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TauchsiederHeimat an die Front

AfD wirkt. Zwei Wochen nach der Wahl zettelt die Union einen Überbietungswettbewerb in Vaterlandsliebe an. Das erste Kernprojekt der Jamaika-Koalition: ein Heimatministerium.Dieter Schnaas 07.10.2017 - 08:30 Uhr

„Beglückt darf nun dich, o Heimat, ich schauen / und grüßen froh deine lieblichen Auen“: im saarländischen Bliesgau

Foto: Getty Images

Zu den wunderbarsten Richard-Wagner-Halbstunden gehört der Auftakt des dritten Aktes des „Tannhäuser“: Elisabeth liegt „vor dem Muttergottesbilde betend ausgestreckt“, der gute Wolfram steigt „einsam aus wald’ger Höh“ herab - und ein Chor von heimkehrenden Pilgern stimmt demutsvoll und flüsterleise eine unendlich schöne, „fromme Weise“ an: „Beglückt darf nun dich, o Heimat, ich schauen / und grüßen froh deine lieblichen Auen“… So romantisch, empfindsam, seelenvoll (und gesamtkunstwerklich umfassend) wie Wagner hat vielleicht nie wieder jemand ausgedrückt, was man in Deutschland heute landläufig und idealerweise unter „Heimat“ versteht: ein ins Transzendente reichendes Gefühl innerer Verbundenheit.

Einem solchen Heimatgefühl der Tiefe und Weite ist alles Flache und Enge naturgemäß fremd - womit mit Blick auf die politischen Prosafassungen des Heimatbegriffs eigentlich schon alles Nötige gesagt wäre. Allein die professionellen Demokraten in Berlin wollen sich angesichts des Wahlerfolgs der „Alternative für Deutschland“ partout nicht kurz fassen.

Sie reagieren so angsthaft und verschreckt auf den inflationären Gebrauch, den AfD-Spitzenpolitiker Alexander Gauland von scheinidentitären Personalpronomina macht (Wir werden uns unser Land und unser Volk zurück holen“), dass „Heimat“ in Deutschland nun wieder Karriere zu machen droht als weltanschaulicher Kampfbegriff mit Dekretfunktion und Bekenntnischarakter.

Platz 10: Bodensee

Der Bodensee in Baden-Württemberg bietet Touristen eine Vielzahl von Freizeitangeboten. Im Juni gab es hier knapp eine Millionen Übernachtungen.

Foto: dpa

Platz 9: Vorpommern

Das Gebiet Vorpommern liegt im östlichen Drittel von Mecklenburg-Vorpommern und grenzt an der Ostsee. Die Küste, so wie hier in Greifswald, ist ein beliebtes Urlaubsziel.

Foto: dpa

Platz 8: Main und Taunus

Das Main-Taunus-Gebiet in Hessen ist bei den deutschen Touristen auf Platz 8. Der Grund dafür dürfte wohl vor allem die Börsenstadt Frankfurt sein.

Foto: dpa

Platz 7: München

Die bayrische Landeshauptstadt ist aufgrund des Oktoberfestes ein beliebtes Touristenziel. Aber auch außerhalb der Festsaison hat die Stadt viel zu bieten, wie etwa das Schloss Nymphenburg. Im Juni gab es in München 1,2 Millionen Übernachtungen.

Foto: dpa

Platz 6: Hamburg

Die zweitgrößte deutsche Stadt konnte im Vergleich zum Vorjahr ordentlich aufholen und verzeichnete im Juni knapp 1,3 Millionen Übernachtungen. Grund dafür ist sicher auch die neu eröffnete Elbphilharmonie.

Foto: dpa

Platz 5: Allgäu

Die Allgäuer Alpen bieten nicht nur ein schönes Panorama, sondern sind auch ein beliebtes Urlaubsziel für Wanderer. Deshalb landet die Landschaft zwischen Bayern und Baden-Württemberg auf Platz 5 der beliebtesten Touristenziele Deutschlands. Im Juni gab es hier 1,4 Millionen Übernachtungen.

Foto: dpa

Platz 4: Ostsee

Der Ostseestrand in Schleswig-Holstein bietet mit Strandkörben und Sand Urlaubsfeeling innerhalb Deutschlands. Deshalb ist er auch so beliebt: Im Juni gab es hier 1,6 Millionen Übernachtungen.

Foto: dpa

Platz 3: Schwarzwald

Auf dem dritten Platz liegt der Schwarzwald in Baden-Württemberg. Touristen, wie hier auf dem Feldberg, benutzen die Gegend vor allem zum Wandern.

Foto: dpa

Platz 2: Nordsee

Die Nordseeküsten in Schleswig-Holstein und Niedersachen sind das zweitbeliebteste innerdeutsche Reiseziel. Urlauber genossen das sonnige Wetter am Strand und verbrachten im Juni knapp 2,2 Millionen Nächte in den Unterkünften der Küstenorte.

Foto: dpa

Platz 1: Berlin

Die Bundeshauptstadt ist der Touristenmagnet Deutschlands. Mit knapp drei Millionen Übernachtungen im Juni ist sie der absolute Spitzenreiter.

Foto: dpa

Der gutmeinende Bundespräsident zum Beispiel, Frank-Walter Steinmeier (SPD), hat am Tag der deutschen Einheit gesagt, man dürfe die „Sehnsucht nach Heimat - nach Sicherheit, nach Entschleunigung, nach Zusammenhalt und Anerkennung“ nicht den Nationalisten überlassen - und ist damit Gauland vollständig auf den Leim gegangen. Wie kommt Steinmeier bloß darauf, den Begriff der „Heimat“ im Sinne Richard Wagners all seiner schillernden, emotionalen Bedeutungsfülle zu berauben, um ihn im Sinne Alexander Gaulands seiner prosaisch-politischen Bearbeitbarkeit und Ausbeutung anheimzustellen? Warum zwingt Steinmeier zusammen, was nicht zusammen gehört: einerseits das affektive Verlangen nach Geborgenheit und Resonanz, das sich an Schützenfeste oder Schiller, an Gebirgsbäche oder Gottesdienste knüpfen kann - und andererseits die nüchtern anzugehende Aufgabe der Politik, die (materiellen) Voraussetzungen für ein soziales Miteinander von 80 Millionen Deutschen zu schaffen, die je ihre eigenen Vorstellungen von Heimat haben?

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Es ist daher auch kein Zufall, dass Steinmeier in derselben Rede vor „dem Blödsinn von Blut und Boden“ warnt - gerade so, als seien Verwandtschaft und territoriale Herkunft, nur weil die Nationalsozialisten sich beides ideologisch anverwandelt haben, keine wichtigen Quellen gelingender Identitätsbildung. Statt dessen hätte Steinmeier sagen müssen, dass er sich jede politische Inanspruchnahme und Ausdeutung dessen, was „Heimat“ sein zu sollen hat, verbittet - zumal als Präsident einer Nation, die die Grenzen dessen, was sie alles beheimaten soll, im 20. Jahrhundert buchstäblich sehr weit ausgelegt hat. Steinmeier hätte außerdem sagen können, dass „Heimat“ sich paradoxerweise nicht fixieren lässt, dass „Heimat“ definitionsgemäß in Heimatlosigkeit wurzelt, genauer: in der Unbestimmbarkeit einer fluiden Identität, die sich einer Vielzahl von Herkünften, Prägungen, Traditionen, Begegungen, Erfahrungen, Reisen - und Erinnerungen - verdankt.

Platz 10: Hamburg, Deutschland

Die Hansestadt Hamburg ist die einzige deutsche Metropole, die laut einer neuen Studie der Unternehmensgruppe Economist Intelligence Unit zu den Top Ten der lebenswertesten Städten der Welt gehört. Auf Platz 21 kam Frankfurt, dicht gefolgt von Berlin (23) und München (24). Düsseldorf schaffte es noch auf den 32. Rang.

Für die Rangliste werden jedes Jahr verschiedene Werte von insgesamt 140 Städten miteinander verglichen. Gemessen wird unter anderem, wie es in Sachen Gesundheitswesen, Kultur, Umwelt, Bildung und Infrastruktur steht. Einbezogen wird zum Beispiel aber auch, wie groß die Gefahr von Terroranschlägen ist.

Foto: dpa

Platz 9: Helsinki, Finnland
Stabilität und Gesundheitsversorgung werden in Helsinki groß geschrieben. Die Stadt ist zudem reich an Industrie: Man findet dort Lebensmittel-, Metall- und Chemieverarbeitung. Auch die Textilwirtschaft hat sich in der finnischen Hauptstadt angesiedelt.

Foto: AP

Platz 8: Auckland, Neuseeland

Auf Rang acht ist Auckland. Ein Drittel der Neuseeländer lebt hier. Die Hauptwirtschaftszweige sind Tourismus, Außenhandel und das Finanzwesen.

Foto: REUTERS

Platz 7: Perth, Australien

Perth ist die Haupt- und zugleich größte Stadt in West-Australien. Den Löwenanteil der Wirtschaft macht der Bergbau aus.

Foto: REUTERS

Platz 5: Adelaide, Australien

Die zweite australische Stadt im Ranking schafft es auf Platz fünf. Die Stadt liegt im Süden Australiens.

Foto: WirtschaftsWoche

Platz fünf: Calgary, Kanada
Platz fünf gibt es doppelt: Sowohl die wichtigsten Energieunternehmen Kanadas als auch ein Großteil der Finanzindustrie haben hier ihren Sitz. Ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist aber auch die Film- und Fernsehproduktion.

Foto: REUTERS

Platz 4: Toronto, Kanada

Auch Platz vier geht (wie letztes Jahr) an eine Stadt aus Kanada und zwar Toronto.

Quelle: The City of Toronto bei Flickr

Foto: Creative Commons

Platz 3: Vancouver, Kanada

Platz drei geht 2017 ebenso wie bei der letzten Studie an Vancouver. Die zweite kanadische Stadt in den Top Ten schafft es aufs Treppchen. Beim Startup Ecosystem Report 2012 wurde Vancouver als eine der Start-up-freundlichsten Städte der Welt ausgezeichnet.

Foto: AP

Platz 2: Wien, Österreich

Wie schon 2016 liegt die österreichische Hauptstadt auf Platz zwei der lebenswertesten Städte der Welt. An Wien gefiel den Autoren der Studie beispielsweise die niedrige Kriminalitätsrate. So habe es in Wien laut Polizeistatistiken in den vergangenen Jahren nur einen Mord gegeben - während etwa Detroit in den USA allein 2016 mehr als 300 Morde verzeichnete.

Foto: dpa

Platz 1: Melbourne, Australien
Melbourne ist die lebenswerteste Stadt der Welt: Der Gesundheits- und Pflegebereich dominiert die Wirtschaft Melbournes, hier werden auch die meisten Menschen neu eingestellt.

Foto: WirtschaftsWoche

Chance vertan? Nächstes Mal besser? Nicht mit der Union. Die will Steinmeier keinesfalls nachstehen, im Lichte des AfD-Erfolgs schon gar nicht die Chance einer Patriotismus-Debatte verpassen - und zettelt also flugs einen Überbietungswettbewerb in Vaterlandsliebe an:  Mike Mohring (CDU), Fraktionschef in Thüringen, hat diese Woche ein Bundesheimatministerium gefordert! Kein Scherz: Es ist die erste konkrete politische Position, die die Union vor den Sondierungsgesprächen mit FDP und Grünen einnimmt. Natürlich hat Mohring ein hehres Anliegen: Er will mit seinem Heimatministerium „den ländlichen Raum stärken“ und für “gleichwertige Lebensverhältnisse in ganz Deutschland“ sorgen, denn „gerade in den ländlichen Gebieten“, ergänzt Bundestags-Fraktionschef Volker Kauder (CDU), „herrscht verbreitet das Gefühl, mehr und mehr abgehängt zu werden.“ In Bayern gibt es deshalb bereits ein „Ministerium der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat“. Und in Nordrhein-Westfalen hat Schwarz-Gelb daher soeben ein „Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung“ eingerichtet.

Knauß kontert

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Ist das alles noch Ironie? Oder doch schon eine Kapitulation des Geistes? Mal ganz abgesehen davon, dass man in der Union „Heimat“ mit „ländlichem Raum“ gleichzusetzen scheint und Großstädte als Brutstätten kosmopoliter Hipster offenbar für verloren hält; mal ganz abgesehen auch davon, dass man sich schon jetzt darauf freuen darf, dem ersten Heimatminister der Union dabei zuzusehen, wie er Berliner Lebensverhältnisse nach Berchtesgaden trägt: Hier geht’s nicht um „Heimatpolitik“, sondern hier ginge es um eine Infrastruktur- und Sozialpolitik, um die sich gerade die „bürgerlichen Parteien“ so gerne herumdrücken.

Freilich: Den Vogel im politischen Heimat-Bingo schießen fürs Erste die Grünen ab. Erst trat Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt den Beweis dafür an, dass ihre Parteigänger allen anderen Menschen selbst in Sachen Patriotismus moralisch überlegen sind, indem sie allen Deutschen einen Begriff von Heimat anbot: „Wir lieben dieses Land. Das ist unsere Heimat. Und diese Heimat spaltet man nicht.“ So rückstandslos und schadstofffrei, so tolerant und all inclusive, über alle Hautfarben, Geschlechter, Religionen und Weltanschauungen hinweg, kurz: so grenzenlos diversity-deutsch war „Heimat“ hierzulande noch nie.

Platz 10: Bremen

Drei Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, "am wenigsten gerne" in Bremen leben zu wollen, wäre der Wohnsitz frei wählbar. Besonders unbeliebt ist die Freie Hansestadt in der Altersgruppe der 18-24-Jährigen. In dieser Gruppe gaben sogar vier Prozent der Befragten an, hier keinesfalls wohnen zu wollen.

Quelle: YouGov, Stand: 02.02.2016

Methode: In der Umfrage wurden 1355 Teilnehmer gebeten, aus den 14 deutschen Großstädten mit über 500.000 Einwohnern jene auszuwählen, in der sie am wenigsten gerne leben wollen.

Foto: DPA

Platz 9: Hamburg

Weitaus überraschender: Hamburg taucht sowohl in der Liste der attraktivsten Städte Deutschlands auf - und zwar sogar auf Platz eins - , als auch unter den unbeliebtesten Großstädten. Immerhin fast vier Prozent der Befragten gaben an, nicht in der größten Hafenstadt Deutschlands leben zu wollen. Insbesondere Vorstädter aus dem Osten würden ihren Wohnort nur sehr ungerne nach Hamburg verlegen (4 Prozent).

Foto: DPA

Platz 8: Köln

Auch bei der Rheinmetropole Köln scheiden sich die Geister: Sechs Prozent der Befragten gaben an, in Deutschland am liebsten in Köln leben zu wollen, genauso wie sechs Prozent, die am wenigsten gerne hier wohnen würden. In der Altersgruppe der 18 bis 24-Jährigen gilt Köln seit diesem Jahr als besonders unattraktiv: Die Vorfälle der Silvesternacht scheinen Spuren hinterlassen zu haben. Während 2013 in dieser Altersgruppe gerade einmal drei Prozent angaben, nicht gerne in Köln leben zu wollen, waren es in diesem Jahr schon satte neun Prozent. Insgesamt landet Köln damit auf Platz acht im Ranking.

Foto: DPA

Platz 7: Dortmund

Dortmund ist für über sechs Prozent der Umfrageteilnehmer kein attraktiver Wohnort. 86 der insgesamt 1355 Umfrageteilnehmer gaben an, ihren aktuellen Wohnort nicht gerne gegen Dortmund eintauschen zu wollen. Besonders unbeliebt ist die Großstadt in der Metropolregion Rhein-Ruhr bei jüngeren Leuten (18 bis 24 Jahre). In dieser Altersgruppe sympathisieren sogar neun Prozent nicht mit Dortmund.

Foto: dpa

Platz 6: Essen

110 Umfrageteilnehmer gaben an, am wenigsten gerne in Essen leben zu wollen, das entspricht rund acht Prozent der befragten Personen. Besonders Männer und Menschen im Alter von 25-34 Jahren und 55 Jahre oder älter fühlen sich nicht gerade zu der Großstadt im Herzen des Ruhrgebiets hingezogen.

Foto: DPA

Platz 5: Frankfurt am Main

Noch unbeliebter ist Frankfurt am Main, die größte Stadt in Hessen. Fast 8,5 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, hier am wenigsten gerne leben zu wollen. Unter den 45 bis 54-Jährigen geben sogar 11 Prozent an, Frankfurt als Wohnort meiden zu wollen. In der Altersgruppe der 35 bis 44-Jährigen haben dagegen nur fünf Prozent etwas gegen die Stadt einzuwenden.

Foto: DPA

Platz 4: München

Bei der Millionenstadt München sind sich die Studienteilnehmer erneut nicht einig: Unter den attraktivsten Städten ist München ganz weit oben vertreten (Platz 2), doch auch bei den unbeliebten Städten landet die Stadt im Freistaat Bayern unter den Top 5 auf Platz vier. Fast neun Prozent der Befragten gaben an, hier "am wenigsten gerne" leben zu wollen.

Foto: Dpa

Platz 3: Dresden

Auf dem dritten Platz der unattraktivsten Großstädte landet Dresden, die Landeshauptstadt des Freistaates Sachsen. Fast 9,5 Prozent gaben Dresden als unattraktivste Stadt an - das entspricht 127 von 1355 befragten Personen. Insbesondere Menschen mit Migrationshintergrund meiden die Stadt in Ostdeutschland (13 Prozent). Das könnte an der mangelnden Willkommenskultur der Pegida-Hochburg liegen. Während 2013 nur sechs Prozent der 18- bis 24-Jährigen und fünf Prozent aller Befragten das „Elbflorenz“ als unattraktivste Stadt angaben, sind es heute satte 12 Prozent.

Foto: DPA/Picture-Alliance

Platz 2: Leipzig

Mit durchschnittlich zehn Prozent beziehungsweise 142 befragten Personen landet Leipzig auf Platz zwei im Ranking der unattraktivsten Städte Deutschlands. In der Altersgruppe der 45 bis 54-Jährigen lehnen die Stadt sogar 13 Prozent als Wohnort klar ab. Platz zwei geht damit an die einwohnerstärkste Stadt Sachsens.

Foto: DPA

Platz 1: Berlin

Unangefochtener Spitzenreiter im Ranking ist - wie schon im Vorjahr - die Bundeshauptstadt Berlin. 14 Prozent der Befragten sagen (mit den Worten der Band „Kraftklub“): „Ich will nicht nach Berlin“. Paradoxerweise landet die größte Stadt Deutschlands gleichzeitig auf dem dritten Platz der beliebtesten Städte, mit 11 Prozent der Stimmen. Allerdings sinkt in dem Fall die Beliebtheit auch mit zunehmendem Alter. Ab 55 präferieren nur noch neun Prozent Berlin als Wohnort.

Foto: Dpa

Aber diese „Heimat“ ist eben immer noch eine deutsche Heimat - was prompt die Weltbürger der Grünen Jugend auf die Palme trieb: „Heimat“, dekretierten sie, „ist ein ausgrenzender Begriff“, der keine Antworten biete auf die planetarischen Herausforderungen unserer Tage. Offenbar gefallen sich die jungen Grünen so sehr in der Vorstellung, internationale Luftwurzelwesen zu sein, dass ihnen gar nicht auffällt, wie sehr sie darin den Libertären und Ultrareichen gleichen, die ihr Recht auf Unbehaustsein nicht lebenskulturell, wohl aber steuerpolitisch wahrnehmen.      

Auch nehmen die jungen Grünen nicht wahr, dass sie an derselben Politisierung des Heimatbegriffs arbeiten wie Gauland, Kauder und Steinmeier. Und dass auch ein radikal entpolitisierter Heimatbegriff der Tiefe und Weite seine Akzentierungen und Grenzen haben darf. Wenn sich etwa die Schriftsteller Monika Maron, Martin Mosebach oder Botho Strauß im Zuge der Flüchtlingskrise um das „Nationale“ gesorgt haben, so bedeutet das nicht, dass sie das Fremde und Andere ablehnen, sondern in Sorge um das Desinteresse am Eigenen sind: Wohinein sollen Zuwanderer integriert werden, wenn die Deutschen keine Verbindung mehr zu ihrer Vergangenheit haben, nicht mehr im Gespräch mit sich selbst sind über ihre religiösen, kulturellen und politischen Wurzeln?

Eine solche Frage ist legitim - nicht zuletzt weil jede Individuation aus nichts anderem als Differenzbildung besteht: Man muss anders als andere sein, um überhaupt sein zu können. Wahr ist aber auch (und heute mehr denn je), dass wir alle „kulturelle Mischlinge“ sind, dass „unsere Identitäten nicht mehr kernartig, sondern straussartig“ verfasst sind, so der sträflich wenig gelesene Philosoph Wolfgang Welsch: dass wir transkulturelle Wesen sind, die von lokalen, regionalen und globalen Prägungen geformt werden, die die traditionellen „nationalen Kulturfiktionen“ überlagern. Wer angesichts dieser Elementartatsachen „Heimat“ national engführt (Gauland), sie politisch zu positivieren versucht (Steinmeier, Kauder), sie expansiv entleert (Göring-Eckardt) oder gar ihre identitätsbildende Kraft leugnet (Grüne Jugend), sollte zur Abwechslung mal nicht in die nächste Talk-Show rennen, um die Deutschen mit seiner Heimat-Version zu traktieren.  Sondern sich einfach mal (wieder) Zeit für den „Tannhäuser“ nehmen.

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