Deutsche Wirtschaft im Aufschwung Investitionen geben Wirtschaft kräftigen Schub

Das deutsche Bruttoinlandsprodukt ist im ersten Quartal gestiegen. Es ist das stärkste Wachstum seit gut zwei Jahren. Der DIHK zeigt sich positiv gestimmt und hebt die Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft an.

Ein Arbeiter schleift in einer Produktionshalle des Maschinenbauers die Schweißnähte für eine Windkraftanlage glatt. Quelle: dpa

Kauffreudige Verbraucher und investierende Firmen haben der deutschen Wirtschaft im ersten Quartal zum stärksten Wachstum seit zwei Jahren verholfen. Für Impulse sorgten auch die boomende Baubranche und staatliche Ausgaben für die Flüchtlinge, während der Außenhandel wegen der globalen Konjunkturschwäche bremste. Insgesamt kletterte das Bruttoinlandsprodukt von Januar bis März um 0,7 Prozent im Vergleich zum Jahresende 2015, wie das Statistische Bundesamt mitteilte und damit eine Schätzung von Mitte Mai bekräftigte. "Die Binnenkonjunktur ist und bleibt die deutsche Wachstumsstütze Nummer eins", sagte Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank aus Liechtenstein.

Für Schwung sorgte vor allem der private Konsum, der um 0,4 Prozent zulegte. Auch die öffentliche Hand gab spürbar mehr Geld aus, um Flüchtlinge unterzubringen, zu verpflegen und in den Arbeitsmarkt einzugliedern. Der Staatskonsum stieg um 0,5 Prozent. Wegen des milden Winters zogen die Bauinvestitionen um 2,3 Prozent an und damit so stark wie seit zwei Jahren nicht mehr. "Die Errichtung von Flüchtlingsunterkünften hat den Bauinvestitionen einen zusätzlichen Schub gegeben", sagte BayernLB-Experte Stefan Kipar.

Die Unternehmen steckten 1,9 Prozent mehr Geld in Maschinen und Anlagen. Das ist der stärkste Zuwachs seit einem Jahr. "Trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes scheint den Unternehmen der Mut nicht völlig abhandengekommen zu sein", sagte Gitzel. Die Firmen täten es letztlich den Verbrauchern gleich: "Hohe Kassenbestände und niedrige Zinsen machen Investitionen attraktiv."

Der Außenhandel bremste dagegen, weil die Importe mit 1,4 Prozent stärker stiegen als die Exporte mit 1,0 Prozent. Die Ausfuhren leiden unter der schwächelnden Nachfrage aus großen Schwellenländern wie China, Brasilien und Russland.

Im laufenden Quartal dürfte sich das Wachstum allerdings nach Ansicht von Bundesregierung und Bundesbank wieder abgeschwächt haben. Dies sieht Kipar ähnlich, er betonte aber: "Der Aufschwung in Deutschland setzt sich auf jeden Fall fort." Für das Gesamtjahr rechnet er wie die Regierung mit einem Plus von 1,7 Prozent - das wäre genauso viel wie 2015.

DIHK hebt Wachstumsprognose für deutsche Wirtschaft an

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) blickt etwas optimistischer auf die Konjunktur. Er erhöhte seine Prognose für das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr von 1,3 auf 1,5 Prozent. "Bau und Konsum tragen die Konjunktur durchs Jahr", sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben am Dienstag. Sein Verband bleibt aber vorsichtiger als die Bundesregierung: Diese rechnet mit einem Plus von 1,7 Prozent, was dem Ergebnis von 2015 entsprechen würde.

Der DIHK stützt seine Schätzung auf eine Umfrage unter 24.000 Unternehmen. Diese bewerten ihre Geschäftslage im Frühjahr nicht mehr ganz so gut wie zu Jahresbeginn: 43 Prozent statt zuvor 46 Prozent bezeichnen sie als gut, neun statt acht Prozent als schlecht. "Im langfristigen Vergleich bleibt die Stimmung aber gut, vor allem dank der Entlastung durch den niedrigen Ölpreis und attraktiver Finanzierungsbedingungen", hieß es. Gleichzeitig blicken die Firmen optimistischer nach vorn. "Gerade Handel und konsumnahe Dienstleister sind zuversichtlich", erklärte der DIHK.

Dagegen trübten sich die Exporterwartungen ein. "Derzeit fehlen weltweit die Wachstumstreiber", erklärte die Kammer. "Die Weltwirtschaft ist durch politische Krisen und Rezessionen in einigen Ländern geprägt." Sonderfaktoren wie der vergleichsweise schwache Euro-Kurs und die Entlastung durch den niedrigen Ölpreis stützten hingegen die globale Nachfrage.

Für die kommenden Monate planen die Betriebe mit stabilen Investitionsbudgets. Sie wollen zudem mehr Mitarbeiter einstellen, vor allem der Handel, viele Dienstleister und die Baubranche. Ingesamt wollen 18 Prozent der befragten Unternehmen ihr Personal ausweiten und 70 Prozent ihren aktuellen Beschäftigungsstand halten, während zwölf Prozent mit weniger Mitarbeitern planen.

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