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Wechselkurse Mr. Inflation und der weiche Dollar

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Bilanzsumme der US-Notenbank

Denn anders als nach der Lehman-Pleite, als die Fed schon einmal Staatsanleihen kaufte, dürfte diesmal eine Erleichterungsrally, die die Zinsen am Bondmarkt nach unten drückt, ausbleiben. Dazu kommt, dass die Investitionen derzeit nicht an hohen Zinsen, sondern an schlechten Absatzaussichten und der geringen Kapazitätsauslastung in den Unternehmen scheitern. Kritisch ist auch, dass die Fed durch den Kauf von Staatsanleihen zum direkten Finanzier der US-Regierung wird. Die Erfahrung zeigt: Druckt eine Notenbank Geld, um Löcher im Staatshaushalt zu finanzieren, führt dies früher oder später zu Inflation.

Für Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, ist klar, dass „Notenbank und Regierung die Wirtschaft aus der Krise herausinflationieren wollen und dazu einen schwächeren Binnen- und Außenwert des Dollar in Kauf nehmen“.

Diese Politik stößt selbst in den USA auf Kritik. So moniert Ökonomie-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz, Professor an der Columbia-Universität in New York, dass die Liquitätsflut der Fed „der amerikanischen Wirtschaft nicht hilft, aber im Rest der Welt Chaos verursacht“. Schon fliehen die Anleger aus dem Dollar, manche suchen ihr Heil in Edelmetallen wie Gold und Silber, andere kaufen vermeintlich sichere Währungen. Dazu zählt traditionell der Schweizer Franken. Die Notenbank in Zürich sieht sich daher seit Monaten gezwungen, den Höhenflug des Franken durch Interventionen am Devisenmarkt zu bremsen, um die heimische Exportwirtschaft zu schützen.

Auf in die Schwellenländer

U.S. Federal Reserve Bank in Quelle: dpa

Ein beliebtes Fluchtziel sind auch die Schwellenländer, die ein kräftiges Wirtschaftswachstum mit hohen Zinsen verbinden. Viele haben den Rohstoffboom der vergangenen Jahre genutzt, um ihre Staatshaushalte zu sanieren, zudem weisen ihre Handelsbilanzen Überschüsse auf. Jetzt lässt der Zustrom ausländischer Anlagegelder ihre Währungen kräftig aufwerten.

In Südamerika trifft das vor allem Brasilien, Chile, Peru und Kolumbien. In Kolumbien hat der Peso seit Jahresbeginn 13,5 Prozent gegenüber dem Dollar gewonnen, der Nuevo Sol in Peru 3,5 Prozent und der brasilianische Real 4,3 Prozent. Die Investmentbank Goldman Sachs hält den Real derzeit für die am stärksten überbewertete Währung weltweit.

Die Regierungen fürchten daher, ihre starken Währungen könnten die Exporte abwürgen und eine Tendenz zur Deindustrialisierung auslösen. Kolumbien hat beschlossen, die nächsten vier Monate täglich bis zu 20 Millionen Dollar am Devisenmarkt anzukaufen. Perus Zentralbank hat seit Jahresbeginn neun Milliarden Dollar gekauft, rund ein Viertel der gesamten Devisenreserven. In Brasilien steigerte die Zentralbank ihre Dollar-Bestände um rund 25 Prozent auf rund 274 Milliarden Dollar. Weil die Maßnahmen bisher wenig Erfolg zeigen, beschloss die Regierung in der vergangenen Woche zudem, den Steuersatz für ausländische Kapitalzuflüsse in Festzinsanleihen von zwei auf vier Prozent zu erhöhen.

Auch in Asien wachsen die Sorgen. Die Talfahrt des Dollar setzt die Währungen zwischen Korea im Norden und Indonesien im Süden der Region unter Aufwertungsdruck – und droht den Exportmotor in Fernost zum Stottern zu bringen. Das ist gefährlich für die Volkswirtschaften Asiens, leben doch Länder wie Malaysia, Singapur, Taiwan und Indonesien vor allem von den Ausfuhren. Die Notenbanker in Taiwan und Südkorea haben darum bereits an den Devisenmärkten interveniert und Dollar gekauft. Singapurs Regierung hat öffentlich vor einem zu schwachen Dollar gewarnt.

Interventionen keine Lösung

Am größten ist die Furcht vor den wirtschaftlichen Folgen eines Dollar-Crashs allerdings in Thailand. Um elf Prozent hat der Baht in diesem Jahr zugelegt, so viel wie keine andere der zehn meistgehandelten Währungen Asiens außerhalb Japans. Die Folge: Im August wuchsen die Ausfuhren des Landes nur noch um 24 Prozent nach 46 Prozent im Juni. Um die Aufwertung des Baht zu bremsen, hat die Zentralbank bereits in größerem Umfang Dollar gekauft. „Die heftigen Kapitalzuflüsse zu managen ist eine entscheidende Herausforderung“, heißt es in einem Bericht der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB) in Manila. Zu den möglichen Instrumenten gehörten „manchmal auch vorübergehende und gezielte Kapitalverkehrskontrollen“, schreiben die ADB-Ökonomen.

Ob Kapitalverkehrskontrollen, Devisenmarktinterventionen und Wechselkursziele tatsächlich sinnvoll sind, ist jedoch fraglich. Das zeigt das Beispiel Chinas. Um die Exporte zu stützen, haben die Chinesen den Wechselkurs des Yuan an den Dollar gekoppelt. Aufwertungen duldet die Regierung in Peking nur in homöopathischen Dosen. Experten gehen davon aus, dass der Yuan gegenüber dem Dollar um bis zu 40 Prozent unterbewertet ist. Mit dem Rückenwind einer billigen Währung hätten chinesische Unternehmen amerikanische Anbieter vom Weltmarkt verdrängt, lautet der Vorwurf aus Washington.

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