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Schweizer Großbank Credit Suisse legt bestes Quartalsergebnis seit fünf Jahren vor

Der neue Credit-Suisse-Chef Thomas Gottstein legt starke Quartalszahlen vor. Das Handelsgeschäft boomt. Der unrühmliche Abgang des Ex-CEO scheint vergessen.

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Die Schweizer Großbank profitiert vom boomenden Handelsgeschäft mit Aktien und Anleihen. Quelle: dpa

Gelungener Einstand für den neuen Credit-Suisse-Chef Thomas Gottstein: Die Schweizer Großbank steigerte ihren Gewinn im ersten Quartal 2020 um 75 Prozent auf 1,3 Milliarden Franken, wie sie am Donnerstag mitteilte. Damit übertraf das Institut die Analystenerwartungen und erreichte das beste Quartalsergebnis der vergangenen fünf Jahre. Neben deutlich anziehenden Erträgen aus dem Anleihen- und Aktienhandel sorgte auch ein Erlös aus dem Verkauf einer Fondsplattform sowie ein negativer Steuersatz für Schub.

„Das erste Quartal unter meiner Leitung als CEO der Gruppe war durch ein sehr schwieriges Umfeld mit einschneidenden Auswirkungen infolge der COVID-19-Pandemie gepräg“, erklärte Gottstein. „Unser auf die Vermögensverwaltung ausgerichtetes Geschäftsmodell erwies sich erneut als widerstandsfähig.“ Doch inzwischen ziehen vermehrt dunkle Wolken auf. In den kommenden Quartalen müsse die Bank möglicherweise weitere Reserven bilden und Wertberichtigungen vornehmen, hieß es in der Mitteilung. Zudem könnte die Erholung bei den Beratungs- und Emissionsgebühren verhalten ausfallen.

Im ersten Quartal schraubte Credit Suisse die Kreditrückstellungen auf 568 (Vorjahresperiode 81) Millionen Franken hoch. Zuvor hatten die großen US-Banken wegen des wirtschaftlichen Stillstands, der stark gefallenen Ölpreise und der Millionen an Arbeitslosen Milliarden für faule Kredite zurückgestellt und im Gegenzug Gewinneinbrüche verzeichnet.

Kreditkartengeschäft belastet

Zu schaffen macht den Banken im Abschwung das Geschäft mit Konsumkrediten und Kreditkarten, das sie in Boomzeiten ausgebaut haben. Doch in diesem Geschäft sind weder die Credit Suisse noch der Erzrivale UBS stark engagiert. Beide setzen vor allem auf reiche Privatkunden und auf das Investmentbanking. Credit Suisse ist die erste große europäische Bank, die seit dem Ausbruch der Pandemie einen Abschluss vorlegt.

Dank der Turbulenzen an den Börsen kletterte der Ertrag aus dem Anleihenhandel im Startquartal um 26 Prozent, während das Institut mit dem Aktienhandel 24 Prozent mehr einnahm. Die Deutsche Bank, die ihre Quartalsbilanz am 29. April vorlegen will, kann vom Aktienhandels-Boom nicht mehr profitieren. Sie war im Zuge ihres Konzernumbaus, dem 18.000 Jobs zum Opfer fallen, aus dem Geschäft ausgestiegen.

Credit Suisse hat die Sanierung dagegen bereits unter Gottsteins Vorgänger Tidjane Thiam abgeschlossen. Der Ivorer hatte seinen Posten in Zusammenhang mit einer Beschattungsaffäre Mitte Februar abgegeben. Der als bodenständig geltende Gottstein ist in vielerlei Hinsicht der Gegenentwurf zu seinem glamourösen Vorgänger. Den ersten Akzent setzte der frühere Investmentbanker mit einem Kreditprogramm der Schweizer Banken für die an der Coronakrise leidenden Mittelständler, an dessen Entwicklung er maßgeblich beteiligt war.

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