WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Kritik an Staatsbeteiligungen Bundeskartellamt erwartet Fusionswelle wegen Corona

Exklusiv
Laut Bundeskartellamt-Chef Andreas Mundt besteht die Gefahr, dass in einigen Bereichen die Wettbewerbsintensität sinkt. Quelle: dpa

Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts, rechnet aufgrund der Coronakrise mit einer Fusionswelle in Deutschland. Das Virus habe in vielen Branchen eine unfreiwillige Marktkonsolidierung in Gang gesetzt.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:

Der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, erwartet in diesem Jahr infolge der Coronakrise eine Fusionswelle in Deutschland. „Ich rechne mit einem starken Anstieg von Fusionen, bereits zum Jahresende 2020 haben wir eine wachsende Zahl registriert. Das Virus hat in vielen Branchen eine unfreiwillige Marktkonsolidierung in Gang gesetzt“, sagte der Jurist im Interview mit der WirtschaftsWoche.

Laut Mundt werden die Unternehmen in Deutschland je nach Branche völlig unterschiedlich aus der Krise herauskommen. Es bestehe die Gefahr, „dass in einigen Bereichen die Wettbewerbsintensität sinkt“. Mundt wörtlich: „Meine Sorge ist, dass wir in den nächsten Monaten auch über wettbewerbspolitisch heikle Zusammenschlüsse von Unternehmen mit von der Insolvenz bedrohten Konkurrenten entscheiden müssen“. Solche Sanierungsfusionen seien „immer schwierig, die Hürden relativ hoch“.

Mundt kündigte an, dass seine Behörde bei anstehenden Fusionsprüfungen trotz der besonderen Rahmenbedingungen kein Auge zudrücken werde: „Die Pandemie geht irgendwann zu Ende, die Fusionskontrolle aber ist dauerhafte Strukturkontrolle. Da können und dürfen wir nicht großzügig sein.“ Auch die während der Pandemie vom Bundeskartellamt tolerierten Firmenkooperation bei Einkauf, Vertrieb und Lagerhaltung werde die Bonner Wettbewerbsbehörde „nach der Krise wieder unter Normalbedingungen bewerten.“

Skeptisch äußerte sich Mundt zu den jüngsten Staatsbeteiligungen an privaten Unternehmen wie der Lufthansa. „Natürlich hat es Folgen für den Wettbewerb, wenn Unternehmen plötzlich am Kapitalmarkt und bei Banken den Staat als Anteilseigner präsentieren können – und deren Konkurrenten nicht“, so der Kartellamtschef in der WirtschaftsWoche. Es sei vor diesem Hintergrund „zu hoffen, dass die in der Krise eingegangenen Staatsbeteiligungen zeitlich begrenzt sein werden“.

Mehr zum Thema: Im Interview mit der WirtschaftsWoche erklärt der Chef des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, warum Deutschland eine Fusionswelle droht und warum er neue Aktionen gegen die Tech-Giganten plant.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%