung nicht auf." Quelle: Privat
Rainer Hundsdörfer, Chef von ebm papst in Mulfingen: “Der Wahlerfolg  der AfD in allen drei Landesparlamenten kann einem Demokraten nicht gefallen. Er zeigt aber, dass die renommierten Parteien die Wählen nicht haben überzeugen können. Ich bin überzeugt, dass vor allem Protestwähler die AfD favorisierten und dass es nicht mehrheitlich um braune Gesinnung handelt. Dass sich die Grünen in BaWü so klar  gegen die CDU durchsetzen konnten hat mich überrascht. Ich halte das für einen persönlichen Erfolg von Herrn Kretschmann, vor allem er und nicht die Grünen haben diese Wahl gewonnen. Er hat aus Unternehmersicht oft gut gearbeitet: zuverlässig, interessiert, kompromissfähig. Zudem traut er sich, sich bei Sachfragen auch mal gegen seine Partei zu stellen. Er hat also bewiesen, dass er als grüner Ministerpräsident Unternehmen nicht schadet. Das habe ich mir früher so nicht vorstellen können. Gut für Baden Württemberg wäre eine schwarz-grüne Regierungskoalition statt einer Drei-Parteien-Regierung aus Grün, Rot plus X. Sie hätte eine satte handlungsfähige Mehrheit und die CDU wäre der notwendige Gegenpol für eine bessere Wirtschafts- und Bildungspolitik. Wir in der Industrie sind pragmatischer:  Erst zwei Jahren Kretschmann als Chef, dann tritt er ab und die nächsten zwei Jahre übernimmt CDU-Mann Wolf - für das Land wäre das eine sehr gute Option. Aber Politiker sind wohl nicht so pragmatisch. Auf jeden Fall ist es gut, dass die FDP als Korrekturfaktor zum Beispiel für die schwindende Wirtschaftskompetenz der SPD im Landtag ist.” Quelle: Steffen Burger
Hans-Jürgen Mundinger, Chef der Goldschmidt Thermit mit Sitz in Halle und Leipzig:“Als gebürtiger Baden-Württemberger vom Bodensee und nun in Ostdeutschland arbeitend, habe ich beide Wahlergebnisse mit Spannung verfolgt. Für mich hat heute unabhängig von allen Parteien die Demokratie gewonnen: Die Menschen interessieren sich wieder mehr für Politik, die Wahlbeteiligung ist gestiegen.  Über Jahrzehnte haben drei oder vier Parteien die Regierungen unter sich ausgemacht, nun sind es bis zu sechs Parteien. Das finde ich grundsätzlich einen Gewinn. Den hohen Wahlerfolg der AfD, besonders in Sachsen-Anhalt, muss eine Demokratie aushalten. Aber ich würde nicht meinen Kopf dafür geben, dass das klappt. Doch die rund 15 Prozent der AfD in BaWü, dem Land der Liberalen, schocken mich noch mehr als die 24 Prozent in Sachsen Anhalt. Vermutlich sind es in BaWü eher Protestwähler, in Ostdeutschland sind viele Wähler grundsätzlich pessimistisch. Die CDU hat es nicht vermocht, das zu ändern, sie war unentschlossen und selbst zu pessimistisch. Der Erfolg der AfD könnte für die Wirtschaft noch schwierig werden. Großkonzerne oder internationale Unternehmen womöglich Ansiedlungen in Sachsen und Sachsen Anhalt meiden und stattdessen zum Beispiel nach Thüringen gehen. Der AfD-Erfolg erschüttert jetzt schon den Tourismus, dann würde er alle Industriesparten treffen. Es ist wichtig, dass die FDP wenigstens den Einzug ins Parlament schafft, das wäre dann eine Partei, die den Menschen Hoffnung geben kann.” Quelle: Werner Schuering für WirtschaftsWoche
Lutz Petermann, Geschäftsführer des Fördertechnikspezialisten FAM, Magdeburg"Leider muss man feststellen, das die AfD es geschafft hat mehr (Nicht-)Wähler zu mobilisieren, als alle anderen Parteien bisher. Das hatte ich in dem Ausmaß nicht erwartet. Die etablierten Parteien sind für die Politik der letzten Monate insbesondere im Bund abgestraft worden. Wenn 64 Prozent der Befragten glauben, dass nur die AfD Themen anspricht, die interessieren, sollte das den gegenwärtigen agierenden Politikern stark zu denken geben. Bedauerlich ist natürlich, das man dazu in Sachsen Anhalt/Deutschland offensichtlich keine Antworten, sondern nur Sprüche braucht. Aus Unternehmersicht ist es heute kein guter Tag für Sachsen-Anhalt. Von der AfD ist keine zielführende Politik zu erwarten, auch weil ich nicht glaube, dass eine Protestpartei in der Lage sein wird ca. 23 Prozent der Parlamentssitze kompetent zu besetzen. Ich hoffe, dass die FDP noch in den Landtag kommt, um eine Koalition von CDU, SPD und FDP zu ermöglichen. Sollte das nicht klappen, bleibt als Ersatz für die FDP nur die Grünen. Das ist zwar demokratisch denkbar, ich fürchte eine solche Koalition würde noch weniger bewegen können, als wir aus den letzten Jahren schon "gewohnt" sind." Quelle: Christoph Michaelis für WirtschaftsWoche
Joachim Goldbeck, BSW Solar-Präsident, Inhaber Goldbeck Solar, Hirschberg„Die Baden-Württemberger haben in ihrer überwiegenden Mehrheit wertkonservativ gewählt. Ich sehe darin keinen Bruch, sondern den klaren Auftrag für Winfried Kretschmann, eine grün-schwarze Koalition zu bilden und Nachhaltigkeit in Kombination mit Wirtschaftskompetenz zum Markenzeichen des Südwestens zu machen. Der Erfolg der AfD zeigt, wie weit verbreitet Angst, Ohnmachtsgefühl und Unwissenheit in der Bevölkerung sind. Die Politik muss diese Menschen wieder erreichen, Chancen aufzeigen und Mut für Veränderungen machen, aber auch wehrfähig sein." Quelle: Privat
Harald Seifert, IHK-Präsident Ulm, Inhaber Seifert Logistics Group, Ulm„Die hohe Wahlbeteiligung war positiv. Egal ob jetzt eine grün-schwarze Kiwi-Koalition oder eine schwarz-rot-gelbe Deutschland-Koalition entsteht, wichtig sind die Erbschaftsteuer und der Ausbau der Infrastruktur, Stichwort Digitalisierung und der sechsspuriger schneller Autobahnausbau um Stuttgart herum, damit die täglichen Staus aufhören. Und wenn die Finanzen nicht reichen, muss wie in Bayern privat finanziert werden.“ Quelle: Privat
Wolfgang Maier, Geschäftsführer der Farmbau Fertigsysteme und des Mawell Resorts Langenburg, Baden-Württemberg„Die Zeiten, in denen die großen Blockparteien SPD und CDU 70 oder 80 Prozent bekommen haben, sind vorbei, weil klare Ansagen fehlen. Es fehlt am Rückgrat. Die Politiker sind nur noch getrieben von der Angst, ein falsches Wort zu sagen. Ich war das ganze Wochenende als Wahlhelfer unterwegs. Die Menschen, die ich gesehen habe, sind keine überzeugten AfD-Anhänger. Das sind Protestwähler. Die ganze Entwicklung ist traurig. Dabei braucht die Wirtschaft stabile, politische Verhältnisse. Uns geht es gut, aber damit das so bleibt und wir die Kosten der Flüchtlingskrise schultern können – und das können wir  – muss wirtschaftspolitisch Ordnung herrschen.“ Quelle: Privat
Carl Glauner, Geschäftsführer Alpirsbacher Klosterbräu, Alpirsbach„Die hohe Wahlbeteiligung ist erfreulich. Sie zeigt, dass die Bevölkerung politisiert ist. Erschreckend ist jedoch, was geschieht, wenn Nicht-Wähler wählen gehen. Die Volksparteien erodieren. Sie schaffen es nicht, verschiedene Strömungen zu berücksichtigen. Wir erleben einen Ruck in Richtung klientelorientierten Parteien. Ich fürchte, es wird  schwierig, zu einer stabilen Mehrheitsbildung zu kommen. Dabei brauchen wir gerade jetzt eine klare Führung, denn wir stehen am Wirtschaftsstandort Deutschland vor großen Herausforderungen. Das Wiedererstarken der FDP ist meines Erachtens erfreulich. Wir brauchen eine liberale Wirtschaftspolitik. Die Wahl in Baden-Württemberg zeigt außerdem: Politiker mit Ecken und Kanten kommen an. Winfried Kretschmann steht jenseits des Parteiprogramms  für etwas. Er ist eine echte Persönlichkeit.“ Quelle: Privat
Thorsten Bröcker, Hauptgeschäftsführer Arbeitgeberverband vem.die arbeitgeber e.V., Koblenz „Die Probleme des Wirtschaftsstandorts Rheinland-Pfalz sind nach der Landtagswahl unverändert da. Jetzt gilt es, die Probleme anzupacken, die Rheinland-Pfalz im Bundesländervergleich haben zurück fallen lassen. Das unzureichende Straßennetz muss mit dem Lückenschluss A1 in der Eifel, dem Ausbau etlicher Bundesstraßen und dem Bau einer Mittelrheinbrücke endlich wettbewerbsfähig gemacht werden. Marode Straßen und Brücken müssen endlich verstärkt saniert werden. Und der zur Bewältigung der digitalen Transformation unserer Gesellschaft und Wirtschaft vernachlässigte Breitbandausbau muss vorrangig betrieben werden. Es sind genügend Herausforderungen da, die eine stabile und anpackende Regierung bewältigen muss.“ Quelle: Privat
Martin Herrenknecht, Chef des Tunnelbohrmaschinenbauers Herrenknecht im badischen Schwanau„Klar, als CDU-Mann lassen mich die Wahlergebnisse in Baden-Württemberg nicht kalt. Das gilt auch für Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt. Aus meiner Sicht macht es aber keinen Sinn, Schnappatmung zu bekommen, da es mal ganz anders ausgegangen ist. Von einem massiven Rechtsruck zu reden, ist ebenso überzogen. Mit den Denkschablonen der vergangenen zwanzig Jahre kommen wir heute nicht mehr weiter. Die etablierten Volksparteien, vorne weg die CDU, müssen endlich wieder aktiver und konkreter die wahren Probleme  und Herausforderungen des Landes anpacken und durch entsprechende Programme sauber abarbeiten. Die Zukunft Deutschlands wird nicht in Talkshows oder durch Statistik entschieden, sondern durch verbindlich umgesetzte Politik, die die Bürgerinnen und Bürger überzeugt und ihnen Sicherheit selbst in historisch besonderen Zeiten gibt. Ich denke nicht, dass Herr Kretschmann großartige Empfehlungen und Ratschläge benötigt, wie und mit welchen Parteien er eine neue Landesregierung stellt. Die Bürgerinnen und Bürger haben ihm ein eindeutiges Mandat gegeben, mit den Grünen die neue Landesregierung anzuführen. Bequeme Konstellationen wird es nicht geben, aber so ist das in der Politik. Meiner eigenen Partei will ich da jetzt keine Ratschläge geben, mir tut es etwas leid für  Guido Wolf. Mir erscheint einzig wichtig, dass schnell, verbindlich und konkret mit sauber aufgestellter Mannschaft das Land vernünftig in die Zukunft geführt wird. Baden-Württemberg ist ein Grundpfeiler von Deutschlands Stabilität. Wer auch immer jetzt das Heft des Handelns in Baden-Württemberg in die Hand nimmt, hat echte Verantwortung über Baden-Württemberg hinaus.“ Quelle: dpa Picture-Alliance

Stark ausgeprägte Eitel- und andere Nichtigkeiten siegten über den schwachen Willen zur Politik. Diese Jämmerlichkeit gipfelte in der Parteitagsklatschorgie von Karlsruhe, die auf viele Wähler an Rhein und Neckar  eher abstoßend gewirkt haben dürfte.

Aber es gibt doch den Seehofer! Für Merkels verzweifelte Kritiker an der Basis ist der CSU-Chef ein schwacher Trost. Hätte Seehofer nicht schon vor Monaten mit einer Klage vor dem Bundesverfassungsgericht gedroht, hätte er nicht schon bei zahlreichen Gelegenheiten mit markigen Worten der „lieben Angela“ seinen grundlegenden Dissens gegeigt, dann würde man jetzt einen großen Machtkampf innerhalb und zwischen den Unionsparteien erwarten.

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Aber da Seehofer in den vergangenen Monaten viele deutliche Worte sprach, denen keine Taten folgten, hält sich im Kanzleramt die Furcht vor seiner angekündigten „härteren Gangart“ vermutlich in Grenzen. Wenn Seehofer nicht als zahnloser Tiger aus Ingolstadt in die deutsche Geschichte eingehen will, dann bietet sich ihm jetzt die letzte Gelegenheit.

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