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KonjunkturProduktion überraschend eingebrochen – „heftiger Schlag für deutsche Konjunktur“

Die deutsche Industrie hat ihre Produktion im August deutlich zurückgefahren. Eine Branche verzeichnet dabei ein besonders großes Minus. 08.10.2025 - 14:36 Uhr
Im August haben deutsche Unternehmen ihre Produktion stark zurückgefahren. Foto: Mike Stewart/AP/dpa

Die Lage der Industriebetriebe bleibt schwierig: Die deutschen Unternehmen haben ihre Produktion im August so stark gedrosselt wie seit Beginn des Ukraine-Kriegs im März 2022 nicht mehr. Industrie, Bau und Energieversorger stellten zusammen 4,3 Prozent weniger her als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte.

Dies ist der größte Rückgang seit dem russischen Angriff auf die Ukraine. Ökonomen hatten nur mit einem Minus von 1,0 Prozent gerechnet, nach einem kurzen Lichtblick von plus 1,3 Prozent im Juli. „Das ist ein erneuter heftiger Schlag für die deutsche Konjunktur“, kommentierte LBBW-Analyst Jens-Oliver Niklasch. „Für das dritte Quartal wird damit ein erneuter Rückgang der Wirtschaftsleistung wahrscheinlicher.“ In den vergangenen fünf Monaten seit April 2025 war die Industrieproduktion nur einmal gestiegen.

Im Jahresvergleich meldete das Statistikamt für August ebenfalls einen unerwartet starken Rückschlag. Hier schrumpfte die Produktion um 3,9 Prozent, während Experten nur einen Dämpfer um 0,9 Prozent erwartet hatten.

Statt eines „Herbstes der Reformen“ drohe jetzt ein „Winter unseres Missvergnügens“, warnte Ökonom Niklasch. „Derzeit fällt es zunehmend schwerer, unseren nach wie vor positiven Ausblick für 2026 zu begründen.“ Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) sieht es als Weckruf, „dass gerade die industriellen Kernbranchen wegbrechen“.

Die Industrieproduktion falle auf den niedrigsten Stand seit der Coronapandemie. „Die hohen Energie- und Arbeitskosten sowie die Steuer- und Bürokratiebelastung sind eine Hypothek für den Industriestandort Deutschland“, warnte DIHK-Konjunkturexperte Jupp Zenzen. Die schwache Auftragslage aus dem In- und Ausland lasse auch keine baldige Trendwende erwarten.

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Auch das Bundeswirtschaftsministerium erklärte, insgesamt signalisierten die jüngsten Daten eine noch schwache Konjunkturentwicklung im dritten Quartal 2025. Für den weiteren Jahresverlauf zeichneten aktuelle Indikatoren ein uneinheitliches Bild und spiegelten damit die weiterhin hohen geo- und handelspolitischen Unsicherheiten wider.

Die deutsche Wirtschaft war Anfang des Jahres um 0,3 Prozent gewachsen, dann aber im Frühjahr im gleichen Umfang wieder geschrumpft.

Starker Rückgang in der Automobilindustrie

„Die Industrieproduktion ist im August vor allem deshalb eingebrochen, weil die Werksferien bei den Autobauern zumeist in diesen Monat fielen und es außerdem Produktionsumstellungen gab“, erläuterte Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer. Die Autoindustrie verbuchte ein Produktionsminus von 18,5 Prozent. „Abgesehen von diesem Sondereffekt bewegt sich die Industrieproduktion seit rund einem Jahr in der Grundtendenz seitwärts, nachdem sie vorher sechs Jahre im Trend gefallen war“, sagte Krämer.

Eine schnelle Erholung sei wegen des schwachen Neugeschäfts unwahrscheinlich. „Wir rechnen erst für das kommende Jahr mit einer stärkeren Belebung, wenn die Bundesregierung ihre Ausgaben schuldenfinanziert massiv erhöht und die Konjunktur anfacht.“ Diese Investitionen der Koalition werden 2026 laut Prognose des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) für mehr als die Hälfte des Wachstums sorgen. „Das Fiskalpaket allein dürfte 2026 bis zu 0,8 Prozentpunkte zum Wirtschaftswachstum beitragen“, erklärten die 14 Chefvolkswirte der Privatbanken. Demnach dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 1,4 Prozent zulegen, nach weitgehender Stagnation von plus 0,2 Prozent 2025.

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Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) stellte am Nachmittag die Prognose der Regierung vor. In dieser Herbstprojektion erwartet das Ministerium für die kommenden Jahre ein spürbares Wirtschaftswachstum um 1,3 Prozent (2026) und 1,4 Prozent (2027), nach einem Mini-Plus von 0,2 Prozent in diesem Jahr, wie die Nachrichtenagentur Reuters bereits am Samstag berichtet hatte.

Produktionsniveau von 2021 schwer zu erreichen

Sebastian Dullien vom gewerkschaftsnahen IMK-Institut sagte, das Produktionsminus sei „weniger katastrophal als die blanken Zahlen vermuten lassen“. In den kommenden Monaten sei mit einem Anziehen der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage und mit einer gewissen Stabilisierung der Industrieproduktion zu rechnen.

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„Da sich allerdings die globalen Rahmenbedingungen mit der zunehmenden handelspolitischen Abschottung der USA und der industriepolitisch geförderten Konkurrenz grundlegend verschoben haben, wird es für die deutsche Industrie schwer sein, zum Produktionsniveau von 2021 zurückzukehren.“

Die Industrie allein stellte im August 5,6 Prozent weniger her als im Vormonat. Zudem schwächelt das Neugeschäft: Die Bestellungen sanken im August um 0,8 Prozent und so das vierte Mal in Folge. Eine ähnlich lange Durststrecke hatte es zuletzt Anfang 2022 gegeben – zu Beginn des Ukraine-Kriegs. Die Energieerzeugung sank im August um 0,5 Prozent, während die Baubranche ihre Produktion um 0,6 Prozent steigerte.

Führende Institute haben zuletzt ihre Wachstumsprognosen für Europas größte Volkswirtschaft gesenkt. Sie trauen Deutschland 2025 nur noch ein Mini-Wachstum von 0,2 Prozent zu. In den nächsten beiden Jahren dürfte es stärker nach oben gehen – aber auch nur dank der massiven staatlichen Mehrausgaben für Infrastruktur und Verteidigung.

rtr, dpa, jre
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