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Euro-Krise Sind Europas Banken noch zu retten?

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Furcht vor der Kapitalflucht

Mario Draghi, Präsident der EZB, versucht Europas Banken zu retten - und gleichzeitig den Euro Quelle: Laif

Europa leidet unter seinem aufgeblähten Bankensystem. Die Bankschulden von Griechenland, Irland, Italien, Portugal und Spanien betragen 9,2 Billionen Euro und sind damit rund dreimal so groß wie die Staatsschulden dieser Länder, hat ifo-Präsident Hans-Werner Sinn errechnet. Im Vergleich dazu ist die Bankenlandschaft in den USA geradezu solide – dort sind die Bilanzsummen in etwa genau so groß wie das amerikanische BIP. Zudem betragen die Verbindlichkeiten von 20 europäischen Banken jeweils mehr als die Hälfte der Wertschöpfung ihres Heimatlandes. Die Folge: Europas Staaten können kaum glaubhaft machen, dass sie ihre Banken vor einem Kollaps retten könnten – und die insgesamt elf Billionen Euro auf europäischen Kundenkonten sicher sind.

Wenn eine Bank fällt, so die Erwartung, dürften Sparer in ganz Europa in Panik ihre Konten leer räumen. Kapitalflucht ist schon jetzt ein Thema, nicht nur in Irland und Griechenland. Auch in Spanien gingen die Einlagen innerhalb eines Jahres um knapp acht Prozent zurück. Skepsis gegenüber Europa zeigen auch US-Geldmarktfonds. Sie haben ihr Engagement deutlich reduziert: 2009 investierten sie noch fast 40 Prozent ihrer Gelder in europäische Banken, zuletzt waren es nur noch zwölf Prozent.

Deutsche Banken profitieren von der stabilen Konjunktur

Flucht aus Spanien. Entwicklung der Kundeneinlagen in Europa

Noch sind deutsche Banken sicher. Sie stehen in der Staatsschuldenkrise sogar stärker da als vor der Lehman-Pleite im Herbst 2008. Während sie damals noch mit einer durchschnittlichen Kernkapitalquote von 8,3 Prozent zu den anfälligsten in Europa zählten, befanden sie sich 2011 mit 13,1 Prozent im soliden Mittelfeld. Sie profitieren vor allem von der stabilen Konjunktur auf dem Heimatmarkt. Ihre Unternehmenskunden haben volle Auftragsbücher, ihre Verschuldung reduziert und zahlen niedrige Kreditzinsen. Auch die privaten Haushalte haben ihr Geldvermögen gesteigert. Die gesunkene Arbeitslosigkeit hat die Zahl der Kreditausfälle reduziert.

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    Doch ihre internationalen Verflechtungen machen auch sie verwundbar. Darauf machte Mitte vergangener Woche auch der Internationale Währungsfonds (IWF) aufmerksam. Ende 2011 hatten deutsche Banken nach der Statistik der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich Forderungen von 280 Milliarden Euro gegenüber Spanien und Italien in den Büchern. Hätten die Schuldenstaaten ihre Forderung nach einer EU-Einlagensicherung durchgesetzt, hätten deutsche Sparer die Kriseninstitute dort direkt stützen müssen. Doch auch so übernehmen die deutschen Steuerzahler immer neue Risiken in Milliardenhöhe.

    Analysten befürchten weitere Hilfen

    Immer mehr Staaten sind mit der Rettung ihrer Banken überfordert, sodass die internationale Hilfstruppe eingreifen muss. Zuerst in Irland: Jahrelang hatten Institute von der Insel mit günstigen Hypothekenkrediten eine Blase am Immobilienmarkt aufgepumpt. Als diese geplatzt war, stützte der irische Staat die Institute mit 64 Milliarden Euro und gründete 2009 eine Bad Bank, die von den Krisenbanken Immobilienkredite für 47 Milliarden Euro übernahm. Doch das reichte nicht. Die EU und der IWF mussten Ende 2010 mit Zusagen in Höhe von 67,5 Milliarden Euro einspringen.

    Analysten fürchten, dass weitere Hilfen erforderlich werden. Zwei bis vier Milliarden Euro könnten 2013 fehlen, warnen Experten der Deutschen Bank. Das von der EU erzwungene Sparprogramm bremst die Erholung, die hohe Arbeitslosigkeit und Gehaltskürzungen führen dazu, dass viele Iren ihre Hypothek nicht bedienen können. Im Mai warnte die irische Notenbank, dass ein Zehntel der Hypothekenschuldner drei Monate oder mehr mit ihren Zahlungen im Rückstand sind.

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