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Wirtschaftswissenschaft Robert Mundell - Der Pate unter den Ökonomen

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Theorie der optimalen Währungsräume

Eurogroup Quelle: REUTERS

Zwar wird Mundell im Laufe der Jahre etwas ruhiger, die Neigung zum anderen Geschlecht behält er jedoch bis ins hohe Alter. Mit Mitte 60 wird er noch Vater. Auf den späten Nachwuchs ist er so stolz, dass er den damals zweijährigen Sohn 1999 zum feierlichen Nobelpreisbankett mitbringt. Es ist das erste Mal, dass ein Kleinkind an der Feier in Stockholm teilnimmt.

Dass ihn die schwedische Akademie der Wissenschaften ausgerechnet 1999, dem Jahr der Euro-Einführung, mit dem Ökonomienobelpreis auszeichnet, hat seinen Grund. Berühmt geworden ist Mundell vor allem mit seinen Forschungsarbeiten zu Währungsunionen. Schon 1961 entwickelte er seine Theorie der optimalen Währungsräume. Danach kann eine Währungsunion auf Dauer nur gelingen, wenn sich ähnliche Volkswirtschaften mit hoher Mobilität der Arbeitskräfte zusammenschließen. Mit einer einheitlichen Währung verzichten die Länder auf den Wechselkurspuffer, der Unterschiede in den wirtschaftlichen Entwicklungen ausgleichen kann.

Literatur von und über Robert Mundell

Durch eine Abwertung steigt die preisliche Wettbewerbsfähigkeit. Dann können die Waren im Ausland billiger angeboten werden, wodurch dort die Nachfrage steigt. Das Überschussangebot und die Arbeitslosigkeit schrumpfen, die Preise stabilisieren sich. In einer Währungsunion aber funktioniert dieser Mechanismus nicht. Ein Ersatz dafür ist dann laut Mundell die Mobilität der Arbeit. Arbeitnehmer, die in ihrem Heimatland keine Beschäftigung mehr finden, wandern in eine Region mit stabiler Nachfrage und höheren Löhnen ab – und zwar so lange, bis sich Lohn- und Preisniveau zwischen Heimat- und Zielland angeglichen haben. Damit das reibungslos geschehen kann, müssen Löhne und Preise in und zwischen den Ländern, die einen gemeinsamen Währungsraum bilden, flexibel sein.

Euroraum zu different

1963 führt der Kanadier Ronald McKinnon, aufbauend auf den Forschungen seines Landsmanns Mundell, den Offenheitsgrad als zusätzliche Bedingung für einen optimalen Währungsraum ein: Je mehr die Mitgliedsländer untereinander handeln, desto schädlicher sind die Folgen einer Wechselkursänderung. Daraus leitet er ab, dass Länder, zwischen denen ein reger Warenaustausch stattfindet, eher geeignet sind, einen optimalen Währungsraum zu bilden. Aber auch die Struktur der Volkswirtschaften ist laut dem Princeton-Ökonomen Peter Kenen entscheidend. Hat ein Land viele verschiedene Wirtschaftszweige, ist es tendenziell geeignet für eine Währungsunion, weil es Krisen in einzelnen Branchen besser verkraften und auf den Wechselkurs als Puffer verzichten kann.

Die Euro-Zone in ihrer jetzigen Form ist offensichtlich kein optimaler Währungsraum. Dafür sind die Volkswirtschaften der Mitgliedstaaten zu unterschiedlich. Dass derzeit Massen von arbeitslosen Griechen nach Westeuropa wandern, ist nicht zu beobachten. Vor allem die Sprachbarrieren dürften noch für Jahrzehnte dafür sorgen, dass die Mobilität zwischen den Euro-Staaten relativ gering bleibt.

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