1. Startseite
  2. Politik
  3. Deutschland
  4. Was die Parlamentarier zum Wirecard-Skandal von Karl-Theodor zu Guttenberg wissen wollen

Wirecard-AusschussDie wichtigsten Aussagen und Momente im Überblick

Was wussten Karl-Theodor zu Guttenberg und Ole von Beust? Warum unterstützte die Bundesregierung Wirecards Expansion in Asien? Im Wirecard-Ausschuss ging es hoch her. Protokoll einer intensiven FragerundeBenedikt Becker, Volker ter Haseborg 07.05.2021 - 11:21 Uhr aktualisiert

Der Wirecard-Untersuchungsausschuss im Bundestag beginnt mit der Befragung von Karl-Theodor zu Guttenberg.

Foto: Volker ter Haseborg für WirtschaftsWoche

Der parlamentarische Untersuchungsausschuss zum Wirecard-Bilanzskandal kam an diesem Donnerstag zum letzten Mal in diesem Jahr zusammen. Die Abgeordneten wollten sich mit der Arbeit der prominenten Lobbyisten des insolventen Zahlungsabwicklers befassen. Bekanntester Strippenzieher war der ehemalige Wirtschafts- und Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Er war ebenso als Zeuge geladen wie der ehemalige Hamburger Bürgermeister Ole von Beust. 

Die beiden Politiker hatten sich in ihrer Eigenschaft als Wirecard-Lobbyisten an die Bundesregierung gewandt. Besonders interessant für die Abgeordneten ist der Besuch von Guttenberg am 3. September 2019 im Kanzleramt: Er traf mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zusammen und warb für den Markteintritt von Wirecard in China. Ob und in welcher Weise sich Ministerien und Diplomaten einspannen ließen, soll auch durch die Zeugenaussagen mehrerer Beamter geklärt werden. Als Zeugen geladen waren zudem etwa Lars-Hendrik Röller, Wirtschaftsberater im Kanzleramt. Und: Wolfgang Schmidt, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium. 

Live-Blog
(inklusive der Blogbeiträge zur Ausschusssitzung am 26. November)

07.05.2021 – 09:21 Uhr Volker ter Haseborg
Ich verabschiede mich an dieser Stelle von Ihnen. Hat Spaß gemacht! Wenn Sie nicht schon Wiwo-Abonnent sind: Denken Sie doch mal drüber nach, unsere journalistische Arbeit zu unterstützen. Dann können wir Ihnen kostenlose Services wie diesen Liveblog hier ermöglichen. Bis bald! 
07.05.2021 – 09:18 Uhr Volker ter Haseborg

Und jetzt schließlich der fünfte Zeuge von heute Morgen: BND-Chef Bruno Kahl. Conclusio: Der BND hatte Wirecard und Jan Marsalek vor der Pleite nicht auf dem Schirm. Welche Informationen in der Zwischenzeit vorliegen, bleibt geheim. Nicht geheim aus meiner Sicht ist die Frage: Warum hatte Ex-Geheimdienstkoordinator Bernd Schmidbauer – ein Mann von über 80 Jahren – mehr geheimdienstliche Erkenntisse als die deutschen Geheimdienste? Vielleicht verrät Kahl dies den Abgeordneten gleich in der geheimen Sitzung.

07.05.2021 – 09:17 Uhr Volker ter Haseborg

Den vierten Zeugen, den Geheimdienstkoordinator aus dem Bundeskanzleramt, erspare ich Ihnen. Die Vernehmung war langweilig, brachte nichts. Ich war froh, dass ich um kurz nach Eins in Hotel konnte...

07.05.2021 – 09:16 Uhr Volker ter Haseborg

Dritte Zeugin war die langjährige Assistentin von Jan Marsalek, Frau H.. Sie gab an, von Milliardenbetrug nichts mitbekommen zu haben, schilderte Marsalek als zurückhaltenden, loyalen Chef, der selten im Büro war. Sie habe dessen Reisen koordiniert, doch Marsalek führte ihren Angaben zufolge ein Eigenleben, schmiss Reisepläne oft über den Haufen. Dass Marsalek mal in Syrien war? Hat H. nicht interessiert. Was ich besonders interessant fand: H. hat bestätigt, dass sie in zwei Fällen in Bargeld-Abflüsse bei Wirecard involviert war. Einmal seien 300.000 Euro, einmal 200.000 Euro von der Wirecard-Bank abgehoben und in Plastiktüten an Partner von Wirecard übergeben worden. Orchestriert von Marsalek. In einem Fall gingen 300.000 Euro in Plastiktüten an den schillernden „Porno-Baron“ Hamid „Ray“ Akhavan. Akhavan ist ein enger Gefolgsmann von Marsalek, taucht immer wieder in dessen Nebengeschäften auf. Wegen Geldwäsche stand „Ray“ in den USA jüngst vor Gericht, wurde für schuldig gesprochen. 

07.05.2021 – 09:15 Uhr Volker ter Haseborg

Zweiter Zeuge war der langjährige Wirecard-Anwalt Franz Enderle. Er hat bestätigt, dass er im Jahr 2019 Informationen an die Münchner Oberstaatsanwältin Hildegard Bäumler-Hösl weitergegeben hat. Die Staatsanwaltschaft gab die Infos ungeprüft an die Bafin weiter – was schließlich zum verhängnisvollen Leerverkaufsverbot führte.

 Enderles Infos sollten belegen, dass die damals kritisch berichtende „Financial Times“ im Bunde mit Shortsellern stand – und dass Wirecard darüber hinaus noch von der Nachrichtenagentur Bloomberg erpresst wurde. Enderle bestätigte gestern seinen damals engen Draht zur Staatsanwaltschaft, dass er sogar Infos zu Presseanfragen zu Wirecard bekam. Er besteht darauf, dass es gute Belege für die Anschuldigungen gegeben hat. Es sei nicht seine Aufgabe gewesen, die Dokumente bis ins letzte Detail zu überprüfen. Er sah sich als eine Art Dienstleister der Staatsanwaltschaft. Und heute sieht er sich, na klar, auch von Wirecard hintergangen. 

07.05.2021 – 09:14 Uhr Volker ter Haseborg

Erster Zeuge gestern war der EY-Partner Christian Muth. EY prüfte über viele Jahre die Wirecard-Bilanzen. Muth war zuständig für das „Projekt Ring“, bei dem EY Unregelmäßigkeiten bei der größten Übernahme der Wirecard-Geschichte untersuchte. Es ging um die Frage, ob Wirecard-Manager (Marsalek!) bei dem Deal, bei dem über 300 Millionen Euro an einen mysteriösen Fonds auf Mauritius flossen, Geld abgezweigt hatten. Muth hat gestern gesagt, dass er viele Fragezeichen hatte – dass Wirecard die Untersuchung jedoch 2018 beendet habe. Er zeigte sich frustriert darüber, dass seine Kollegen Wirecard trotzdem die Bilanzen testierte. Und: Er sagte, dass seine für die Bilanzprüfung zuständigen Kollegen über seine Zweifel am Indien-Deal informiert gewesen seien. Das könnte Munition für Anleger-Anwälte sein, die EY auf Schadenersatz verklagen.

07.05.2021 – 09:13 Uhr Volker ter Haseborg

Gestern saß ich hier übrigens 14,5 Stunden. Was mein Kollege Benedikt Becker und ich dabei gebloggt haben, können Sie nachlesen, wenn Sie hier im Text gaaanz nach unten scrollen. Wenn Ihnen das zu umständlich ist, hier ein paar Einordnungen von mir, ich habe ja inzwischen ein paar Stunden drüber geschlafen:

07.05.2021 – 09:13 Uhr Volker ter Haseborg
Das war jetzt mal ne kurze Sitzung. 
07.05.2021 – 09:12 Uhr Volker ter Haseborg
Die Abgeordneten haben keine Fragen mehr in öffentlicher Sitzung. Das heißt: Jetzt startet die geheime Sitzung, bei der ich nicht zuhören darf.
07.05.2021 – 09:11 Uhr Volker ter Haseborg
Jens Zimmermann (SPD) fragt noch nach dem Komplex Heckler & Koch. Ex-Wirecard-Finanzchef Burkhard Ley hatte den Heckler & Koch-Investor Nicolas Walewski beraten. Wirecard-Lobbyist und Ex-Geheimdienstkoordinator Klaus-Dieter Frische sollte sogar H&K-Aufseher werden. War der BND informiert? Kahl fragt nach, ob das Thema überhaupt zum Untersuchungsgegenstand des Ausschusses gehört. Antwort der Abgeordneten: ja. Kahl sagt: Das einzige, was der BND dazu sagen kann: Walewski war Aktionär. "Mehr wissen wir zu der Sache nicht."
07.05.2021 – 09:08 Uhr Volker ter Haseborg
Hat der BND die Übernahme des chinesischen Zahlungsdienstleisters AllScore von Wirecard begleitet? Da sei ihm nichts bekannt, sagt Kahl.
07.05.2021 – 09:07 Uhr Volker ter Haseborg
07.05.2021 – 09:06 Uhr Volker ter Haseborg
07.05.2021 – 09:04 Uhr Volker ter Haseborg
De Masi fragt nach Erkenntnisse des BND über Marsaleks Investitionen in verschlüsselte Kommunikationstechnologie. Dazu habe er keine Erkenntnisse, sagt Kahl. 
07.05.2021 – 09:03 Uhr Volker ter Haseborg
Hat der BND ein Foto von der Leiche des ehemaligen Wirecard-Managers Christopher Bauer gesehen? Spannende Frage. Bauer starb 2020, er war einer der engsten Kumpel von Marsalek. Der BND habe keine Erkenntnisse über die Medienberichterstattung hinaus, sagt Kahl. 
07.05.2021 – 09:01 Uhr Volker ter Haseborg
Fabio De Masi fragt, ob es Amtshilfeersuchen von ausländischen Diensten an den BND im Zusammenhang mit Wirecard? Nein, sagt Kahl. 
07.05.2021 – 08:53 Uhr Volker ter Haseborg
Sind befreundete Nachrichtendienste auf den BND wegen Wirecard zugekommen? Auch geheim.
07.05.2021 – 08:52 Uhr Volker ter Haseborg
Kay Gottschalk (AfD) fragt jetzt nach Informationen, die der BND nach der Pleite zu Wirecard gewonnen hat. "Da sind uns einige Erkenntnisse zugewachsen", sagt Kahl. Aufenthaltsort Marsalek, Zusammenarbeit mit ausländischen Diensten. Mehr Details will er nicht öffentlich nennen.
07.05.2021 – 08:51 Uhr Volker ter Haseborg
Haben Wirecard-Mitarbeiter für den BND gearbeitet? Es gebe keine Hinweise, ob Mitarbeiter als Informanten oder Quellen für den BND gearbeitet haben, sagt Kahl.
07.05.2021 – 08:48 Uhr Volker ter Haseborg
Zu Marsaleks Libyen-Connection hatte der BND auch keine Erkenntnisse.
07.05.2021 – 08:46 Uhr Volker ter Haseborg
Lisa Paus fragt: Was machen Sie denn eigentlich im Bereich Geldwäsche? Kahl: "Wir arbeiten auf Hinweise von deutschen Behörden, auf Hinweise von ausländischen Behörden und aufgrund von eigenem Aufkommen." Aus allen drei Kanälen sei nichts zu Wirecard eingelaufen.
07.05.2021 – 08:42 Uhr Volker ter Haseborg
Wirecard und die Paradise Papers - die Kollegen von der "Süddeutschen Zeitung" haben darüber 2017 so berichtet: 
07.05.2021 – 08:41 Uhr Volker ter Haseborg
Lisa Paus (Grüne) fragt nach Erkenntnissen des BND, warum Wirecard in den Paradise Papers aufgetaucht ist. Das BKA sei dafür zuständig, sagt Kahl. Darüber hinaus habe er kein Wissen zu den Fall. 
07.05.2021 – 08:38 Uhr Volker ter Haseborg
De Masi hätte gerne Informationen über den ehemaligen BVT-Mitarbeiters Egisto O., der für Marsalek gearbeitet haben soll. Er soll Marsalek bei dessen Flucht geholfen haben. Kahl kann nicht helfen. "Der BND hat hierzu keine eigenen Erkenntnisse." De Masi hört gut zu - er fragt nach Erkenntnissen anderer Behörden. Das will Kahl nachher sagen. De Masi will, dass Kahl das, was er nicht weiß, nachliefert.
07.05.2021 – 08:34 Uhr Volker ter Haseborg
De Masi fragt nach dem Libyer El-Obeidi. Dieser soll sich auch in Deutschland aufgehalten haben. Er selbst habe dazu keine Erkenntnisse, sagt Kahl. Zuständig dafür wären die Bundespolizei und der Verfassungsschutz.


Mehr zum Thema: Am 19.11.2020 war auch Ex-Wirecard-Chef Markus Braun im Untersuchungsausschuss vorgeladen. Protokoll einer absurden Fragerunde.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick